UBS-Kapital: Fünf Verbände wollten 50 Prozent, der Ständerat sagt 90
Der Ständerat verlangt 90 Prozent hartes Kernkapital für die Auslandstöchter der UBS, mit 29 zu 16 Stimmen gegen den 50-Prozent-Kompromiss seiner eigenen Kommission. Fünf Wirtschaftsverbände hatten zwei Tage zuvor für die tiefste Variante geworben. Einer der Unterzeichner sitzt im Bankrat der Nationalbank.

Der Ständerat hat am Mittwochvormittag entschieden, und es kam anders, als die Wirtschaft es wollte. Die UBS soll ihre Beteiligungen an Auslandstöchtern künftig zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegen. Der Antrag stammt von einer Minderheit um Peter Hegglin, er setzte sich mit 29 zu 16 Stimmen gegen den Kompromiss der eigenen Wirtschaftskommission durch. Hinter diesem Kompromiss, 50 Prozent hartes Kernkapital plus wandelbare Anleihen, standen fünf Wirtschaftsverbände, die zwei Tage zuvor einen Brief an die Ratsmitglieder geschickt hatten: economiesuisse, der Gewerbeverband, Swissmem, SwissHoldings und scienceindustries. Der Brief hat nicht gewirkt.
Das Wichtigste in Kürze
Der Ständerat verlangt 90 Prozent hartes Kernkapital für die Auslandsbeteiligungen der UBS. Heute sind es 45 Prozent. Der Entscheid fiel mit 29 zu 16 Stimmen gegen den 50-Prozent-Kompromiss der Wirtschaftskommission, die Gesamtabstimmung mit 33 zu 10. Der Bundesrat hatte in seiner Botschaft vom 22. April 2026 volle Unterlegung gefordert; Finanzministerin Karin Keller-Sutter bat den Rat, eventualiter die 90 Prozent zu stützen. Die UBS spricht von einem Ergebnis, das kein Kompromiss sei, und rechnet mit rund 16 Milliarden Dollar zusätzlichem hartem Kapital. Einer der zehn Unterzeichner des Verbandsbriefs, Swissmem-Präsident Martin Hirzel, sitzt seit dem 1. Mai 2026 im Bankrat der Nationalbank, die die harte Linie stützt. Als Nächstes entscheidet der Nationalrat, frühestens im Dezember.
Fünf Verbände wollten 50 Prozent. Der Ständerat sagt 90.
Die drei Varianten zur Unterlegung der Auslandsbeteiligungen mit hartem Kernkapital und der Entscheid vom 23. September 2026.

Wie der Entscheid fiel
Der Rat hatte das Geschäft am 17. September nach rund drei Stunden Debatte vertagt. Am Mittwoch beriet er es zu Ende. Der Antrag der Wirtschaftskommission ging zweimal ins Rennen. Im zweiten Duell unterlag er dem Antrag Hegglin mit 16 zu 29 Stimmen. In der Gesamtabstimmung nahm der Rat die Vorlage mit 33 zu 10 Stimmen an.
Keller-Sutter hatte der Kommission entgegengehalten, ihr Vorschlag sei rechtsunsicher: Die Ausgestaltung der AT1-Anleihen sei nicht mit den internationalen Regulierungsstandards abgestimmt. Vor der Abstimmung sagte sie im Rat: «Wir sollten die Fehler, die man bereits nach der Finanzkrise 2008 gemacht hat, nicht wiederholen.» Ihren eigenen 100-Prozent-Vorschlag nannte sie bereits einen Kompromiss, bat aber darum, eventualiter die 90 Prozent zu unterstützen. Genau das tat der Rat.
Worum es geht
Der Streit dreht sich um eine einzige Bilanzposition. Das Schweizer Stammhaus der UBS hält Beteiligungen an Töchtern in den USA, Grossbritannien und Asien. Geht eine dieser Töchter unter, ist die Beteiligung wertlos, das Kapital aber bereits im Stammhaus angerechnet. Genau das war bei der Credit Suisse ein Problem. Der Bundesrat wollte diese Lücke schliessen und verlangte volle Unterlegung mit hartem Kernkapital, also mit Eigenkapital, das sofort Verluste trägt.
Die Wirtschaftskommission des Ständerats hatte am 31. August mit 10 zu 2 Stimmen bei einer Enthaltung einen Kompromiss vorgelegt: mindestens 50 Prozent hartes Kernkapital statt der heutigen 45, dazu bis zu 50 Prozent AT1-Anleihen, die heute nur zu 17 Prozent angerechnet werden. Neu wäre der Auslöser dieser Anleihen gewesen: Sie hätten gegriffen, wenn die harte Kernkapitalquote unter rund 11 Prozent fällt, statt wie heute bei rund 7. Dann stoppen Coupons, Dividenden und Boni. Erholt sich die Bank nicht innert sechs Monaten, werden die Anleihen zwangsweise gewandelt. Diese Konstruktion ist nun vom Tisch, zumindest für die erste Kammer.
Wer hinter welcher Zahl stand
Für die volle Unterlegung waren der Bundesrat, die Nationalbank und die Finma. Die SNB nennt die Kapitalunterlegung der Auslandstöchter die Behebung einer wesentlichen regulatorischen Schwäche, die die Credit-Suisse-Krise offengelegt habe. Finma und SNB halten die Vorgaben des Bundesrats für die UBS für tragbar.
Für den Kompromiss standen die Wirtschaftsverbände. In ihrem Brief vom 21. September lehnten economiesuisse, der Schweizerische Gewerbeverband, Swissmem, SwissHoldings und scienceindustries sowohl 100 als auch 90 Prozent ab. Ihr Argument: Strengere Regeln schlügen sich längerfristig in höheren Finanzierungskosten nieder und verknappten die Kredite für Industrie und KMU. Unterschrieben haben je Präsident und Direktor: Silvan Wildhaber und Monika Rühl, Fabio Regazzi und Urs Furrer, Martin Hirzel und Stefan Brupbacher, Andreas Bohrer und Gabriel Rumo, Annette Luther und Stephan Mumenthaler. Von den zehn Unterschriften ist am Mittwoch nichts geblieben.
Die Doppelrolle, über die niemand spricht
Einer der zehn Unterzeichner sitzt gleichzeitig im obersten Aufsichtsgremium der Nationalbank. Martin Hirzel, Präsident von Swissmem, wurde im Dezember 2025 für den Rest der Amtsperiode in den Bankrat der SNB gewählt und trat das Mandat am 1. Mai 2026 an. Der Bankrat beaufsichtigt die Geschäftsführung der Nationalbank; über die Geldpolitik entscheidet er nicht, über die Position der SNB zur Bankenregulierung ebenso wenig. Trotzdem ist die Konstellation bemerkenswert: Derselbe Mann unterschreibt einen Brief für die tiefere Variante, während die Institution, die er mitbeaufsichtigt, öffentlich die höhere verlangt. Hirzel sitzt zudem in den Verwaltungsräten von Bucher Industries, Dätwyler und Ronal.
Wir haben Swissmem und die Nationalbank angefragt, ob Hirzel im Bankrat bei diesem Thema in den Ausstand tritt. Antworten lagen bei Redaktionsschluss nicht vor.
Was die Bank sagt
Die UBS reagierte am Mittag mit einer Mitteilung. «Dieses politische Ergebnis ist kein Kompromiss und geht nicht auf die Grundursachen des Zusammenbruchs der Credit Suisse ein», heisst es darin. Der Entscheid missachte die Bedenken, die Wirtschaftsvertreter, Arbeitnehmerverbände und Kantone in der Vernehmlassung geäussert hätten. Die Bank werde sich im weiteren Verfahren auf den Schutz ihrer langfristigen Interessen konzentrieren. Die Schweizerische Bankiervereinigung nennt den Ansatz extrem und teuer und fordert für die weiteren Beratungen eine grundlegende Korrektur; ihr CEO Roman Studer sagt, nicht zu tiefe Kapitalanforderungen hätten zur CS-Krise geführt, sondern die Ausnahmen, die der Credit Suisse jahrelang gewährt worden seien.
Was der Entscheid kostet
Die UBS rechnet vor, bei 90 Prozent müsste sie rund 16 Milliarden Dollar zusätzliches hartes Kapital halten; seit der Übernahme der Credit Suisse summiere sich der Mehrbedarf damit auf rund 33 Milliarden Dollar, die jährlichen Kosten der Übernahme auf rund 2,5 Milliarden. Gegenüber der «NZZ» nannte Konzernchef Sergio Ermotti jährlich wiederkehrende Kosten von annähernd drei Milliarden Franken. Der Bundesrat hatte den Mehrbedarf bei voller Unterlegung auf rund 20 Milliarden Dollar beziffert, verteilt über sieben Jahre. Alle diese Zahlen stammen von den Beteiligten selbst, sind unterschiedlich definiert und lassen sich nicht addieren.
Ein finanzielles Problem ist der Aufbau für die Bank nicht. Sie verdiente 2025 7,8 Milliarden Dollar und im ersten Halbjahr 2026 weitere 5,8 Milliarden. Wer Gewinne einbehält, hat das Kapital in wenigen Jahren beisammen. Es geht um Dividenden, Rückkäufe und um die Frage, wie schnell die Bank in den USA wachsen kann.
Wie es weitergeht
Der Ständerat ist die erste Kammer. Als Nächstes berät der Nationalrat, frühestens in der Wintersession im Dezember. Stimmen die Räte unterschiedlich ab, folgt die Differenzbereinigung. Danach kann ein Referendum ergriffen werden. Bis die UBS neue Regeln anwenden müsste, vergehen nach Einschätzung von SRF einige Monate bis mehrere Jahre. Und das letzte Wort über die Details hat am Ende auch die Verordnung: Keller-Sutter hatte am Dienstag angedeutet, bei einer Verwässerung müsse man etwa die Anrechenbarkeit latenter Steuern überdenken.
Methode
Wir haben diesen Beitrag am Morgen des 23. September vor der Abstimmung geschrieben und nach dem Entscheid aktualisiert. Die Grafik ordnet die drei Varianten ihren öffentlich dokumentierten Unterstützern zu und markiert die beschlossene. Sie zeigt keine Kapitalquoten der Bank, sondern den Anteil harten Kernkapitals, mit dem Beteiligungen an Auslandstöchtern unterlegt werden müssten. Den Volltext des Verbandsbriefs haben wir nicht erhalten; die Inhalte stützen sich auf die Berichterstattung von Keystone-SDA. Zum Mehrbedarf der UBS kursieren zwei Zahlen: SRF nennt rund 15 Milliarden Dollar, 20 Minuten mit Verweis auf die Mitteilung der Bank rund 16. Wir nennen die höhere, weil sie direkt aus der Mitteilung stammt.
Was im Themenvorschlag anders stand: Keiner der zehn Unterzeichner sitzt im Verwaltungsrat der UBS Group oder der UBS Switzerland. Die Zahl von 26 Milliarden liess sich nicht belegen. Der Ständerat entschied am 17. September noch nicht, er vertagte.
Quellen
- SRF zum Entscheid des Ständerats und zu seinen Folgen, 23. September 2026 srf.ch · srf.ch
- 20 Minuten zur Mitteilung der UBS und zur Reaktion der Bankiervereinigung, 23. September 2026 20min.ch
- blue News mit der Meldung von Keystone-SDA zu Debatte, Duellen und Gesamtabstimmung, 23. September 2026 bluewin.ch
- Bundesrat, Botschaft zur Änderung des Bankengesetzes, 22. April 2026 admin.ch
- cash zur Kompromisslösung der WAK-S, 31. August 2026, und zur Debatte im Ständerat, 17. September 2026 cash.ch · cash.ch
- Bote der Urschweiz und finanzen.ch zum Brief der fünf Verbände, 21. September 2026 bote.ch · finanzen.ch
- AWP über das Finance Forum Zürich mit Ermotti und Keller-Sutter, 22. September 2026 onvista.de
- SNB, Wahl von Martin Hirzel in den Bankrat, 12. Dezember 2025; Swissmem zu seinen Mandaten snb.ch · swissmem.ch
- moneycab zu den Stellungnahmen von SNB, Finma und Bankiervereinigung moneycab.com
Früher zum Thema: UBS-Wegzug: Was bliebe · Der SMI und die Ankeraktionäre · Economiesuisse: Wer im Vorstandsausschuss sitzt
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