Foto: Roland zh / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, bearbeitet

Briefing · 4 min ·

12 000 Stellen im Spiel. Das Bankpersonal mischt sich in den UBS-Streit ein.

Der Bankpersonalverband warnt die Nationalratskommission: Ohne tragfähigen Kompromiss bei den Kapitalregeln seien bei der UBS 10 000 bis 12 000 Stellen in der Schweiz gefährdet, ein Drittel des Heimmarkts. Was der Ständerat beschlossen hat und was KMU daraus machen.

Eingang der UBS am Paradeplatz in Zürich, schwarzweiss bearbeitet. Titel: 12 000 Stellen im Spiel.

Foto: Roland zh / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, bearbeitet

Kurz gesagt: Der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) warnt die Wirtschaftskommission des Nationalrats: Scheitert ein Kompromiss bei den Kapitalregeln für die UBS, drohten Wegzug oder Verkauf der Bank, und 10 000 bis 12 000 Arbeitsplätze in der Schweiz wären gefährdet. Das ist rund ein Drittel der 34 000 UBS-Stellen im Heimmarkt. Der Ständerat hat am 23. September mit 29 zu 16 Stimmen entschieden, dass die UBS ihre ausländischen Töchter zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegen soll, heute sind es 45 Prozent. Der Nationalrat entscheidet frühestens im Dezember.

Personalverband und Bankchef stehen selten auf derselben Seite. Diesmal schon. Der Schweizerische Bankpersonalverband hat der vorberatenden Kommission des Nationalrats einen Brief geschrieben, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Die Botschaft passt in einen Satz: Findet die Politik keinen «tragfähigen Kompromiss», stehen in der Schweiz 10 000 bis 12 000 Stellen auf dem Spiel.

Die Zahl ist eine Warnung, keine Ankündigung. Der Verband rechnet für den Fall, dass die UBS wegzieht oder verkauft wird. Beides hat die Bank nicht beschlossen. Aber die Rechnung zeigt, worum es im Bundeshaus inzwischen geht: nicht nur um Eigenkapital, sondern um Arbeitsplätze in der Schweiz.

Ein Drittel des Heimmarkts

Die UBS beschäftigt in der Schweiz rund 34 000 Menschen. 10 000 bis 12 000 davon sind knapp ein Drittel. Dazu kommt, was ohnehin läuft: Für die Integration der Credit Suisse hatte die UBS rund 3000 Stellen in der Schweiz zur Streichung angekündigt. Den grössten Teil davon erwartete Konzernchef Sergio Ermotti im zweiten Halbjahr 2026, also jetzt.

Isometrischer Büroturm mit 34 Stockwerken, ein Stockwerk steht für 1000 UBS-Stellen in der Schweiz. 10 Stockwerke rot, 2 weitere schraffiert: 10 000 bis 12 000 Stellen sieht der Bankpersonalverband gefährdet.
Grafik: Leitgrad. Quelle: Schweizerischer Bankpersonalverband via «NZZ am Sonntag», 25.10.2026

Der Verband stellt sich damit hinter Ermotti, der die Vorlage des Bundesrats seit Monaten bekämpft. Schon am 1. September hatte der SBPV den Kompromissvorschlag der ständerätlichen Wirtschaftskommission begrüsst. Er verlangte verbindliche Sozialpläne und hielt fest, die Arbeitslosigkeit unter Bankangestellten liege bereits auf dem Niveau der Finanzkrise um 2010.

Was der Ständerat beschlossen hat

Der Ständerat folgte dem Kompromiss nicht. Am 23. September entschied er mit 29 zu 16 Stimmen: Die UBS soll ihre Beteiligungen an ausländischen Tochtergesellschaften zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegen. Heute sind es 45 Prozent. Der Bundesrat hatte 100 Prozent verlangt, die Kommission eine Lösung halb aus hartem Kapital und halb aus AT1-Anleihen.

Die UBS beziffert die Folgen auf rund 16 Milliarden Dollar zusätzliches hartes Eigenkapital und spricht von einer Niederlage. Zum Vergleich: 2025 verdiente sie 7,8 Milliarden Dollar, im ersten Halbjahr 2026 bereits 5,8 Milliarden. Die Bank fürchtet jährliche Zusatzkosten in Milliardenhöhe und warnt vor Nachteilen gegenüber ausländischen Grossbanken.

Drei Kapitalblöcke: heute 45 Prozent, Ständerat 90 Prozent, Bundesrat 100 Prozent hartes Kernkapital für die Auslandstöchter der UBS; rund 16 Milliarden Dollar zusätzlich; Nationalrat frühestens im Dezember.
Grafik: Leitgrad. Quellen: SRF und Parlamentsdienste, 23.9.2026

Jetzt ist der Nationalrat am Zug, frühestens in der Wintersession im Dezember. Danach ist ein Referendum möglich. Bis die Regeln greifen, können Monate oder Jahre vergehen. Gefragt ist ein Ausgleich zwischen zwei Zielen, die beide berechtigt sind: Nie wieder eine Rettung wie bei der Credit Suisse, und eine Grossbank, die in der Schweiz bleiben will.

Zitatkarte: Der Bankpersonalverband fordert einen «tragfähigen Kompromiss», sonst seien 10 000 bis 12 000 Stellen gefährdet.
Grafik: Leitgrad. Quelle: SBPV via «NZZ am Sonntag», 25.10.2026

Was das für KMU heisst

Für die meisten KMU ändert sich morgen nichts. Die UBS bleibt Hausbank, Kreditgeberin und Zahlungsabwicklerin, solange die Politik verhandelt. Zwei Dinge lohnen sich trotzdem.

Erstens der Blick auf den Arbeitsmarkt. Wenn Banken abbauen, kommen Leute mit Erfahrung in Finanzen, Risiko, Compliance und IT auf den Markt. Für ein KMU, das seit Jahren einen Finanzchef, einen Controller oder jemanden für die Digitalisierung sucht, ist das eine Chance. Bewerberinnen aus einer Grossbank bringen Prozesswissen mit, das in vielen Betrieben fehlt.

Zweitens die eigene Bankbeziehung. Wer nur eine Bank hat, sollte wissen, wie er im Ernstfall weiterarbeitet. Nicht aus Angst, sondern aus derselben Vorsicht, die das Parlament gerade von der UBS verlangt.

Zum Mitnehmen: drei Schritte für diese Woche

  • Offene Stellen prüfen: Gibt es Rollen in Finanzen, Controlling, Compliance oder IT, die Sie mit erfahrenen Bankleuten besetzen könnten? Jetzt ausschreiben, solange gute Leute suchen.
  • Zweite Bankbeziehung: Prüfen Sie, ob Konten, Kreditlimiten und Zahlungsverkehr nicht an einer einzigen Bank hängen.
  • Kalender: Der Nationalrat berät frühestens in der Wintersession im Dezember. Dann wird klarer, wie streng die Regeln werden.

Häufige Fragen

Wie viele Stellen könnten bei der UBS in der Schweiz wegfallen?

Der Schweizerische Bankpersonalverband nennt 10 000 bis 12 000 Arbeitsplätze, falls die UBS wegen strengerer Kapitalregeln wegzieht oder verkauft wird. Das wäre rund ein Drittel der 34 000 Stellen im Heimmarkt. Die UBS hat einen Wegzug nicht beschlossen.

Was hat der Ständerat zum Eigenkapital der UBS entschieden?

Am 23. September 2026 beschloss der Ständerat mit 29 zu 16 Stimmen, dass die UBS ausländische Töchter zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegen soll, statt heute 45 Prozent. Die UBS rechnet mit rund 16 Milliarden Dollar zusätzlichem Kapital.

Wann entscheidet der Nationalrat?

Frühestens in der Wintersession im Dezember 2026. Danach ist ein Referendum möglich.

Quellen

  1. cash.ch (AWP), «Presseschau vom Wochenende 43 (24./25. Oktober)», mit Bericht der «NZZ am Sonntag», 25. Oktober 2026 cash.ch
  2. zentralplus (swisstxt), «Verband warnt wegen Eigenkapitalregeln», 25. Oktober 2026 zentralplus.ch
  3. SRF, «90 Prozent Eigenkapital: Was das für die UBS heisst und wie sie reagiert», 23. September 2026 srf.ch
  4. Parlamentsdienste (SDA), «Ständerat will 90 Prozent Eigenkapital für UBS-Auslandbeteiligungen», 23. September 2026 parlament.ch
  5. cash.ch (AWP), «Bankpersonalverband begrüsst UBS-Regulierungsvorschlag von WAK-S», 1. September 2026 cash.ch
  6. Reuters via MarketScreener, «UBS: Stellenabbau in der Schweiz erfolgt grösstenteils erst 2026, sagt CEO», 4. Februar 2026 marketscreener.com

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