Nachfolge-Radar, Wissen · 8 min ·

Unternehmensnachfolge in der Schweiz: Die 3 Wege im Vergleich

Familie, eigenes Kader oder Käufer von aussen: die drei Wege der Unternehmensnachfolge im Vergleich, mit Dauer, Preis und Zahlen aus der Schweiz.

Anteil an den geplanten Nachfolgen in KMU, in Prozent: Käufer von aussen 40 %, Familie 39 %, Eigenes Kader 22 %. Quelle: UBS und Universität St. Gallen (CFB-HSG), Nachfolgestudie 2026

Kurz beantwortet

Für die Nachfolge in einem Schweizer KMU gibt es drei Wege. Die Firma bleibt in der Familie, sie geht an das eigene Kader, oder sie wird an Käufer von aussen verkauft. Laut der Nachfolgestudie 2026 von UBS und der Universität St. Gallen planen je rund 40 Prozent der Inhaber die Familie oder einen Verkauf nach aussen, gut 20 Prozent das eigene Management. Die Wege unterscheiden sich vor allem in Dauer und Preis. Die Familie braucht rund zehn bis zwölf Jahre und zahlt meist deutlich weniger als den Marktwert. Ein Verkauf nach aussen dauert ein bis zwei Jahre und bringt den Marktpreis.

Frage Antwort
Was es ist Die Übergabe von Eigentum und Führung einer Firma an eine neue Generation
Wen es betrifft Bis Ende 2030 fast 168 000 Schweizer KMU
Wann man beginnen sollte Laut KMU-Portal des Bundes ab etwa 50
Häufigster Fehler Zu spät anfangen. Dann bleibt nur noch der schnellste Weg

Warum die Frage so viele Firmen betrifft

Die erste Kurzstudie von UBS und HSG rechnet hoch: In fast 168 000 Schweizer KMU steht bis Ende 2030 eine Eigentumsübergabe an. Vollzogen werden dürften nur rund 109 000. Das entspricht einer Quote von etwa 65 Prozent.

Wer es schafft, hat gute Karten. Laut dem KMU-Portal des Bundes existieren fünf Jahre nach einer Übernahme noch 95 Prozent der Firmen. Bei Neugründungen sind es 50 Prozent. Eine Nachfolge ist also meist die sicherere Art, Unternehmer zu werden.

Die Familie verliert dabei an Gewicht. Vor zwanzig Jahren entschieden sich laut KMU-Portal noch sieben von zehn Firmen für eine Übergabe in der Familie. Heute plant es noch knapp vier von zehn. Wie es Firmen ergeht, die gar keinen Plan haben, beschreibt unsere Analyse Kein Erbe, kein Plan.

Die Familie braucht zwölf Jahre. Ein Käufer von aussen zwei.

Die drei Wege der Nachfolge in der Schweiz: Anteil an den geplanten Übergaben, typische Dauer und Preis.

Drei Zeilen. Familie: 39 Prozent der geplanten Nachfolgen, Dauer 10 bis 12 Jahre, Preis meist deutlich unter Marktwert. Eigenes Kader: 22 Prozent, 5 bis 7 Jahre, meist unter Marktwert. Käufer von aussen: 40 Prozent, 1 bis 2 Jahre, Marktwert. Hinweis: 168 000 KMU stehen bis 2030 vor einer Übergabe.
Quelle: UBS und Universität St. Gallen (CFB-HSG), Nachfolgestudie 2026, Kurzstudien 01 und 02. Umfrage bei 401 KMU-Inhabern, September 2025.

Die Grafik zeigt einen Zielkonflikt. Der Weg, der die Firma am ehesten so erhält, wie sie ist, dauert am längsten und bringt am wenigsten Geld. Die Familie übernimmt über ein Jahrzehnt, oft schrittweise. Der Käufer von aussen zahlt den vollen Preis, verändert die Firma aber am stärksten.

Das Kader liegt dazwischen. Es kennt die Firma und zahlt mehr als die Familie, braucht aber Zeit und fremdes Geld. Wie das finanziert wird, erklärt unser Beitrag Was ist ein Management-Buy-out?

Wichtig für die Planung: Die Dauer läuft ab dem Moment, in dem der Inhaber ernsthaft beginnt. Wer mit 63 anfängt, hat für die Familie kaum mehr Zeit.

Die drei Wege im Detail

Familie Eigenes Kader (MBO) Verkauf von aussen
Wer übernimmt Kinder oder Verwandte Geschäftsleitung oder Kader Externe Manager (MBI), Firmen, Investoren
Anteil geplant 38,6 % 21,6 % 39,8 %
Typische Dauer 10 bis 12 Jahre 5 bis 7 Jahre 1 bis 2 Jahre
Preis meist deutlich unter Marktwert meist unter Marktwert Marktwert
Stärke Werte und Name bleiben Wissen und Kunden bleiben schnell, voller Preis
Risiko Streit unter Geschwistern, fehlende Eignung zu wenig Eigenmittel, hohe Schulden Kultur und Stellen verändern sich

Anteil, Dauer und Preis stammen aus der Nachfolgestudie 2026. Stärken und Risiken sind unsere Zusammenfassung.

Weg 1: die Familie

Die Übergabe an die Kinder ist der emotionale Normalfall und der günstigste für die Nachfolger. Das KMU-Portal schreibt, dass sie laut gewissen Studien mit einem Abschlag von rund 40 Prozent auf den Marktwert erfolgt. Der Inhaber verzichtet also auf viel Geld. Das muss er sich leisten können, etwa für die eigene Altersvorsorge.

Steuerlich ist der Weg meist günstig. Der Bund kennt keine Erbschaftssteuer. Fast alle Kantone erheben eine, befreien aber in der Regel die direkten Nachkommen, so die Übersicht auf ch.ch. Seit 2023 ist zudem der Pflichtteil der Kinder kleiner. Er sank von drei Vierteln auf die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Inhaber haben so mehr Spielraum, die Firma einem einzelnen Kind zu übergeben.

Eine eigene Regel für Firmen im Erbrecht gibt es dagegen nicht. Der Bundesrat hatte sie vorgeschlagen, der Ständerat trat im März 2024 zum zweiten Mal nicht darauf ein. Die Vorlage ist damit erledigt.

Die grösste Hürde ist oft der Wille der Kinder. In der dritten Kurzstudie von UBS und HSG war sich nur jede fünfte befragte Nachfolgeperson sicher, die Firma zu übernehmen.

Weg 2: das eigene Kader

Beim Management-Buy-out kaufen Leute, die die Firma schon führen. Kunden und Mitarbeitende merken wenig vom Wechsel. Der Preis liegt laut Studie meist unter Marktwert, man spricht von einem Loyalitätsrabatt.

Das Problem ist das Geld. Banken verlangen meist 20 bis 30 Prozent Eigenmittel, so das VZ Vermögenszentrum. Den Rest tragen Bankkredit und Verkäufer, und zurückbezahlt wird aus den Gewinnen der Firma. Ohne Entgegenkommen des Inhabers geht es selten.

Weg 3: der Verkauf von aussen

Hier gibt es mehrere Käufer. Ein externer Manager, der sich einkauft, ein Konkurrent, ein Lieferant oder ein Finanzinvestor. Unter den Käufern von aussen ist der Management-Buy-in die grösste Gruppe, mit rund einem Viertel aller geplanten Nachfolgen. Strategische Käufer kommen auf rund 13 Prozent.

Der Verkauf ist der schnellste Weg und bringt den Marktpreis. Dafür verändert sich die Firma am stärksten. Ein Konzern integriert, ein Investor will in einigen Jahren wieder verkaufen. Worauf Inhaber bei Investoren achten sollten, zeigt unser Text über Warren Buffett und die Nachfolge bei Berkshire.

Welcher Weg passt? Fünf Fragen

  1. Gibt es in der Familie jemanden, der will und kann? Fähigkeit ist wichtiger als Verwandtschaft. Ist die Antwort nein, fällt Weg 1 weg.
  2. Wie viel Geld braucht der Inhaber aus dem Verkauf? Wer den Erlös für die Pension braucht, kann sich den Familienrabatt oft nicht leisten.
  3. Gibt es im Kader Unternehmer? Gute Führungskräfte wollen nicht automatisch ein Risiko mit eigenem Geld tragen.
  4. Wie viel Zeit bleibt? Unter fünf Jahren wird die Familie schwierig. Unter zwei Jahren bleibt meist nur der Verkauf.
  5. Was muss nach dem Verkauf bleiben? Name, Standort, Stellen? Je wichtiger das ist, desto enger wird der Kreis der Käufer.

Wann man beginnen sollte

Das KMU-Portal rät, schon ab 50 über eine Lösung nachzudenken. Eine Übergabe mit 60 gilt dort als früh, mit 62 bis 65 als normal und ab 68 als spät. Hans Jürg Domenig, Präsident des Schweizer Dachverbands für Unternehmensnachfolge, empfiehlt im Interview mit dem Portal mindestens drei bis fünf Jahre, idealerweise zehn.

Oft kommt der Anlass von selbst. In der Studie der Credit Suisse und HSG von 2022 erfolgten 80 Prozent der Übergaben aus Alters- oder Gesundheitsgründen. Wer nicht vorbereitet ist, dem hilft zuerst eine Notfallplanung. Wie die aussieht, steht in unserem Text 33 Stunden ohne Chef.

Wo diese Übersicht an Grenzen stösst

Die drei Wege lassen sich mischen. Ein Kind übernimmt die Führung, ein Investor einen Teil des Kapitals. Oder das Kader kauft zuerst eine Minderheit und später den Rest. Die Werte zu Dauer und Preis sind Einschätzungen der Studie, keine Regeln. Und die Anteile beschreiben, was Inhaber planen, nicht was am Ende geschieht.

Was ein Geschäftsführer in der Schweiz verdient, zeigt unsere Lohnübersicht nach Branche und Firmengrösse. Warum der Kauf einer Firma für Kader eine unterschätzte Karriere ist, steht in «Firma kaufen statt gründen».

Häufige Fragen

Was ist die häufigste Nachfolgelösung in der Schweiz?

Bei den geplanten Nachfolgen liegen Familie und Verkauf nach aussen etwa gleichauf, je knapp 40 Prozent. Bei abgeschlossenen Nachfolgen ist die Familie noch häufiger. Laut Credit Suisse gingen 2022 rund 42 Prozent an direkte Nachkommen.

Zahlen Kinder Erbschaftssteuer auf eine Firma?

In den meisten Kantonen nicht, weil direkte Nachkommen dort befreit sind. Die Regeln unterscheiden sich aber je nach Kanton, und bei einer Schenkung zu Lebzeiten gelten eigene Bestimmungen.

Wie lange dauert eine Unternehmensnachfolge?

Je nach Weg ein bis zwölf Jahre. Die Familie braucht am längsten, der Verkauf nach aussen geht am schnellsten.

Was passiert, wenn keine Nachfolge gefunden wird?

Dann wird die Firma meist liquidiert oder in Teilen verkauft. Laut der Stiftung KMU Next, zitiert vom KMU-Portal, verschwindet nahezu jedes dritte KMU, weil sich niemand für die Übernahme findet.

Die Wahl des Weges ist selten eine Frage der Vorliebe. Meist entscheidet die Zeit, die noch bleibt. Wer früh beginnt, kann wählen. Wer spät beginnt, muss nehmen, was noch geht.

Methode

Stand: 5. Oktober 2026. Die Anteile der drei Wege stammen aus einer Umfrage bei 401 KMU-Inhabern vom September 2025 und beziehen sich auf geplante Übergaben. Die Zahl von 42 Prozent betrifft abgeschlossene Nachfolgen und stammt aus einer anderen Studie. Die beiden Werte sind nicht direkt vergleichbar. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Quellen

  1. UBS und Center for Family Business HSG, Nachfolgestudie 2026, Kurzstudien 01, 02 und 03 (Januar bis März 2026) cfb.unisg.ch (1) · cfb.unisg.ch (2) · cfb.unisg.ch (3)
  2. KMU-Portal des Bundes (SECO): Nachfolgeregelungen in Zahlen, Die familieninterne Nachfolge, Wie man die Nachfolge vernünftig plant, Interview mit Hans Jürg Domenig Zahlen · Familie · Planung · Interview
  3. Credit Suisse und HSG, Nachfolgestudie 2022, via KMU-Portal kmu.admin.ch · Studie
  4. ch.ch, Erbschaftssteuer; Parlament, Unternehmensnachfolge im Erbrecht (22.049), 12. März 2024 ch.ch · parlament.ch
  5. VZ Vermögenszentrum, Finanzierung eines Firmenkaufs, 2023 vermoegenszentrum.ch

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