Nachfolge-Radar, Wissen · 7 min ·

Was ist ein Management-Buy-out (MBO)? Einfach erklärt, mit Zahlen aus der Schweiz

Beim MBO kauft das eigene Kader die Firma. Wie oft das in der Schweiz vorkommt, wer es bezahlt und wo die Steuerfalle liegt.

Cover: Das Kader kauft

Kurz beantwortet

Bei einem Management-Buy-out, kurz MBO, kauft das bestehende Management die Firma, in der es arbeitet. Meist sind es Mitglieder der Geschäftsleitung oder langjährige Kader. In der Schweiz planen Inhaber bei gut jeder fünften Nachfolge diesen Weg, zeigt die Nachfolgestudie 2026 von UBS und der Universität St. Gallen. Der Vorteil: Die Käufer kennen Kunden, Abläufe und Risiken. Die Schwierigkeit liegt beim Geld. Die Käufer bringen meist nur einen Fünftel bis einen Drittel des Preises selbst auf. Den Rest muss die Firma über ihre Gewinne zurückzahlen. Ein MBO dauert laut der Studie rund fünf bis sieben Jahre.

Frage Antwort
Was es ist Die Firma wird an Leute verkauft, die sie heute schon führen
Für wen es passt Inhaber ohne Nachfolge in der Familie, Kader mit Lust auf Eigentum
Wann es zählt Wenn die Firma ihre Kultur und ihre Leute behalten soll
Häufigster Stolperstein Die Finanzierung: Das Kader hat selten genug Eigenmittel

Wie oft ein MBO in der Schweiz vorkommt

UBS und das Center for Family Business der Universität St. Gallen haben im Herbst 2025 über 400 KMU-Inhaber befragt. 38,6 Prozent planen eine Übergabe in der Familie. 21,6 Prozent wollen an Mitarbeitende oder die Geschäftsleitung verkaufen. 39,8 Prozent suchen einen Käufer von aussen. Die grösste Gruppe darunter sind externe Manager, die sich einkaufen, der sogenannte Management-Buy-in.

Bei abgeschlossenen Nachfolgen sieht es ähnlich aus. Laut dem KMU-Portal des Bundes gingen 23 Prozent an Mitarbeitende oder Partner aus der Geschäftsleitung. Die Zahl stammt aus einer Umfrage der Credit Suisse von 2022.

Der Bedarf ist gross. Bis Ende 2030 steht in fast 168 000 Schweizer KMU eine Übergabe an. So rechnet die erste Kurzstudie der Reihe. Gelingen dürften nur rund 65 Prozent davon. Was das für die Firmen ohne Plan bedeutet, steht in unserer Analyse Kein Erbe, kein Plan.

Das Kader zahlt den kleinsten Teil. Den Rest zahlt die Firma.

So wird ein Management-Buy-out in der Schweiz typischerweise finanziert. Anteile am Kaufpreis nach Angaben von Banken und Beratern.

Senkrechter Balken, der den Kaufpreis einer Firma in drei Teile teilt: 20 bis 33 Prozent Eigenmittel der Käufer, 40 bis 60 Prozent Bankkredit, der Rest als Darlehen des Verkäufers oder Earn-out. Eine Klammer zeigt: Bankkredit und Verkäuferdarlehen werden aus dem Gewinn der Firma zurückbezahlt.
Quellen: VZ Vermögenszentrum, 2023; St.Galler Kantonalbank, Factsheet Nachfolgefinanzierung, 2022.

Die Grafik zeigt den Kern jedes MBO. Banken verlangen laut dem VZ Vermögenszentrum meist 20 bis 30 Prozent Eigenmittel. Die St.Galler Kantonalbank nennt in ihrem Merkblatt mindestens 33 Prozent. Selbst finanzieren die Banken in der Regel 40 bis 60 Prozent des Kaufpreises.

Die Lücke dazwischen schliesst oft der Verkäufer. Er lässt einen Teil des Preises als Darlehen in der Firma stehen oder erhält ihn später in Raten, abhängig vom Geschäftsgang. Die St.Galler Kantonalbank etwa verlangt, dass dieses Darlehen hinter ihrem Kredit zurücksteht.

Wichtig ist die Klammer rechts. Den Bankkredit wollen die Banken innert vier bis sieben Jahren zurück. Das Geld dafür kommt nicht vom Kader, sondern aus den Gewinnen der Firma. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, was die Firma wert ist. Sie lautet, ob die Firma diese Schuld tragen kann.

Ein Rechenbeispiel

Angenommen, eine Firma kostet 3 Millionen Franken. Drei Kadermitglieder bringen zusammen 750 000 Franken auf, also 25 Prozent. Die Bank leiht 1,5 Millionen. Der Verkäufer gewährt ein Darlehen über die restlichen 750 000 Franken.

Zahlt die Firma den Bankkredit in fünf Jahren zurück, sind das 300 000 Franken Tilgung pro Jahr. Dazu kommen Zinsen, laut VZ zwischen 2 und 5 Prozent. Im ersten Jahr sind das bis zu 75 000 Franken. Die Firma muss also nach Steuern und Investitionen gegen 400 000 Franken im Jahr übrig haben. Erst danach wird das Darlehen des Verkäufers fällig.

Die Zahlen sind gerundet und dienen nur der Veranschaulichung. Jede Bank rechnet anders, und die Tragbarkeit hängt vom Geschäftsmodell ab.

Die sechs Fragen vor einem MBO

  1. Wollen wir Unternehmer sein? Aus Angestellten werden Eigentümer mit persönlichem Risiko. Das passt nicht zu jedem guten Kader.
  2. Trägt die Firma die Schuld? Zins und Tilgung müssen auch in einem schwachen Jahr bezahlt werden.
  3. Woher kommen die Eigenmittel? Erspartes, Vorbezug aus der Pensionskasse oder Geld aus der Familie. Jede Quelle hat eigene Regeln.
  4. Kommt uns der Verkäufer entgegen? Laut VZ sind viele Inhaber bei internen Lösungen bereit, den Preis um 20 bis 30 Prozent zu ermässigen.
  5. Wer führt am Ende? Kaufen mehrere Kader gemeinsam, braucht es klare Regeln in einem Aktionärbindungsvertrag.
  6. Stimmt die Struktur für die Steuern? Der Kauf über eine Holding kann für den Verkäufer teuer werden. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Die Steuerfalle beim Kauf über eine Holding

Viele MBO laufen über eine Holding. Die Käufer gründen eine Gesellschaft, die die Aktien übernimmt. Die Firma schüttet danach Gewinne an die Holding aus, und diese zahlt damit den Kredit ab.

Hier lauert die indirekte Teilliquidation. Die Eidgenössische Steuerverwaltung regelt sie im Kreisschreiben Nr. 14. Verkauft eine Privatperson mindestens 20 Prozent an eine Holding, gilt eine Frist von fünf Jahren. Schüttet die Firma in dieser Zeit Reserven aus, die schon beim Verkauf vorhanden und nicht betriebsnotwendig waren, kann der steuerfreie Kapitalgewinn des Verkäufers nachträglich als Einkommen besteuert werden. Voraussetzung ist, dass der Verkäufer davon wusste oder wissen musste.

Das trifft den Verkäufer, nicht die Käufer. Deshalb gehört die Steuerfrage an den Anfang der Verhandlungen, nicht an das Ende. Viele Beteiligte holen vorab eine verbindliche Auskunft der Steuerverwaltung ein.

MBO, MBI und Familie im Vergleich

Weg Wer kauft Typische Dauer Preis
Familie Kinder oder Verwandte 10 bis 12 Jahre meist deutlich unter Marktwert
MBO das eigene Management 5 bis 7 Jahre meist unter Marktwert
Verkauf von aussen, inklusive MBI externe Manager, Firmen, Investoren 1 bis 2 Jahre Marktwert

Die Einschätzungen stammen aus der Nachfolgestudie 2026 von UBS und HSG. Beim Management-Buy-in kauft sich ein Manager von aussen ein. Er bringt oft mehr Kapital mit, kennt die Firma aber nicht von innen.

Wann ein MBO nicht passt

Wenn alles am Inhaber hängt. Kennt nur er die wichtigsten Kunden, kann das Kader ihn nicht ersetzen. Wie schnell eine Firma ohne Chef blockiert, zeigt unser Text 33 Stunden ohne Chef.

Wenn die Gewinne stark schwanken. Ein Kredit mit fester Tilgung verträgt keine Achterbahn. Dann braucht es mehr Eigenkapital oder einen geduldigeren Verkäufer.

Wenn im Team kein Unternehmer steckt. Gute Fachleute sind nicht automatisch gute Eigentümer. Manche Firmen holen deshalb zuerst Führung auf Zeit, wie im Beitrag über den Fractional COO beschrieben.

Wenn der Inhaber den vollen Preis sofort braucht. Dann ist der Verkauf von aussen meist schneller und näher am Marktwert.

Welche Wege es neben dem MBO gibt, vergleicht unser Überblick zur Unternehmensnachfolge. Was ein Geschäftsführer in der Schweiz verdient, bevor er selbst Eigentümer wird, zeigt unsere Lohnübersicht nach Branche und Firmengrösse. Warum der Kauf einer bestehenden Firma für Kader oft der bessere Start ist als eine Gründung, steht in «Firma kaufen statt gründen».

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen MBO und MBI?

Beim MBO kauft das bestehende Management. Beim Management-Buy-in kauft ein Manager von aussen, der die Firma danach selbst führt.

Wie viel Eigenkapital braucht man für ein MBO?

Banken verlangen meist 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises, manche mindestens einen Drittel. Mit einer Bürgschaft kann der Bankanteil laut VZ um 10 bis 20 Prozentpunkte steigen.

Wie lange dauert ein MBO?

Von der ersten Idee bis zum Abschluss rund fünf bis sieben Jahre, schätzt die Nachfolgestudie von UBS und HSG. Den Bankkredit zahlt die Firma meist innert vier bis sieben Jahren zurück.

Ist ein MBO günstiger als ein Kauf von aussen?

Meist ja. Inhaber verkaufen an das eigene Kader oft unter Marktwert. Der Grund ist Loyalität, aber auch Eigeninteresse: Die Firma soll weiterleben, und ein Teil des Preises fliesst über Jahre zurück.

Hilft der Staat bei der Finanzierung?

Indirekt. Die vom Bund unterstützten Bürgschaftsgenossenschaften sichern Bankkredite für KMU bis 1 Million Franken ab. Der Bund trägt dabei 65 Prozent des Verlustrisikos, so die Übersicht von WEKA.

Beim MBO unterschreiben jene Leute den Kredit, die die Firma am besten kennen. Das ist sein grösster Vorteil. Und sein grösstes Risiko. Wie ein Unternehmer seine eigene Nachfolge über Jahrzehnte geplant hat, zeigt unser Text über Warren Buffett und Berkshire.

Methode

Stand: 1. Oktober 2026. Die Anteile der Nachfolgewege beziehen sich auf geplante Übergaben, nicht auf abgeschlossene. Die Finanzierungsspannen stammen von Banken und Beratern und unterscheiden sich je nach Institut. Das Rechenbeispiel ist vereinfacht. Dieser Beitrag ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Wir aktualisieren ihn, wenn sich Zahlen oder Regeln ändern.

Quellen

  1. UBS und Center for Family Business HSG, Nachfolgestudie 2026, Kurzstudien 01 (Januar 2026) und 02 (Februar 2026) Kurzstudie 01 · Kurzstudie 02
  2. KMU-Portal des Bundes (SECO), Arten der Nachfolge kmu.admin.ch
  3. VZ Vermögenszentrum, Eine Firma kaufen: die wichtigsten Tipps zur Finanzierung, 2023 vermoegenszentrum.ch · Hürden beim MBO
  4. St.Galler Kantonalbank, Factsheet Nachfolgefinanzierung, Mai 2022 sgkb.ch
  5. Eidgenössische Steuerverwaltung, Kreisschreiben Nr. 14, Indirekte Teilliquidation, 6. November 2007 Kreisschreiben (PDF)
  6. WEKA, Management-Buy-out: die Finanzierungsmöglichkeiten, 9. September 2025 weka.ch

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