Briefing · 6 min ·

Ein Paketdienst aus Shenzhen baut Platz für 50 000 Schweizer Päckli am Tag

Speedaf, gegründet 2019 und mit ZTO Express als Gründungsaktionär, baut in der Schweiz ein Sortierzentrum für bis zu 50 000 Sendungen am Tag. Das wären gut acht Prozent des Volumens der Post. Der Zeitpunkt ist heikel: Das Parlament will die Päckli aus Asien stärker kontrollieren.

Ein Paket mit Barcode-Etikett auf rotem Grund.

Die Schweizerische Post hat im vergangenen Jahr 186,6 Millionen Pakete sortiert. Nun baut ein Paketdienst aus Shenzhen in der Schweiz ein Sortierzentrum für bis zu 50 000 Sendungen am Tag. Er heisst Speedaf, ist erst sieben Jahre alt und bisher vor allem in Afrika, Südasien und dem Nahen Osten tätig. Er kommt in einem Moment, in dem das Parlament die Kontrolle der Päckli aus Asien verschärfen will und der Bundesrat über eine Abgabe auf solche Sendungen nachdenkt. Die Frist dafür läuft am Montag ab.

Das Wichtigste in Kürze

Speedaf baut laut SRF ein rund 4000 Quadratmeter grosses Sortierzentrum für bis zu 50 000 Sendungen täglich, dazu regionale Verteilzentren in Zürich, Bern und Lausanne. Bei voller Auslastung wären das nach einer Hochrechnung des ETH-Logistikprofessors Stephan Wagner rund 15 Millionen Pakete im Jahr, gut acht Prozent dessen, was die Post 2025 verarbeitet hat. Die Schweizer Gesellschaft ist seit April 2026 im Handelsregister eingetragen, Sitz Freiburg, einzige Gesellschafterin ist eine Speedaf-Firma in Hongkong. Gegründet wurde Speedaf 2019, der chinesische Paketriese ZTO Express gehört zu den ersten Aktionären. Ob die Kunden tatsächlich Temu, Shein und AliExpress heissen, bestätigt Speedaf selbst nicht.

186,6 Millionen bei der Post. Platz für 15 Millionen bei Speedaf.

Pakete pro Jahr in der Schweiz. Ein Päckli steht für fünf Millionen Sendungen.

Päckli-Symbole, jedes für fünf Millionen Sendungen: 37 für die Post mit 186,6 Millionen Paketen 2025, 5 für DPD mit 24,8 Millionen 2024, 3 rote für die geplante Kapazität von Speedaf mit rund 15 Millionen im Jahr.
Post 2025 laut Medienmitteilung, DPD Schweiz 2024 laut Firma, Speedaf als Hochrechnung der geplanten Kapazität bei voller Auslastung.

Wer Speedaf ist

Speedaf wurde 2019 gegründet und hat seinen Sitz in Shenzhen. Laut eigener Website gehört ZTO Express, einer der grössten Paketdienste Chinas, zu den ursprünglichen Aktionären. Die Firma ist nach Angaben der Nachrichtenagentur SDA in über 30 Ländern tätig, vor allem in Afrika, Südasien und im Nahen Osten. Europa war bisher kein Kerngeschäft.

In der Schweiz heisst die Gesellschaft Speedaf Logistics (Switzerland) Sàrl. Sie wurde im April 2026 mit einem Stammkapital von 20 000 Franken eingetragen, Sitz ist Freiburg, einzige Gesellschafterin eine Speedaf-Gesellschaft in Hongkong. Laut SDA ist der Schweizer Ableger bereits operativ. Für die letzte Meile setzt Speedaf auf lokale Partner und selbständige Zusteller. Wo das grosse Sortierzentrum stehen wird und wie viele Stellen entstehen, ist nicht öffentlich.

Laut Firmenunterlagen, aus denen die Nachrichtenagentur Keystone-SDA zitiert, will Speedaf auch Schweizer Onlinehändler und KMU als Kunden gewinnen. Ein nicht genannter Branchenvertreter traut der Firma zu, «innerhalb von ein bis zwei Jahren» zu einem der grossen Anbieter im Schweizer Paketmarkt aufzusteigen. Als Geschäftsführer ist im Handelsregister Jianping Mei eingetragen. Im Zweck steht ausdrücklich auch die Verzollung.

Wie gross 15 Millionen sind

Die 15 Millionen sind keine Angabe von Speedaf, sondern eine Rechnung: 50 000 Sendungen am Tag, bei voller Auslastung, übers Jahr. Zum Vergleich: Die Post hat 2025 laut eigener Mitteilung 186,6 Millionen Pakete verarbeitet, 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. DPD Schweiz stellte 2024 rund 24,8 Millionen Pakete zu. Speedaf käme damit bei voller Auslastung auf gut die Hälfte des Volumens von DPD.

Der Markt wächst dort, wo Speedaf hinwill. Laut der Postkommission stieg der Kurier-, Express- und Paketmarkt 2025 um vier Prozent, bei den Importsendungen aber um rund zwölf Prozent, beim Umsatz wie bei der Menge.

Was das für Schweizer Händler heisst

ETH-Logistikprofessor Stephan Wagner hält den Markteintritt für schnell machbar. «Mit einem Verteilzentrum und einigen Depots kann man hier schnell Fläche machen», sagte er SRF. Günstigere Paketpreise hält er für möglich, eher mittelfristig. Sollten Schweizer Händler und KMU tatsächlich wechseln, sagt er: «Das wäre sicherlich eine Gefahr für die Post.»

Ein Kostenpunkt ist die Verzollung. Für Pakete von ausserhalb der EU verrechnet die Post heute 16 Franken plus 3 Prozent des Warenwerts, sobald Mehrwertsteuer anfällt, so die Übersicht der Stiftung für Konsumentenschutz. Wer wie Speedaf die Verzollung selbst anbietet, kann dort mit dem Preis ansetzen. Welche Tarife Speedaf verlangt, ist öffentlich nicht bekannt.

Warum der Zeitpunkt heikel ist

Die Päckli aus Asien sind seit Monaten ein politisches Thema. Detailhändler von Aldi bis Manor verlangten im Januar eine Bearbeitungsgebühr für Sendungen von Plattformen wie Temu und Shein. Im Juni hat das Parlament zwei Motionen gegen den Willen des Bundesrats angenommen: eine für mehr Kontrollen von Kleinsendungen aus Asien, finanziert möglicherweise über einen Beitrag pro Sendung, und eine zur Kennzeichnung von Produkten, die in der Schweiz verboten sind. Gleichzeitig hat der Bundesrat die Revision des Produktesicherheitsgesetzes in die Vernehmlassung geschickt. Sie erlaubt ihm, eine Aufsichtsabgabe auf online bestellte Produkte zu erheben, die direkt aus dem Ausland geliefert werden. Die Vernehmlassung endet am Montag, 28. September.

Seit dem 1. Januar 2025 schulden grosse Plattformen zudem die Mehrwertsteuer auch auf Kleinsendungen, sobald ihr Umsatz damit 100 000 Franken im Jahr übersteigt.

Auch die Post stand im Frühling in der Kritik. Der Spielwarenverband warf ihr vor, die Menge der Sendungen aus China kleinzureden, weil viele davon als Kleinwarensendungen im Briefkanal kämen; die Post widersprach und nannte einen Anteil Asiens von elf bis zwölf Prozent ihrer Pakete. Dazu kommt das Porto: Sendungen aus dem Ausland werden nach den Tarifen des Weltpostvereins abgegolten, die für die Absender günstiger sein können als das Inlandporto. Eine Motion, die das ändern wollte, hat der Nationalrat am Mittwoch abgelehnt.

Was die Post sagt

Die Post beobachte den neuen Konkurrenten aufmerksam, liess sie laut SDA ausrichten, sie stelle sich seit Jahren erfolgreich dem Wettbewerb. Entscheidend sei, dass alle Anbieter unter vergleichbaren regulatorischen und rechtlichen Bedingungen arbeiten. Gemeint sind Löhne und Arbeitsrecht. Genau dort liegt die offene Frage: Wer ein Sortierzentrum für 50 000 Sendungen am Tag betreibt und die Zustellung an Selbständige vergibt, rechnet mit anderen Kosten als ein Unternehmen mit Gesamtarbeitsvertrag.

Methode

Die Grafik vergleicht Jahresvolumen: bei der Post die verarbeiteten Pakete 2025, bei DPD die zugestellten Pakete 2024 (für 2025 liegt keine Zahl vor), bei Speedaf die geplante Kapazität bei voller Auslastung. Ein Päckli-Symbol steht für fünf Millionen Sendungen, gerundet. Die Angabe, Speedaf ziele auf Sendungen von Temu, Shein und AliExpress, stammt von SDA und SRF; Speedaf bestätigt sie auf der eigenen Website nicht. Der Standort des Sortierzentrums ist nicht bestätigt.

Was im Themenvorschlag anders stand: «Rund 190 Millionen Pakete» der Post sind gerundet; die Post nennt 186,6 Millionen. Die 25 Millionen von DPD sind die Zahl für 2024. Die 15 Millionen pro Jahr sind eine Hochrechnung bei voller Auslastung, keine Firmenangabe. Dass der Handelsverband.swiss eine Päckli-Gebühr fordert, liess sich nicht belegen; gefordert haben sie Detailhändler, verbreitet über die Swiss Retail Federation.

Quellen

  1. SRF, «Chinesischer Paketdienst bläst zum Angriff auf die Post», 24. September 2026 srf.ch
  2. SDA über Swissinfo zum Start von Speedaf in der Schweiz, 11. September 2026 swissinfo.ch
  3. Stiftung für Konsumentenschutz, Verzollungskosten; ESTV, Plattformbesteuerung konsumentenschutz.ch · estv.admin.ch
  4. Handelsregister, Speedaf Logistics (Switzerland) Sàrl zefix.admin.ch
  5. Speedaf, Unternehmensangaben speedaf.com
  6. Die Post, Paketmenge 2025, 26. Januar 2026; DPD Schweiz, Zahlen 2024 post.ch · dpd.com
  7. UVEK und Postkommission zum Paketmarkt 2025, 25. Juni 2026 uvek.admin.ch
  8. Parlament zu den Motionen Würth und Regazzi, 1. Juni 2026; Bundesrat zur Revision des Produktesicherheitsgesetzes parlament.ch · admin.ch
  9. Tages-Anzeiger zur Forderung nach einer Päckli-Gebühr, 29. Januar 2026 tagesanzeiger.ch
  10. AWP/SDA zur abgelehnten Motion zu den Paketpreisen, 23. September 2026 vermoegenszentrum.ch

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