Lugano vom Monte Brè aus. Die Stadt bewirbt sich als einzige Schweizer Behörde um eine eigene Internet-Endung.Foto: Mchernyavska / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)

Briefing · 5 min ·

Lugano will eine eigene Internet-Endung. Bund, Kantone und fast alle Konzerne verzichten

ICANN hat 1615 Bewerbungen für neue Domain-Endungen veröffentlicht, 13 kommen aus der Schweiz. Darunter .lugano, .novartis und .olympic. Bis 16. März 2027 können Firmen Einwendung erheben.

Blick vom Monte Brè auf Lugano und den Luganersee

Lugano vom Monte Brè aus. Die Stadt bewirbt sich als einzige Schweizer Behörde um eine eigene Internet-Endung.Foto: Mchernyavska / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)

Kurz gesagt: Die Internetverwaltung ICANN hat 1615 Bewerbungen für neue Domain-Endungen veröffentlicht, 13 davon kommen von Bewerbern mit Sitz in der Schweiz. Darunter sind .lugano als einzige Bewerbung einer Schweizer Behörde, .novartis und .olympic. Bund, Kantone und die meisten Grosskonzerne verzichten. Am 17. November steht die endgültige Liste fest. Bis 16. März 2027 können Firmen Einwendung erheben, etwa wenn eine Endung ihre Marke verletzt. Zuständig dafür ist die WIPO in Genf.

Wer eine eigene Internet-Endung will, zahlt 227 000 Dollar Gebühr, nur für die Prüfung. Dazu kommen 25 000 Dollar im Jahr an ICANN, sobald die Endung läuft, plus Technik und Personal. 481 Firmen, Städte und Organisationen auf der ganzen Welt haben das bezahlt. Am Mittwoch hat die ICANN die Liste veröffentlicht. Es ist die erste Runde seit 2012.

Die Schweiz ist mit 13 Bewerbungen dabei. Eine davon stammt von einer Stadt: Lugano will .lugano.

Wer aus der Schweiz will eine eigene Endung?

Leitgrad hat die öffentliche Datenbank der ICANN nach dem Sitz der Bewerber ausgewertet. Die Stadt Lugano bewirbt sich als einzige Schweizer Behörde. Sie will die Endung zuerst für die Verwaltung nutzen, später für Firmen, Vereine und Einwohner, berichtet tio.ch. Eine Stadt, die selbst Betreiberin wird, sei in dieser Runde einmalig, sagt der Zürcher Registrar Domaintechnik zu persoenlich.com. Wien, Salzburg oder Bremen überlassen das Firmen.

Als Marken bewerben sich Novartis, das Olympische Komitee (.olympic), der Tabakkonzern JT International und der Kaffeeröster Julius Meinl. Dazu kommen Stiftungen aus der Kryptowelt mit Sitz in Zug und Zürich: .ethereum, .ada für Cardano und .icp für DFINITY. Die Basler GLEIF, die weltweit Firmenkennungen vergibt, will .lei. Die Genfer CORE Association bewirbt sich um .depot, .dpp und .src, die Schweizer Gesellschaft des US-Konzerns Verisign um .pki.

Wer fehlt, fällt mehr auf. Keine Bewerbung kommt von Nestlé, Roche, UBS, Swatch, Migros oder Swisscom. Kein Kanton will eine Endung, auch keine andere Stadt. Und niemand bewirbt sich um .suisse, .schweiz, .basel oder .bern. Der Bund hatte schon im April erklärt, er plane keine Bewerbung, so das BAKOM.

Grafik: 13 Bewerbungen für neue Internet-Endungen aus der Schweiz: .lugano, .novartis, .olympic, .jti, .juliusmeinl, .ethereum, .ada, .icp, .lei, .pki, .depot, .dpp, .src
Quelle: ICANN, Application Publication and Statistics, 7. Oktober 2026, Auswertung Leitgrad. Grafik: Leitgrad

Welche Schweizer Endungen gibt es schon?

Seit der Runde von 2012 betreibt der Bund .swiss, der Kanton Zürich .zuerich. Dazu kommen Marken wie .ubs, .swatch, .omega und .abb, wie die Datenbank der IANA zeigt. Andere haben ihre Endung wieder aufgegeben, etwa .cartier und .iwc. Eine eigene Endung lohnt sich nur, wenn man sie nutzt.

Selbst .swiss bleibt klein. Im Juni waren 34 296 Adressen vergeben, meldet nic.swiss. Bei .ch sind es 2,66 Millionen, so SWITCH. Auf eine .swiss-Adresse kommen also 78 .ch-Adressen. Eine Schweizer Behörde darf sich laut Art. 59 der Verordnung über Internet-Domains um eine Endung bewerben, das BAKOM überwacht dann, ob sie Schweizer Recht einhält.

Was müssen KMU jetzt prüfen?

Ob eine neue Endung die eigene Marke trifft. Ab dem String Confirmation Day am 17. November gilt die Liste der beantragten Endungen als endgültig. Bis zum 16. März 2027 läuft die Frist für Einwendungen. Wer findet, eine Endung verletze seine Marke, reicht eine Legal Rights Objection ein. Zuständig ist allein das Schiedszentrum der WIPO in Genf. Laut der aktuellen Gebührenordnung kostet die Einreichung ab 2000 Dollar, das Schiedsgericht ab 8000 Dollar. Die Einreichungsgebühr gibt es nicht zurück.

Wichtiger für die meisten ist ein zweiter Punkt: Phishing. Neue Endungen hatten zuletzt 11 Prozent Marktanteil, aber 51 Prozent der gemeldeten Phishing-Adressen, zeigt der Bericht von Interisle. Eine Adresse wie ihrefirma.neue-endung ist nicht automatisch echt. Firmen sollten das ihren Leuten sagen und ihre Marken im Trademark Clearinghouse eintragen lassen. Dann werden sie gewarnt, wenn jemand ihren Namen unter einer neuen Endung registriert. Wie KI Angriffe beschleunigt, zeigt Googles Hacker-Modell. Wie Angreifer Schweizer KMU heute treffen, zeigt unser Lagebild zur Cybersicherheit. Wie empfindlich das Adresssystem des Internets ist, zeigte zuletzt der Wechsel des DNS-Schlüssels.

Wann gehen die neuen Endungen online?

Frühestens Ende 2027. ICANN nennt kein Datum. Nach der Einwendungsfrist werden die Bewerbungen geprüft. Wollen mehrere dieselbe Endung, wird sie in der Regel versteigert. Am begehrtesten ist .agent mit 13 Bewerbern, die künstliche Intelligenz prägt die Runde. Der Registry-Betreiber Identity Digital rechnet für unbestrittene Bewerbungen mit 14,5 bis 19,5 Monaten ab Veröffentlichung.

Häufige Fragen

Kann ein KMU noch eine eigene Endung beantragen?

Nein. Das Bewerbungsfenster war vom 30. April bis 12. August 2026 offen. Die nächste Runde ist nicht terminiert.

Was ist der String Confirmation Day?

Am 17. November 2026 veröffentlicht ICANN die endgültige Liste der beantragten Endungen und wer mit wem um dieselbe Endung konkurriert. Ab diesem Tag laufen die Fristen für Einwendungen.

Sind .gmbh und .ag Schweizer Endungen?

Nein. .gmbh betreibt eine Firma in den USA, .ag ist die Länderendung von Antigua und Barbuda. Für Schweizer Firmen gibt es .ch und .swiss, für .swiss braucht es einen Sitz in der Schweiz.

Quellen

  1. ICANN, Reveal Day 2026, 7. Oktober 2026; Statistik und Bewerbungen icann.org · newgtldprogram-aps.icann.org
  2. ICANN, Kosten und Rückerstattung, Runde 2026 icann.org
  3. BAKOM, Neue Domain-Endungen, 1. Oktober 2026 bakom.admin.ch
  4. tio.ch zu .lugano; persoenlich.com, Oktober 2026 tio.ch · persoenlich.com
  5. IANA, Root Zone Database, abgerufen 9. Oktober 2026 iana.org
  6. nic.swiss, Statistik Juni 2026; SWITCH, Statistik September 2026 nic.swiss · nic.ch
  7. Verordnung über Internet-Domains (VID), SR 784.104.2 fedlex.admin.ch
  8. WIPO, Legal Rights Objection, Verfahren und Gebühren wipo.int · wipo.int
  9. Interisle Consulting, Phishing Landscape 2025 interisle.net

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