Foto: Kim Scarborough / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

US-Trends · 4 min ·

445 Millionen für Server im eigenen Haus. Der Bund tendiert zur Public Cloud

Das US-Startup Oxide sammelt 445 Millionen Dollar für Server-Racks ein, die Firmen selbst betreiben statt zu mieten. Der Bund baut für 319,4 Millionen Franken die Swiss Government Cloud, und die Finanzkontrolle sieht die Tendenz zur Public Cloud. Eine Rechnung für jedes KMU.

Server-Rack mit einem Gewirr aus Netzwerkkabeln

Foto: Kim Scarborough / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Kurz gesagt: Das kalifornische Startup Oxide Computer hat 445 Millionen Dollar eingesammelt, um Server-Racks zu bauen, die Firmen im eigenen Rechenzentrum betreiben, statt Rechenleistung zu mieten. AMD steigt als Investor ein. Der Bund baut derweil für 319,4 Millionen Franken die Swiss Government Cloud. Die Finanzkontrolle sieht die Tendenz zur Public Cloud, den Nutzen fürs Ganze hält sie für noch nicht aufgezeigt.

Zehn Jahre lang galt eine einfache Regel: Wer Server im Keller hat, hat etwas verpasst. Die Zukunft lag in der Cloud, bei Amazon, Microsoft und Google. Jetzt legen Investoren 445 Millionen Dollar auf den Tisch für eine Firma, die Server für den eigenen Keller baut.

Oxide Computer aus Emeryville bei San Francisco gab die Finanzierungsrunde am 9. Oktober im eigenen Blog bekannt. Angeführt hat sie der Investor Eclipse. Neu dabei sind Atreides Management und der Chiphersteller AMD als strategischer Investor. Oxide baut ganze Server-Racks, die ein Unternehmen in sein eigenes Rechenzentrum stellt und wie eine Cloud bedient: Rechnen, Speicher und Netzwerk aus einer Hand. Das Geld braucht die Firma laut Runtime Wire vor allem, um die Zeit zwischen Bestellung und Auslieferung zu überbrücken. Der Auftragsbestand sei gross. Im Frühjahr zahlte Oxide erstmals Gewinnsteuern.

Warum zurück in den eigenen Keller?

Weil die Cloud für manche Firmen teuer geworden ist. Wer gleichmässig viel Rechenleistung braucht, zahlt in der gemieteten Cloud Monat für Monat für etwas, das er auch besitzen könnte. Dazu kommt die Frage, wer im Ernstfall Zugriff auf die Daten hat. Oxide verspricht, beides zu lösen: die Bedienung der Cloud, aber im eigenen Haus.

Für die Schweiz ist die Frage nicht neu. Die Genfer Cloud-Anbieterin Infomaniak verkauft genau dieses Argument, die Daten bleiben im Land. An der Börse kam das gut an, wie unser Beitrag zum Kurssprung zeigt.

Grafik: Oxide sammelt umgerechnet 371 Millionen Franken ein, die Swiss Government Cloud kostet 319 Millionen Franken
Quellen: Oxide; BIT; Eidgenössische Finanzkontrolle. Grafik: Leitgrad

Was macht der Bund?

Er baut beides. Die Swiss Government Cloud des Bundesamts für Informatik (BIT) soll bis 2032 die bisherigen Cloud-Angebote des Bundes ablösen, beschreibt das BIT. Sie besteht aus drei Teilen: Public Cloud grosser Anbieter mit zusätzlichen Vorgaben, Public Cloud mit Daten in der Schweiz und einer Private Cloud in den Rechenzentren des Bundes. Das Parlament hat im Dezember 2024 einen Verpflichtungskredit von 246,9 Millionen Franken bewilligt, die Gesamtkosten schätzt der Bund auf 319,4 Millionen.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat das Programm im Oktober 2025 zum ersten Mal geprüft. Ihr Befund im Bericht: Der wirtschaftliche Nutzen für den Bund als Ganzes sei «noch nicht aufgezeigt». Und: «Die Tendenz geht in Richtung einer stärkeren Nutzung der Public Cloud.» Die Private Cloud des Bundes sei schwerer zu planen, weil die Hardware erst gekauft und installiert werden müsse. Die Kosten für Nutzung und Migration der Anwendungen tragen die Ämter selbst, sie stecken nicht in den 319,4 Millionen.

Unsere Einschätzung: Die Frage «Cloud oder eigener Server» ist keine Glaubensfrage mehr, sondern eine Rechnung. Wer stark schwankende Lasten hat, fährt mit der gemieteten Cloud meist besser. Wer jeden Tag gleich viel rechnet und heikle Daten hat, sollte die Gegenrechnung machen: Miete über fünf Jahre gegen Kauf, Betrieb und Strom. Der Bund rechnet sie gerade selbst. Die Nutzenanalyse, die die Finanzkontrolle verlangt, war für 2026 angekündigt.

Mehr zu Rechenleistung und Strom im Dossier Energie und Rechenzentren.

Häufige Fragen

Was ist Oxide Computer?

Ein Startup aus Emeryville in Kalifornien, mitgegründet von Steve Tuck und Bryan Cantrill. Es baut Server-Racks mit Rechenleistung, Speicher und Netzwerk, die Firmen in ihrem eigenen Rechenzentrum betreiben. Im Oktober 2026 sammelte es 445 Millionen Dollar ein.

Was kostet die Swiss Government Cloud?

Der Bund schätzt die Kosten für 2025 bis 2032 auf 319,4 Millionen Franken, das Parlament bewilligte einen Verpflichtungskredit von 246,9 Millionen. Nutzung und Migration der Anwendungen zahlen die Ämter zusätzlich.

Was kritisiert die Finanzkontrolle?

Dass der wirtschaftliche Nutzen der Swiss Government Cloud für den Bund als Ganzes noch nicht aufgezeigt sei. Sie empfahl eine Nutzenanalyse und stellte fest, dass die Tendenz zur Public Cloud geht.

Quellen

  1. Oxide Computer, Our $445M Series D, 9. Oktober 2026 oxide.computer
  2. Runtime Wire, Oxide Computer’s $445M Series D, Oktober 2026 runtimewire.com
  3. Bundesamt für Informatik, Swiss Government Cloud bit.admin.ch
  4. Eidgenössische Finanzkontrolle, Prüfung des Programms Swiss Government Cloud, Bericht 25155, 10. Oktober 2025; Netzwoche, 8. Dezember 2025 EFK · Netzwoche

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