Gründer & Leader · 5 min ·

Piomic: 25 Millionen Dollar und eine Frist in Washington

Swisscanto führt eine 25-Millionen-Runde für das Zürcher Medtech an. Warum eine Medicare-Regel der Finanzierung eine Uhr gibt: Mai 2028.

Zwei Angaben: 25 Millionen Dollar Finanzierung für Piomic Medical und die Frist 1. Mai 2028 für die US-Zulassung

Am vergangenen Freitag meldete ein Zürcher Medtech-Unternehmen eine Finanzierung über 25 Millionen Dollar. Das ist für ein Schweizer Start-up viel Geld, aber keine Sensation. Interessant wird die Meldung an einer unscheinbaren Stelle weiter unten. Dort steht ein Satz über eine amerikanische Vergütungsregel, der erklärt, warum Piomic Medical jetzt Geld braucht und bis wann es damit etwas erreichen muss.

Das Wichtigste in Kürze

Die Zürcher Piomic Medical AG, gegründet 2016 und von der ETH zu ihren Start-ups gezählt, hat am 18. September 25 Millionen Dollar aufgenommen. Angeführt wird die Runde von einem Private-Equity-Fonds von Swisscanto mit 10 Millionen Franken, dabei sind unter anderem die Zürcher Kantonalbank und Verve Ventures. Insgesamt hat Piomic seit der Gründung über 50 Millionen Dollar erhalten. Das Geld soll die US-Zulassung des Wundtherapiegeräts COMS One ermöglichen. Die Frist dafür setzt Washington: Eine im August beschlossene Medicare-Regel schafft einen Vergütungsweg für Durchbruchsprodukte ab, lässt aber eine Übergangsfrist. Wer die Zulassung der FDA bis zum 1. Mai 2028 hat, kann ihn noch nutzen.

25 Millionen Dollar frisches Kapital. Und eine Frist bis Mai 2028.

Die Finanzierung von Piomic Medical und die Frist, bis zu der das Gerät die US-Zulassung braucht, um eine auslaufende Medicare-Vergütungsregel noch zu nutzen.

Zwei Angaben: 25 Millionen Dollar Finanzierung für Piomic Medical und die Frist 1. Mai 2028 für die US-Zulassung
Die Finanzierung von Piomic Medical und die Frist, bis zu der das Gerät die US-Zulassung braucht, um eine auslaufende Medicare-Vergütungsregel noch zu nutzen.

Was Piomic baut

COMS One steht für Concurrent Optical and Magnetic Stimulation, gleichzeitige Stimulation mit Licht und Magnetfeldern. Das Gerät ist tragbar und dringt nicht in den Körper ein. Es soll chronische Wunden heilen helfen, die mit herkömmlicher Behandlung nicht zuheilen, allen voran diabetische Fussgeschwüre. In Europa trägt es die CE-Kennzeichnung nach der Medizinprodukteverordnung. In den USA ist es noch in der Prüfung.

Dort läuft die entscheidende Studie. MAVERICKS ist randomisiert, doppelblind und gegen eine Scheinbehandlung kontrolliert, mit 224 Patientinnen und Patienten an 30 Zentren. In Europa läuft parallel eine von Ärzten initiierte Studie zu chronischen Beingeschwüren, in der Schweiz, Österreich, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien. Im September 2025 erteilte die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA dem Gerät den Status eines Breakthrough Device, eines möglichen Durchbruchsprodukts.

Warum der Satz zur Medicare-Regel zählt

In der Mitteilung schreibt Piomic, COMS One habe unter einer Übergangsbestimmung der Medicare-Behörde CMS die Berechtigung für den «Alternative Pathway» behalten. Das klingt nach einem Erfolg. Man muss wissen, was dahintersteht.

Wer in den USA ein neues Medizinprodukt im Spital einsetzt, erhält die Kosten oft nicht vollständig vergütet, solange es keine eigenen Tarife gibt. Für diese Lücke gibt es Zusatzvergütungen für neue Technologien. Durchbruchsprodukte hatten dafür einen erleichterten Weg. Diesen Weg schafft CMS mit der am 3. August beschlossenen Regel für das Haushaltsjahr 2027 ab, wirksam ab dem Haushaltsjahr 2028. Ausgenommen sind nur Produkte, die den Durchbruchsstatus bis zum 30. September 2026 erhalten haben. Und für die stationäre Zusatzvergütung gilt zusätzlich: Die Marktzulassung der FDA muss bis zum 1. Mai 2028 vorliegen.

Piomic erfüllt die erste Bedingung, weil der Status seit September 2025 besteht. Die zweite Bedingung ist offen. Damit bekommt die Finanzierung eine Uhr: Das Geld muss die Studie abschliessen, den Zulassungsantrag stemmen und das Gerät in den Markt bringen, und die Zulassung sollte vor Mai 2028 kommen. Wer das verpasst, verliert nicht das Produkt, aber einen Vorteil bei der Vergütung, der für ein junges Medtech-Unternehmen in den USA den Unterschied zwischen schnellem und langsamem Markteintritt machen kann.

Schweizer Geld am Steuer

Bemerkenswert ist auch, wer die Runde anführt. Der Swisscanto (CH) Private Equity Switzerland Growth II, ein Fonds aus dem Umfeld der Zürcher Kantonalbank, investiert 10 Millionen Franken. Dazu kommen der Diabetes Venture Fund, die Zürcher Kantonalbank selbst, Verve Ventures, die Sky Stiftung, N&V Capital und ein Schweizer Family Office. In einem Markt, in dem Schweizer Investoren 2025 nur 13 Prozent des Wachstumskapitals für Schweizer Scale-ups stellten, ist eine Runde unter Schweizer Führung die Ausnahme.

Chef von Piomic ist Christopher Hertz, den Verwaltungsrat präsidiert Bertrand Hughes. Neu kommt Andy Weymann als Beobachter hinzu, früher medizinischer Chef des britischen Medtech-Konzerns Smith+Nephew. Er sitzt nicht im Verwaltungsrat, sondern daneben, eine übliche Rolle für erfahrene Industrieleute, die ein Unternehmen auf den amerikanischen Markt vorbereiten helfen.

Für Schweizer Medtech-Unternehmen ist Piomic ein Lehrstück. Die Zulassung in Europa ist ein Etappenziel. Das Geschäft entscheidet sich oft in den USA, an Regeln, die in Washington geschrieben und geändert werden. Wer dort nicht rechtzeitig ist, zahlt mit Zeit. Piomic hat jetzt das Geld. Die Frist läuft.

Methode

Die Angaben zur Finanzierung, zu den Studien und zu den Personen stammen aus der Mitteilung von Piomic vom 18. September 2026. Die Bedingungen der Medicare-Regel haben wir der Zusammenfassung der Kanzlei Gardner Law zur Regel für das Haushaltsjahr 2027 entnommen; die Regel selbst wurde am 4. August 2026 im Federal Register publiziert. Ob Piomic die stationäre Zusatzvergütung, die ambulante Übergangsvergütung oder beide anstrebt, geht aus der Mitteilung nicht eindeutig hervor; die Frist vom 1. Mai 2028 gilt für die stationäre Vergütung. Eine eigene Mitteilung von Swisscanto oder der Zürcher Kantonalbank zur Runde haben wir nicht gefunden.

Was im Themenvorschlag anders stand: Der ursprüngliche Entwurf war ein Porträt eines Mitgründers, gestützt auf die Firmenwebsite. Wir haben stattdessen die Finanzierung und die Regel dahinter zum Thema gemacht. Ein Porträt würden wir nur mit eigenen Gesprächen schreiben.

Quellen

  1. Piomic Medical, «Swisscanto leads USD 25 million growth financing for Piomic Medical», 18. September 2026; Mitteilungen zur FDA Breakthrough Device Designation (18. September 2025) und zur NAZARÉ-Studie (2. Juli 2026) piomic.com
  2. Gardner Law, «CMS grandfathers breakthrough devices for NTAP and TPT», August 2026; Centers for Medicare & Medicaid Services, FY 2027 IPPS Final Rule, Federal Register vom 4. August 2026 gardner.law
  3. startupticker.ch, Meldung zur Finanzierungsrunde, September 2026 startupticker.ch
  4. Swiss Scale-Up Report 2026, Deep Tech Nation Switzerland u. a., 16. September 2026 deeptechnation.ch

Früher zum Thema: Die ETH-Serie · Hundert Franken Wachstumskapital, dreizehn aus der Schweiz

Mehr zu diesen Themen

Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren

Teilen

Korrekturen und Ergänzungen: Wir arbeiten mit öffentlichen Quellen und Unternehmensangaben. Wer einen Fehler findet oder eine Zahl aktualisieren kann, schreibt an redaktion@leitgrad.ch. Korrekturen kennzeichnen wir im Artikel. Unsere Regeln: Redaktionsstatut.

Weiterlesen

Das Morgen-Briefing

Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren