Geothermiekraftwerk Nesjavellir, Island. Symbolbild. Foto: Gretar Ívarsson – Edited by Fir0002, Public domain, Wikimedia Commons

US-Trends · 5 min ·

Utah baut in 23 Monaten ein Geothermie-Kraftwerk. Die Schweiz hat noch keines

Fervo Energy liefert in Utah seit dem 30. September Strom aus heissem Gestein, 33 Megawatt aus dem ersten Block. Die Schweiz produziert noch keinen Strom aus Erdwärme. Was in Haute-Sorne JU auf dem Spiel steht.

Geothermiekraftwerk Nesjavellir in Island

Geothermiekraftwerk Nesjavellir, Island. Symbolbild. Foto: Gretar Ívarsson – Edited by Fir0002, Public domain, Wikimedia Commons

Kurz gesagt: In Utah liefert seit dem 30. September das erste Geothermie-Kraftwerk der neuen Generation Strom im regulären Betrieb. Fervo Energy hat den ersten Block mit 33 Megawatt in 23 Monaten gebaut. Die Schweiz produziert bis heute keinen Strom aus Erdwärme. Ihr erstes Kraftwerk in Haute-Sorne JU soll 2029 mit bis zu 5 Megawatt ans Netz. Die nächste Bohrphase ist aber noch nicht bewilligt.

In der Wüste von Utah dreht sich seit dem 30. September eine Turbine, die mit der Hitze aus der Tiefe läuft. Fervo Energy hat den ersten Block seiner Cape Station in den kommerziellen Betrieb genommen, früher als geplant. Er liefert 33 Megawatt netto. Gebaut wurde er in 23 Monaten, teilt Fervo mit. Die nächsten Blöcke sollen in 18 Monaten stehen.

Es ist das erste Kraftwerk dieser Art, das im Kraftwerksmassstab regulär Strom verkauft. Die Technik heisst Enhanced Geothermal System, kurz EGS. Man bohrt in heisses, dichtes Gestein, presst Wasser hinein und öffnet so feine Risse. Das Wasser erhitzt sich im Fels und kommt heiss wieder herauf. Mit dieser Idee ist die Schweiz bisher gescheitert.

Wie gross ist das Projekt in Utah?

Bis Anfang 2027 sollen drei Blöcke mit zusammen rund 100 Megawatt laufen. Eine zweite Phase mit 400 Megawatt ist im Bau und soll 2028 fertig sein. Das ganze Gelände könnte laut Fervo mehr als 4 Gigawatt liefern. Den Strom des ersten Blocks kauft Shell Energy. Google hat sich 396 Megawatt gesichert, für seine Rechenzentren.

Auch die Kosten sinken. Die erste Phase kostet rund 7000 Dollar pro Kilowatt, die zweite noch rund 5500 Dollar, berichtet Canary Media. Im Mai ging Fervo an die Börse.

Cape Station, Utah Haute-Sorne, Jura
Leistung 33 MW (erster Block), 100 MW bis 2027 bis 5 MW
Strom ab 30. September 2026 geplant 2029
Bauzeit erster Block 23 Monate Bohrung seit 2024, Phase 2 offen
Investition rund 2 Mrd. Dollar (Gesamtprojekt) rund 150 Mio. Franken

Warum hat die Schweiz noch kein Geothermie-Kraftwerk?

Weil die Erde zweimal gebebt hat. Am 8. Dezember 2006 löste das Projekt Deep Heat Mining in Basel ein Beben der Stärke 3,4 aus. Das Wasser wurde in rund 5 Kilometer Tiefe eingepresst. Das Projekt wurde eingestellt, 56 der 80 Millionen Franken waren ausgegeben, schreibt Swissinfo. In St. Gallen bebte die Erde im Juli 2013 mit der Stärke 3,5. Auch dort war danach Schluss.

Seither ist die Schweiz vorsichtig. Laut dem Bundesamt für Energie gibt es bis heute keinen Strom aus Geothermie, nur Wärme, etwa in Riehen BS. Seit 2018 zahlt der Bund bis zu 60 Prozent der Erkundungskosten. Dazu kommt eine Garantie, falls eine Bohrung nichts findet.

Geothermie-Strom in Megawatt: Schweiz heute 0, Haute-Sorne Ziel 2029 5, Cape Station erster Block 33, Phase I 100, Phase I und II 500.
Quelle: Fervo Energy, Kanton Jura, BFE. Grafik: Leitgrad

Die Grafik zeigt den Abstand in Megawatt. Die Schweiz steht bei null. Ihr einziges Kraftwerksprojekt in Haute-Sorne soll einmal 5 Megawatt liefern, Strom für rund 6000 Haushalte. Fervo hat bereits mit dem ersten Block das Sechsfache am Netz.

Der Vergleich hinkt an einer Stelle. Cape Station liegt in einer Region mit besonders heissem Untergrund. In der Schweiz muss man tief bohren, um genug Hitze zu finden. Das kostet Geld und Zeit.

Trotzdem zeigt Utah, wie schnell es gehen kann, wenn Bewilligung und Kapital stimmen. Den Strom nimmt dort vor allem die Tech-Branche ab. Das kennt die Schweiz: Rechenzentren suchen Strom, der Tag und Nacht fliesst. Wie gross dieser Hunger ist, zeigt unser Dossier Energie und Rechenzentren.

Was passiert in Haute-Sorne?

Geo-Energie Suisse bohrt seit Mai 2024 im Jura. Im August 2024 erreichte die Bohrung 4000 Meter. Dort ist das Gestein 135 Grad heiss, auf 5000 Metern werden 168 Grad erwartet. Die Tests von 2025 fielen gut aus, berichtet ThinkGeoEnergy. Das Gestein wurde über hundertmal durchlässiger. Die Erde reagierte über sechzigmal schwächer als in Basel, das stärkste Beben erreichte 0,3. Spüren kann das niemand.

Der Strom soll weniger als 15 Rappen pro Kilowattstunde kosten. Das Projekt kostet rund 150 Millionen Franken, der Bund trägt 90 Millionen als Erkundungsbeitrag. Im Mai stieg die AEW ein, neben ebl, ewb und ewz, meldet Geo-Energie Suisse. Die zweite Bohrung auf rund 5000 Meter braucht noch das Ja der Jura-Regierung. Im März hatte sie den Entscheid offengelassen, laut Kanton Jura. Einen Entscheid haben wir bis Redaktionsschluss nicht gefunden.

Was heisst das für Schweizer Firmen?

Geo-Energie Suisse schätzt das Schweizer Potenzial auf rund 2 Terawattstunden Strom im Jahr. Gemessen am ganzen Verbrauch ist das wenig. Aber es wäre Strom, der Tag und Nacht fliesst, im Sommer wie im Winter. Für eine Industrie, die Winterstrom sucht, wäre das wertvoll.

Unsere Einschätzung: Die Technik ist nicht mehr der Engpass. Utah beweist, dass sie im grossen Massstab läuft. In der Schweiz entscheiden Bewilligung und Vertrauen. Haute-Sorne ist deshalb mehr als ein Kraftwerk mit 5 Megawatt. Es ist der Test, ob die Schweiz nach Basel wieder in die Tiefe darf. Wer heute schon Strom für Rechenzentren plant, sollte auch die Machtkarte der Schweizer Rechenzentren kennen. Und warum Google seine Chips sogar ins All schickt, steht in diesem Beitrag.

Häufige Fragen

Produziert die Schweiz Strom aus Geothermie?

Nein. Laut Bundesamt für Energie gibt es bisher keine Stromproduktion aus Geothermie, nur Wärmenutzung. Das erste Kraftwerk in Haute-Sorne JU soll 2029 mit bis zu 5 Megawatt ans Netz gehen.

Wie gross ist das Erdbebenrisiko bei Tiefengeothermie?

In Basel (2006, Stärke 3,4) und St. Gallen (2013, Stärke 3,5) führten Beben zum Abbruch. In Haute-Sorne blieb die Erde 2025 bei den Tests mehr als sechzigmal ruhiger als in Basel, das stärkste Beben erreichte 0,3.

Wie fördert der Bund Geothermie?

Seit 2018 mit Erkundungsbeiträgen von bis zu 60 Prozent der Kosten und einer Garantie für erfolglose Bohrungen. Haute-Sorne erhält 90 Millionen Franken Erkundungsbeitrag.

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