Foto: Santeri Viinamäki / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Grundöl kostet zweieinhalbmal so viel wie im Februar. Der Ölwechsel wird teurer
Seit dem Iran-Krieg ist Grundöl für Schmierstoffe in Europa um 161 Prozent teurer geworden. Der Zürcher Hersteller Laemmle rechnet mit bis zu 100 Millionen Franken Schaden. Wen es trifft und was KMU jetzt tun können.

Foto: Santeri Viinamäki / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Kurz gesagt: Seit Beginn des Iran-Kriegs ist Grundöl für Schmierstoffe in Europa zweieinhalbmal so teuer wie im Februar. Rohöl verteuerte sich im selben Zeitraum um 44 Prozent. Der Zürcher Hersteller Laemmle Chemicals rechnet bis Ende Jahr mit einem volkswirtschaftlichen Schaden von 50 bis 100 Millionen Franken, allein wegen der Schmierstoffe. Betroffen sind Garagen, Baustellen, Transporteure und Fabriken. KMU sollten jetzt Bestände sichern und Wartungsintervalle prüfen.
«Steht die Schmierstoffbranche still, steht die ganze Welt still.» So überschrieb die Bilanz das Gespräch mit Silvan Lämmle, Chef von Laemmle Chemicals in Madetswil ZH. Die Firma gehört zu den vier grossen Schmierstoffherstellern der Schweiz. Lämmle rechnet bis Ende Jahr mit 50 bis 100 Millionen Franken Schaden für die Schweizer Wirtschaft, berichtet Cash. So stark seien die Rohstoffpreise in 25 Jahren nie gestiegen.
Warum wird Schmieröl knapp?
Weil ein grosser Teil der Rohstoffe aus dem Golf kommt. Normalerweise gelangt ein Viertel der Rohstoffe von Laemmle über die Strasse von Hormus in die Schweiz. Heute sind es noch 5 bis 6 Prozent, sagt Lämmle. Die Lieferanten teilen Mengen zu. Geplant wird von Monat zu Monat.
Seit Ende Februar ist die Meerenge faktisch blockiert, nach den Angriffen der USA und Israels auf Iran. Zudem traf im März eine Rakete die grösste Anlage der Welt für hochwertiges Grundöl, Pearl GTL von Shell in Katar. Die Hälfte der Produktion fällt mindestens ein Jahr aus, berichtet der US-Sender NPR.
Die Preise zeigen die Folgen. Gängiges Grundöl der Gruppe II kostete in Europa Mitte Februar 825 bis 865 Euro pro Tonne. Ende September waren es 2180 bis 2230 Euro, meldet der Fachdienst Lubes’N’Greases. Das ist ein Plus von 161 Prozent.

Die Grafik vergleicht die Preise mit dem Stand vor dem Krieg. Rohöl der Sorte Brent kostet rund 104 Dollar, 44 Prozent mehr als vor dem Krieg, zeigt Trading Economics. Diesel kostet an Schweizer Tankstellen 2.43 Franken, 40 Prozent mehr als Anfang Februar, misst der TCS. Grundöl verteuerte sich fast viermal so stark.
Wen trifft es in der Schweiz?
Fast jeden Betrieb mit Maschinen. Lämmle nennt Garagen, Baustellen, den Flugbetrieb und die Lebensmittelproduktion, von Pistenfahrzeugen bis zu Schokolademaschinen. Die Mehrkosten gibt die Branche an die Kunden weiter. Beim Hersteller Motorex in Langenthal haben sich die Rohstoffpreise verdoppelt bis verdreifacht, die Fertigprodukte wurden 30 bis 40 Prozent teurer, sagte Geschäftsführer Edi Fischer bereits im Juni zu SRF.
In der Ostschweiz meldeten knapp 57 Prozent der Firmen negative Folgen des Kriegs, rund die Hälfte Lieferverzögerungen. Schmier- und Kühlmittelzusätze gehören zu den knappen Produkten, ergab eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern St. Gallen-Appenzell und Thurgau, berichtet die Südostschweiz.
Ein Notvorrat hilft kaum. Pflichtlager hält die Schweiz für Benzin, Diesel, Heizöl und Flugpetrol, zeigt die Übersicht der wirtschaftlichen Landesversorgung. Schmierstoffe stehen nicht auf der Liste. Und Besserung ist nicht in Sicht. Die Preise erholten sich 2026 nicht mehr, sagt Lämmle. Öffnet sich die Meerenge, sinke zuerst der Preis an der Zapfsäule, der Preis der Schmierstoffe erst Monate später.
Was können KMU jetzt tun?
- Bestand sichern. Lieferanten bedienen zuerst ihre Stammkunden. Wer Öl für den Betrieb braucht, sollte zwei bis drei Monate vorausbestellen.
- Intervalle prüfen, nicht verlängern auf Verdacht. Massgebend ist das Handbuch des Herstellers. Eine Ölanalyse zeigt, ob ein Wechsel wirklich fällig ist.
- Nicht auf billiges Öl ausweichen. Motorenöle brauchen Freigaben der Hersteller. Bei Hydraulik- und Getriebeölen gibt es eher Alternativen, auch biologische.
- Altöl aufbereiten lassen. Gebrauchtes Öl lässt sich laut Lämmle bis zu achtmal aufbereiten.
- Offerten anpassen. Wer Wartung oder Transport verkauft, rechnet Öl und Diesel mit einem Zuschlag, der sich am Einkaufspreis orientiert.
Unsere Einschätzung: Schmieröl ist der unsichtbare Kostenblock. Er fällt erst auf, wenn er fehlt. Für ein KMU mit Fahrzeugflotte oder Maschinenpark gehört er jetzt in die Budgetplanung für 2027, gleich neben Diesel und Strom.
Wie Zinsen und Franken die Exporte belasten, zeigt unsere Analyse. Warum Rohstoffe auch Abstimmungen prägen, erklärt der Fall Palmöl. Und wie die Schweiz ihre Energie selbst erzeugen will, steht in diesem Beitrag zu Solarzellen.
Häufige Fragen
Warum steigen die Preise für Schmieröl 2026?
Seit dem Iran-Krieg ist die Strasse von Hormus weitgehend blockiert, und eine grosse Grundölanlage in Katar ist beschädigt. Grundöl der Gruppe II kostete in Europa Ende September rund 161 Prozent mehr als im Februar.
Gibt es in der Schweiz Pflichtlager für Schmierstoffe?
Die Pflichtlager im Mineralölbereich umfassen Benzin, Diesel, Heizöl und Flugpetrol. Schmierstoffe gehören laut Übersicht der wirtschaftlichen Landesversorgung nicht dazu.
Wie viel teurer ist Diesel in der Schweiz?
Anfang Oktober kostete Diesel laut TCS im Schnitt 2.43 Franken pro Liter, Anfang Februar waren es 1.73 Franken. Mitte September erreichte der Preis mit 2.46 Franken einen Rekord.
Quellen
- Cash, KMU-Chef: Ich rechne mit einem Schaden von 50 bis 100 Millionen Franken, 10. Oktober 2026; Bilanz, 7. Oktober 2026 cash.ch · bilanz.ch
- Lubes’N’Greases, Weekly EMEA Base Oil Price Report, 17. Februar und 29. September 2026 Februar · September
- NPR via WYPR, The war with Iran is making oil changes pricier, 16. Juni 2026 wypr.org
- Trading Economics, Brent, 9. Oktober 2026; TCS, Benzinpreise Schweiz, abgerufen 11. Oktober 2026 Brent · TCS
- SRF, Beim Motorenöl klemmt es gewaltig, 3. Juni 2026; Südostschweiz, Umfrage der IHK, 16. Juni 2026 srf.ch · suedostschweiz.ch
- Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, Pflichtlagerhaltung bwl.admin.ch
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