Ein Xiaomi SU7 in Schanghai. Der Elektro-Sportwagen des Smartphone-Herstellers kam 2024 auf den Markt.Foto: S5A-0043 / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (Lizenz)

China · 9 min ·

Porsche verkauft in China noch so viel wie in Deutschland. Die Chinesen waren schlicht schneller

2021 war China Porsches grösster Markt, heute liegt er kaum vor Deutschland. Frank Sieren sagt, die Marke «verglüht». Was BYD und Xiaomi besser machen, wo Chinas Autoindustrie selbst kämpft und was Schweizer Kader daraus lernen.

Ein Xiaomi SU7 in Schanghai

Ein Xiaomi SU7 in Schanghai. Der Elektro-Sportwagen des Smartphone-Herstellers kam 2024 auf den Markt.Foto: S5A-0043 / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (Lizenz)

Kurz gesagt: Porsche hat 2021 in China 95 671 Autos ausgeliefert, 2025 waren es noch 41 938. In den ersten neun Monaten 2026 fiel der Absatz um weitere 33 Prozent, China liegt für Porsche nur noch knapp vor Deutschland. Der China-Kenner Frank Sieren sagt, die Marke «verglüht» dort. Die Gewinner sind chinesische Hersteller wie BYD und Xiaomi, die im Heimmarkt inzwischen sieben von zehn Neuwagen verkaufen. Sie sind schneller bei Batterie, Software und Modellwechseln. Billig ist ihr Erfolg nicht: Die Branche kämpft mit tiefen Margen, Verlusten und einem schrumpfenden Inlandmarkt. Für Schweizer Kader lohnt der nüchterne Blick, nicht die Empörung.

«Man kann beobachten, wie die Marke Porsche in China regelrecht verglüht.» Das sagt Frank Sieren der Stuttgarter Zeitung, der Zeitung aus Porsches Heimatstadt. Sieren lebt seit 1994 in Peking und schreibt seit drei Jahrzehnten über Chinas Wirtschaft, zuletzt das Buch «Der Auto-Schock». Am 12. Oktober sprach er im Wasserschloss Inzlingen, gleich hinter der Grenze bei Riehen.

Seine Diagnose ist unbequem für Europa. Die deutschen Hersteller hätten «in einer Mischung aus Stolz und Überheblichkeit die Innovationskraft der Chinesen unterschätzt». Man muss Sieren nicht in allem folgen, um zu sehen, dass die Zahlen ihm recht geben. Porsche hat sie am 9. Oktober selbst veröffentlicht.

Was ist mit Porsche in China passiert?

Ein Absturz in vier Jahren. 2021 war China der grösste Einzelmarkt von Porsche, fast jedes dritte Auto ging dorthin. Seither sinkt der Absatz Jahr für Jahr. Von Januar bis September 2026 lieferte Porsche in China 21 493 Autos aus, ein Drittel weniger als im Vorjahr. In Deutschland waren es im selben Zeitraum 20 954, meldet der Konzern.

Ein Porsche Taycan auf einer Strasse in China
Früher ein Statussymbol, heute ein Auto unter vielen: ein Porsche Taycan in China, 2022. Foto: Dinkun Chen / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Jahr Porsche-Auslieferungen in China Veränderung Anteil am weltweiten Absatz
2021 95 671 +8 % rund 32 %
2023 79 283 −15 % 25 %
2024 56 887 −28 % 18 %
2025 41 938 −26 % 15 %
Jan. bis Sept. 2026 21 493 −33 % 12 %

Quellen: Porsche, Jahres- und Quartalszahlen; Anteile: Berechnung Leitgrad.

Porsche selbst spricht von schwierigen Bedingungen im Luxussegment und von sehr hartem Wettbewerb bei den Elektroautos. Der Konzern verkauft bewusst weniger, statt die Preise zu senken, und nennt das «Wert vor Volumen». Das Händlernetz in China soll von 150 auf rund 80 Betriebe schrumpfen, berichtet CnEVPost. In seiner neuen Strategie rechnet Porsche mit einer «sehr konservativen China-Planung», wie das Unternehmen am Kapitalmarkttag vom 7. Oktober erklärte.

Grafik: Porsche lieferte 2021 in China 95 671 Autos aus, 2025 noch 41 938. In den ersten neun Monaten 2026 waren es 21 493, kaum mehr als in Deutschland
Quelle: Porsche, Auslieferungen 2021 bis September 2026. Grafik: Leitgrad

Wer gewinnt in China stattdessen?

Die Chinesen selbst. 2025 kamen 65 Prozent aller in China verkauften Autos von chinesischen Marken, im Juli 2026 waren es 71 Prozent, so der Branchenverband CPCA, wie news18a berichtet. Deutsche Marken kamen noch auf gut 12 Prozent. Zugleich fahren immer mehr Neuwagen elektrisch oder als Plug-in-Hybrid, im August 65 Prozent, ein Rekord, meldet CnEVPost.

  • BYD verkaufte 2025 rund 4,6 Millionen Autos, sechzehnmal so viele wie Porsche weltweit. Inzwischen wächst die Firma vor allem im Ausland: Von Januar bis September 2026 gingen 1,34 Millionen Autos in den Export, fast doppelt so viele wie im Vorjahr, schreibt Electrive.
  • Xiaomi, eigentlich ein Smartphone-Hersteller, baut erst seit 2024 Autos und lieferte 2025 über 410 000 aus. Das Spitzenmodell SU7 Ultra kostet in China 529 900 Yuan, ein Porsche Taycan 918 000 Yuan, wie Reuters berichtete. Ein Analyst der Citi sieht Xiaomi allerdings eher als Konkurrenz für Audi, BMW und Mercedes als für Porsches Manufaktur.
  • Die deutschen Grossen verlieren mit. Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte der VW-Konzern in China 26 Prozent weniger Autos, Mercedes 28 Prozent, BMW 20 Prozent.

Sieren erklärt das seit Längerem mit drei Rückständen der Europäer: bei der Batterie, bei der digitalen Vernetzung im Auto und beim autonomen Fahren. In China kauft man ein Auto zunehmend wie ein Smartphone, nach Software, Bildschirm und Sprachassistent. Laut dem Automotive Disruption Radar von Roland Berger entwickeln chinesische Hersteller ein neues Modell in 24 bis 40 Monaten, europäische in 48 bis 60, berichtet die Flanders-China Chamber.

Das Autotransportschiff BYD Explorer No. 1 im Hafen von Wilhelmshaven
BYD exportiert mit eigenen Schiffen: die «BYD Explorer No. 1» in Wilhelmshaven, September 2026. Foto: Ein Dahmer / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Ein gelber Xiaomi SU7 Ultra in einem Xiaomi-Showroom in Guangzhou
Der Herausforderer: ein Xiaomi SU7 Ultra im Showroom in Guangzhou, Februar 2026. Foto: Daniel Lu / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Grafik: Im Juli 2026 kamen 71 von 100 in China verkauften Autos von chinesischen Marken, 12 von deutschen
Quelle: CPCA, via news18a, 19. August 2026. Grafik: Leitgrad

Was die Erfolgszahlen nicht zeigen

Wer China auf Augenhöhe betrachtet, sieht auch die Schwächen. Drei davon wiegen schwer.

Der Preiskampf frisst die Gewinne. Die Umsatzrendite der chinesischen Autoindustrie lag von Januar bis November 2025 bei 4,4 Prozent, 2017 waren es noch 7,8 Prozent, zeigen Daten des CPCA bei CarNewsChina. Seit Februar 2026 verbietet die Marktaufsicht den Verkauf unter den Herstellkosten. Selbst BYD verdiente im ersten Halbjahr 2026 ein Fünftel weniger. Der Hersteller GAC schrieb 2025 erstmals einen Jahresverlust, wie Caixin meldet.

Der Heimmarkt schrumpft. Seit Januar wird auf Elektroautos wieder eine Kaufsteuer von 5 Prozent fällig, die Prämien wurden gekürzt. Bis zum 27. September wurden in China rund 22 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Die Hersteller weichen ins Ausland aus. Ob das gelungene Internationalisierung ist oder exportierte Überkapazität, darüber streiten Fachleute.

Der Staat hat mitgeholfen. Das Washingtoner Forschungsinstitut CSIS schätzt die staatliche Förderung der chinesischen E-Auto-Industrie von 2009 bis 2023 auf mindestens 230 Milliarden Dollar. Im selben Bericht steht aber auch: Gemessen am Umsatz sind die Subventionen stark gesunken, und die Qualität der Autos ist echt, schreibt Scott Kennedy.

Auch Sieren selbst ist nicht unumstritten. Kritiker werfen ihm seit Jahren zu grosse Nähe zu Peking vor, Rezensenten seines Buches vermissen Quellenangaben. Seine Zahlen zu Porsche stimmen trotzdem, sie stammen von Porsche.

Und Porsche ist nicht am Ende. Der 911, das Herzstück der Marke, verkaufte sich in den ersten neun Monaten weltweit um 12 Prozent besser. Wo das Produkt einzigartig ist, zahlt die Kundschaft weiterhin. Unter Druck gerät, was austauschbar geworden ist.

Ein weisser Porsche 911 Carrera S der Generation 992
Der Porsche, der weiter wächst: der 911, hier als Carrera S. Foto: Alexander Migl / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Was heisst das für die Schweiz?

China kommt näher, auf der Strasse und im Handel. Im ersten Halbjahr 2026 wurde gut jeder zehnte Neuwagen in der Schweiz in China gebaut, chinesische Marken allein kamen auf 6,5 Prozent, zeigt eine Auswertung des Autoexperten Guido Biffiger für den Blick. Wie die Schweiz bei den Elektroautos insgesamt dasteht, zeigt unser Bericht zum Rang 16 in Europa.

Grafik: Im ersten Halbjahr 2026 waren 10,3 Prozent der Neuwagen in der Schweiz in China gebaut, 6,5 Prozent von chinesischen Marken, 3,8 Prozent von europäischen Marken
Ein Kästchen ist ein Tausendstel aller Neuwagen. Quelle: Auswertung Guido Biffiger via Blick, 1. August 2026. Grafik: Leitgrad

Zugleich öffnet sich China für Schweizer Firmen. Am 20. August haben die Schweiz und China die Verhandlungen über ein modernisiertes Freihandelsabkommen abgeschlossen. Heute ist erst gut die Hälfte der Schweizer Exporte nach China zollfrei, nach den Übergangsfristen sollen es 99,8 Prozent sein, meldet das SECO. Die Zollersparnis beziffert der Bund auf rund 244 Millionen Franken im Jahr, vor allem für Uhren, Maschinen und Pharma. China ist nach der EU und den USA der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz, 2025 betrug der Handel ohne Gold rund 33,5 Milliarden Franken.

Rund 600 Schweizer Firmen sind in China tätig. In der jüngsten Umfrage der Universität St. Gallen nennen 87 Prozent den harten Wettbewerb als grösste Herausforderung, private chinesische Konkurrenten holten bei Technologie, Qualität und Marke auf, so die HSG. Trotzdem wollen 42 Prozent ihre Investitionen erhöhen. Wie schnell chinesische Firmen auch hierzulande Fuss fassen, zeigen der Paketdienst aus Shenzhen und die Humanoiden, für die Zürich die Hände baut.

Ein gelber BYD Dolphin Surf an der Messe Auto Zürich 2025
Chinesische Marken drängen auf den Schweizer Markt: ein BYD Dolphin Surf an der Auto Zürich 2025. Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Drei Lehren für Schweizer Kader

Auf Augenhöhe statt von oben herab

  1. Das Tempo messen, nicht belächeln. Wer ein Produkt in vier bis fünf Jahren entwickelt, verliert gegen jemanden, der es in zwei bis drei schafft. Die Frage für jedes KMU: Wie lange dauert bei uns ein Zyklus, und warum?
  2. Die Stärken der anderen kennen, um die eigenen zu schärfen. Der 911 wächst, der austauschbare Elektro-Porsche nicht. Schweizer Firmen gewinnen dort, wo sie einzigartig sind: Präzision, Verlässlichkeit, Nischen, Vertrauen. Dort lohnt es sich zu investieren, nicht im Preiskampf.
  3. Hingehen statt urteilen. Eine Woche in Schanghai oder Shenzhen, ein Besuch an der Automesse, ein Gespräch mit einem Zulieferer vor Ort lehrt mehr als jede Schlagzeile. Wer Geschäfte auf Augenhöhe machen will, muss den Partner kennen. Das neue Freihandelsabkommen macht es leichter.

China ist weder der Bösewicht noch das Wunderland, als das es in Europa oft beschrieben wird. Es ist ein Mitbewerber mit eigenen Stärken: Tempo bei Batterie, Software und neuen Modellen. Die Schweiz hat andere: Präzision, Verlässlichkeit, Vertrauen. Am meisten gewinnt, wer die Stärken des anderen kennt und die eigenen gezielt einsetzt. Das neue Freihandelsabkommen ist dafür eine Einladung, zum Handel und zum Austausch in beide Richtungen. Porsche zeigt, was geschieht, wenn man zu lange nur auf sich selbst schaut. Der 911 zeigt, was möglich ist, wenn man seine Stärke kennt.

Häufige Fragen

Wer ist Frank Sieren?

Ein deutscher Journalist und Buchautor, Jahrgang 1967, der seit 1994 in Peking lebt. Er schrieb unter anderem für Handelsblatt, Zeit und Deutsche Welle und ist heute China-Experte bei The Pioneer. Sein jüngstes Buch «Der Auto-Schock» erschien im September 2025.

Wie viele Autos verkauft Porsche in China?

2025 waren es 41 938, 2021 noch 95 671. Von Januar bis September 2026 lieferte Porsche in China 21 493 Autos aus, 33 Prozent weniger als im Vorjahr und kaum mehr als in Deutschland (20 954).

Wie hoch ist der Marktanteil chinesischer Automarken in China?

2025 lag er bei 65 Prozent, im Juli 2026 bei 71 Prozent (CPCA). Deutsche Marken kamen im Juli auf gut 12 Prozent.

Wie viele Autos aus China werden in der Schweiz verkauft?

Im ersten Halbjahr 2026 waren 10,3 Prozent der Neuwagen in China gebaut, davon 6,5 Prozent von chinesischen Marken wie BYD und MG und 3,8 Prozent von europäischen Marken mit Produktion in China, etwa Volvo, Polestar und Smart.

Was bringt das neue Freihandelsabkommen mit China?

Nach den Übergangsfristen sollen 99,8 Prozent der heutigen Schweizer Exporte zollfrei nach China gehen, heute ist es gut die Hälfte. Die Verhandlungen wurden am 20. August 2026 abgeschlossen, die Unterzeichnung ist für 2026 geplant, danach folgt die Genehmigung im Parlament.

Quellen

  1. Stuttgarter Zeitung, Interview mit Frank Sieren von Jan Boller, 10. Oktober 2026 stuttgarter-zeitung.de
  2. Frank Sieren, Der Auto-Schock, Penguin 2025; Autorenseite bei The Pioneer penguin.de · thepioneer.de
  3. Porsche, Auslieferungen Januar bis September 2026, 9. Oktober 2026; Jahreszahlen 2024 und 2025; Kapitalmarkttag, 7. Oktober 2026 porsche.com · porsche.com · porsche.com · porsche.com
  4. CnEVPost zu Porsche 2021 und zum Händlernetz; CPCA-Daten zu Elektroautos, September 2026 cnevpost.com · cnevpost.com · cnevpost.com
  5. CPCA zu Markenanteilen, via news18a, 19. August 2026; via Gasgoo, 12. Januar 2026 news18a.com · gasgoo.com
  6. Electrive zu BYD, 2. Oktober 2026; Reuters zum Xiaomi SU7 Ultra, 28. Februar 2025 electrive.com · timeslive.co.za
  7. Roland Berger, Automotive Disruption Radar, via Flanders-China Chamber, Dezember 2025 flanders-china.be
  8. CarNewsChina zur Branchenmarge, 27. Dezember 2025; Caixin zu den Gewinnen 2025, 15. April 2026; Caixin zur Kaufsteuer, 23. Januar 2026 carnewschina.com · caixinglobal.com · caixinglobal.com
  9. CSIS, Scott Kennedy, The Chinese EV Dilemma, 20. Juni 2024 csis.org
  10. Blick, Autos «made in China» in der Schweiz, 1. August 2026 blick.ch
  11. SECO, Abschluss der Verhandlungen zum Freihandelsabkommen, 20. August 2026; Faktenblatt seco.admin.ch · sinoptic.ch
  12. Universität St. Gallen, Swiss Business in China Survey 2025, 3. Februar 2026 unisg.ch
Merag Shahzad

China · Die Kolumne

Merag Shahzad ist Gründer und Herausgeber von Leitgrad und führt die Zürcher GEO-Agentur meit. In der Kolumne «2 Rappen» schreibt er über Sichtbarkeit, Macht und Diskretion in der Schweizer Wirtschaft. Zum Profil

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Merag Shahzad ist Gründer und Herausgeber von Leitgrad und führt die Zürcher GEO-Agentur meit. In der Kolumne «2 Rappen» schreibt er über Sichtbarkeit, Macht und Diskretion in der Schweizer Wirtschaft. Zum Profil

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