Foto: Kreuzschnabel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Briefing · 4 min ·

Die Welt kauft 20 Prozent weniger Computer. Der Speicher kostet viermal so viel

Im dritten Quartal 2026 wurden weltweit 20 Prozent weniger PCs ausgeliefert. KI-Rechenzentren kaufen den Speicher leer, der heute fast 40 Prozent der Bauteilkosten ausmacht. Für Schweizer KMU heisst das: Geräte länger nutzen, Ersatz früh planen.

Arbeitsspeicher-Riegel im geöffneten Laptop

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Kurz gesagt: Im dritten Quartal 2026 wurden weltweit 20 Prozent weniger Computer ausgeliefert als ein Jahr zuvor, meldet das Marktforschungsinstitut IDC. Der Grund ist der Speicher: Weil KI-Rechenzentren den Markt leerkaufen, macht Arbeitsspeicher heute fast 40 Prozent der Bauteilkosten eines PCs aus. Für Schweizer KMU heisst das: Geräte länger nutzen und Ersatz früh planen. Billiger wird es so bald nicht.

Ein Laptop besteht aus vielen Teilen. Den teuersten hat lange niemand beachtet: zwei kleine grüne Platinen, den Arbeitsspeicher. Heute entscheiden sie über den Preis.

Im dritten Quartal 2026 lieferten die Hersteller weltweit 62,7 Millionen Computer aus, 20,1 Prozent weniger als im Vorjahr, zeigt der PC-Tracker von IDC. Das Institut Omdia kommt auf ein Minus von 21,2 Prozent, berichtet The Register. Ein solcher Einbruch ist selten. Normalerweise verkaufen die Hersteller im dritten Quartal mehr als im zweiten, diesmal waren es 9,1 Prozent weniger.

Wer verliert am meisten?

Die Grossen. HP lieferte 30,9 Prozent weniger aus, Dell 25 Prozent, Marktführer Lenovo 22,6 Prozent. Apple kam mit einem Minus von 11,3 Prozent glimpflicher davon und gewann Marktanteile, ebenso Asus.

Warum kauft niemand mehr?

Weil im ersten Halbjahr alle gekauft haben. Händler und Firmen deckten sich ein, bevor die Preise stiegen, erklärt IDC-Analyst Jitesh Ubrani. Jetzt sind die Lager voll und die Budgets leer. Dahinter steht die Knappheit beim Speicher. Die KI-Industrie kauft Arbeitsspeicher und SSDs in grossen Mengen für ihre Rechenzentren. Die Preise dafür haben sich laut Omdia mehr als vervierfacht. Früher machten Speicher und SSD etwa 15 Prozent der Bauteilkosten eines PCs aus, heute fast 40 Prozent.

Grafik: Anteil von Arbeitsspeicher und SSD an den Bauteilkosten eines PCs, früher 15 Prozent, Herbst 2026 fast 40 Prozent
Quellen: Omdia via The Register; IDC. Grafik: Leitgrad

Schon im März hatte das Marktforschungsinstitut Gartner vorausgesagt, dass PCs 2026 im Schnitt 17 Prozent teurer werden und Firmen ihre Geräte rund 15 Prozent länger nutzen. IDC erwartet, dass die Preise bis ins Jahr 2027 deutlich über dem Vorjahr bleiben. Omdia rechnet für das vierte Quartal mit einem weiteren Minus von 24 Prozent.

Was heisst das für ein Schweizer KMU?

Zuerst eine gute Nachricht: Steuerlich spricht nichts dagegen, ein Gerät länger zu nutzen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung erlaubt für Hardware und Software eine Abschreibung von 40 Prozent pro Jahr auf den Restwert, laut Merkblatt A 1995. Nach drei Jahren steht ein Laptop noch mit gut einem Fünftel in den Büchern. Wer ihn ein viertes oder fünftes Jahr behält, hat ihn längst abgeschrieben.

  1. Bestand prüfen: Welche Geräte laufen ohnehin noch zwei Jahre? Oft reicht mehr Speicher oder eine neue SSD, solange die Teile nicht fest verlötet sind.
  2. Ersatz bündeln: Wer zehn Laptops ersetzen muss, fragt mehrere Händler an und wartet auf Aktionen. IDC hält kurzfristige Rabatte für möglich, weil die Lager voll sind.
  3. Ausstattung bewusst wählen: Speicher ist der teure Teil. Wer nicht mit grossen Datenmengen arbeitet, braucht nicht das grösste Modell.
  4. Budget anpassen: Für die Planung 2027 mit höheren Stückpreisen rechnen, nicht mit denen von 2025.

Unsere Einschätzung: Die KI frisst die Bauteile, die der Büro-PC braucht. Das ist keine Delle, die im nächsten Quartal vorbei ist, sondern eine neue Rangordnung: Wer mehr zahlt, bekommt den Speicher zuerst, und das sind die Rechenzentren. Für ein KMU ist der beste Laptop in den nächsten zwölf Monaten oft der, den es schon hat.

Wie die Rechenzentren den Strom und den Markt verändern, zeigt unser Dossier Energie und Rechenzentren.

Häufige Fragen

Um wie viel ist der PC-Absatz eingebrochen?

Im dritten Quartal 2026 um 20,1 Prozent auf 62,7 Millionen Geräte, meldet IDC. Omdia kommt auf 21,2 Prozent weniger. Es ist das zweite Quartal mit Rückgang in Folge.

Warum werden Computer teurer?

Weil Arbeitsspeicher und SSDs knapp sind. KI-Rechenzentren kaufen grosse Mengen, die Preise haben sich laut Omdia mehr als vervierfacht. Speicher macht heute fast 40 Prozent der Bauteilkosten eines PCs aus.

Wie schnell darf ein KMU einen Laptop abschreiben?

Nach dem Merkblatt A 1995 der Eidgenössischen Steuerverwaltung mit 40 Prozent pro Jahr vom Buchwert, oder mit 20 Prozent vom Anschaffungswert. Kantonale Regeln können Sofortabschreibungen zulassen.

Quellen

  1. IDC Worldwide Quarterly PC Tracker, 3. Quartal 2026, via Notebookcheck, 9. Oktober 2026 notebookcheck.net
  2. The Register, PC-Auslieferungen nach IDC und Omdia, Oktober 2026 theregister.com
  3. Gartner via Computing, Prognose 2026 für PCs und Speicherpreise, 2. März 2026 computing.co.uk
  4. Eidgenössische Steuerverwaltung, Merkblatt A 1995, Abschreibungen auf dem Anlagevermögen geschäftlicher Betriebe PDF

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