Foto: 1-Byte / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, bearbeitet. Tanklager Tägerschen TG, Symbolbild
Der Bund zapft das Diesel-Lager an. 45 Millionen Liter bis 22. November.
Der Bund gibt bis 22. November bis zu 45 000 Kubikmeter Diesel aus den Pflichtlagern frei, knapp 4 Prozent der Lagermenge. Warum Pipeline, Rhein und Weltmarkt gleichzeitig klemmen und was Firmen mit Fahrzeugen jetzt tun.

Foto: 1-Byte / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, bearbeitet. Tanklager Tägerschen TG, Symbolbild
Kurz gesagt: Der Bund gibt Diesel aus den Pflichtlagern frei. Vom 23. Oktober bis 22. November 2026 dürfen bis zu 45 000 Kubikmeter bezogen werden, knapp 4 Prozent der vorhandenen Pflichtlagermenge an Diesel. Gründe sind verzögerte Pipelinelieferungen nach Starkregen in Südfrankreich, angespannte Ölmärkte seit Beginn des Iran-Kriegs und das Niedrigwasser am Rhein. Benzin, Heizöl und Flugpetrol sind laut Bund derzeit gesichert. Für Firmen mit Fahrzeugen heisst das: Die Zapfsäule bleibt voll, der Preis bleibt hoch.
Für genau diesen Fall gibt es die Pflichtlager. Seit Freitag greift der Bund darauf zurück. Der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister, hat Bezüge von bis zu 45 000 Kubikmetern Dieselöl bewilligt, befristet bis zum 22. November. «Vorübergehend müssen Bezüge aus den Diesel-Pflichtlagern den Versorgungsengpass überbrücken», heisst es in der Mitteilung des Bundes.
45 000 Kubikmeter sind 45 Millionen Liter. Das reicht für rund 900 000 Tankfüllungen à 50 Liter. Gemessen am Lager ist es wenig: knapp 4 Prozent der Dieselmenge, die heute in den Pflichtlagern liegt.

Drei Engpässe gleichzeitig
Der Bund nennt drei Gründe. Nach Starkregen in Südfrankreich kommen Lieferungen per Pipeline verspätet an. Die internationalen Mineralölmärkte sind seit Beginn des Iran-Kriegs angespannt. Und das Niedrigwasser am Rhein belastet die Logistik seit Monaten.
Wie stark der Rhein ins Gewicht fällt, zeigt eine Zahl des TCS: Der Transport von Rotterdam nach Basel kostete im September über 220 Franken pro Tonne, normal sind 22 bis 28 Franken. An der Zapfsäule macht das laut TCS rund 15 Rappen pro Liter aus. Dazu stand die Raffinerie Cressier, die sonst rund 30 Prozent des Schweizer Bedarfs an Mineralölprodukten deckt, mehrere Tage still.

Diesel so teuer wie nie
Am 18. September meldete der TCS einen Rekord: Diesel kostete im Schweizer Schnitt 2.41 Franken pro Liter, 11 Rappen mehr als eine Woche zuvor. Der bisherige Höchstwert von 2.40 Franken stammte aus dem Jahr 2022, kurz nach Beginn des Kriegs in der Ukraine. Bleifrei 95 lag bei 2.10 Franken.

Die Freigabe aus dem Pflichtlager sichert die Menge, nicht den Preis. Für Benzin, Heizöl und Flugpetrol ist die Versorgung laut Bund derzeit gesichert, Flugpetrol-Bezüge aus den Pflichtlagern sind bis 1. November bewilligt. Die Lage bleibe aber für alle Mineralölprodukte «angespannt und fragil».
So funktioniert das Pflichtlager
- Wer lagert: Wer Treibstoff in die Schweiz einführt, muss einen Teil davon als Pflichtlager halten. Organisiert wird das über Carbura, die Pflichtlagerorganisation der Mineralölbranche.
- Wer bezahlt: Finanziert wird das System über Beiträge an einen Garantiefonds. Diese Beiträge stecken im Preis, den Sie an der Zapfsäule zahlen.
- Wann es öffnet: Bezüge bewilligt der Bund nur, wenn der Markt die Versorgung nicht mehr allein sichert. Was bezogen wird, muss später wieder aufgefüllt werden.
Was das für KMU heisst
Für Firmen mit Lastwagen, Baggern oder Lieferwagen ist die Nachricht zuerst eine gute: Die Versorgung ist gesichert, niemand muss Touren streichen oder Baustellen stoppen. Teuer bleibt der Liter trotzdem. Wer jetzt nachrechnet, statt abzuwarten, kann einiges abfedern.
Zum Mitnehmen: drei Schritte für diese Woche
- Frachtverträge prüfen: Viele Transportverträge enthalten eine Dieselklausel, die den Frachtpreis an den Dieselpreis koppelt. Klären Sie, ob und wann sie bei Ihnen greift, als Auftraggeber wie als Transporteur.
- Offerten nachrechnen: Wer Fahrten oder Maschinenstunden für die nächsten Monate offeriert, setzt den aktuellen Dieselpreis ein, nicht den vom Frühling.
- Flotte planen: Touren bündeln, Leerfahrten vermeiden, Verbrauch pro Fahrzeug auswerten. Jeder gesparte Liter zählt, solange der Preis hoch ist.
Häufige Fragen
Wie viel Diesel gibt der Bund aus dem Pflichtlager frei?
Bis zu 45 000 Kubikmeter, also 45 Millionen Liter, vom 23. Oktober bis 22. November 2026. Das sind knapp 4 Prozent der vorhandenen Pflichtlagermenge an Diesel.
Warum öffnet der Bund das Diesel-Pflichtlager?
Wegen verzögerter Pipelinelieferungen nach Starkregen in Südfrankreich, angespannter Mineralölmärkte seit Beginn des Iran-Kriegs und des anhaltenden Niedrigwassers am Rhein.
Wird Diesel an der Tankstelle knapp?
Die Freigabe soll genau das verhindern. Laut Bund sind Benzin, Heizöl und Flugpetrol derzeit gesichert. Der Preis bleibt hoch: Im September erreichte Diesel laut TCS mit 2.41 Franken pro Liter einen Rekord.
Quellen
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