Der Sunrise-Hauptsitz an der Thurgauerstrasse in Opfikon. Foto: Tschubby / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Briefing, Karriere · 4 min ·

Sunrise streicht bis zu 450 Stellen. Eine Werbekampagne hat schon die KI gemacht

Sunrise will bis zu 450 von rund 2900 Vollzeitstellen abbauen, am Hauptsitz in Opfikon könnte jede vierte Stelle wegfallen. Die jüngste Yallo-Kampagne entstand vollständig mit KI. Was KMU daraus lernen und was das OR bei einer Massenentlassung verlangt.

Der Hauptsitz von Sunrise an der Thurgauerstrasse in Opfikon

Der Sunrise-Hauptsitz an der Thurgauerstrasse in Opfikon. Foto: Tschubby / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Kurz gesagt: Sunrise will bis zu 450 von rund 2900 Vollzeitstellen streichen, fast jede sechste. Am Hauptsitz in Opfikon arbeiten rund 1750 Menschen in IT, Marketing und Controlling, dort könnte laut Sonntags-Zeitung jede vierte Stelle wegfallen. Sunrise nennt ein neues Betriebsmodell und mehr Automatisierung mit KI und Daten. Die jüngste Kampagne der Billigmarke Yallo entstand vollständig mit KI. Läden, Verkauf und Kundendienst sollen weitgehend verschont bleiben. Für KMU zeigt der Fall zweierlei: was KI im Büro heute schon übernimmt, und welche Pflichten das Obligationenrecht bei einem grösseren Abbau vorschreibt.

Eine Ente mit leicht bedrohlichem Blick. Eine Hula-Tänzerin, die schief singt. Das waren im Juni die Gesichter der neuen Yallo-Kampagne. Vier Videos, Werbung auf digitalen Plakatwänden, Posts in den sozialen Medien. Die ganze Kampagne war KI-generiert, berichtete das Fachportal Markt-Kom. Umgesetzt hat sie die Zürcher Agentur Sir Mary.

Vier Monate später rechnet der Mutterkonzern vor, was das für die eigenen Leute bedeuten kann.

Wie viele Stellen sind betroffen?

Bis zu 450 Vollzeitstellen, knapp 16 Prozent von rund 2900. Das gab Sunrise am 21. September bekannt, meldete Cash. Schon im Februar hatte der Konzern 147 Stellen gestrichen. Zusammen sind 2026 damit fast 600 Stellen betroffen. Läden, Verkauf und Kundendienst sollen weitgehend verschont bleiben, Lernende ganz.

Am meisten zittert der Hauptsitz. In Opfikon arbeiten rund 1750 Menschen in IT, Marketing und Controlling. Bis zu ein Viertel ihrer Stellen könnte wegfallen, schrieb die Sonntags-Zeitung, zitiert von Blick.

Welche Rolle spielt die KI?

Eine offene. Sunrise begründet den Abbau mit einem neuen Betriebsmodell und mehr KI- und datengestützter Automatisierung. KI und Automatisierung seien Hilfsmittel, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Billigmarke CH-Mobile braucht kaum Angestellte, ihr Kundendienst läuft weitgehend automatisch.

Die Mitarbeitenden vermuten noch einen anderen Grund. Der Bonus von Konzernchef André Krause hängt am Aktienkurs und an Gewinnzielen, 2024 verdiente er 15,4 Millionen Franken. Sunrise weist den Vorwurf zurück, der Bonus treibe den Abbau, berichtet die Bilanz. Die Gewerkschaft Syndicom verurteilt die Pläne. Ihr Sprecher Dominik Fitze spricht von einem «dauerhaften Ausnahmezustand» für die Belegschaft. Die Börse sah es anders: Die Aktie stieg am Tag der Ankündigung um rund 2 Prozent.

Grafik: 290 Kästchen für rund 2900 Vollzeitstellen bei Sunrise, 45 davon rot für bis zu 450 Stellen
Quelle: Sunrise via Cash, 21. September 2026. Grafik: Leitgrad

Was schreibt das Gesetz bei einem solchen Abbau vor?

Viel, und zwar nicht nur für Konzerne. Das Obligationenrecht spricht von einer Massenentlassung, wenn ein Betrieb innert 30 Tagen aus wirtschaftlichen Gründen kündigt, und zwar (Art. 335d OR):

  • bei 21 bis 99 Beschäftigten: mindestens 10 Personen,
  • bei 100 bis 299 Beschäftigten: mindestens 10 Prozent,
  • ab 300 Beschäftigten: mindestens 30 Personen.

Dann muss der Arbeitgeber die Belegschaft vorher anhören und ihr die Gründe schriftlich nennen (Art. 335f OR). Er muss den Abbau dem kantonalen Arbeitsamt melden, die Kündigungen wirken frühestens 30 Tage danach (Art. 335g OR). Wer in der Regel mindestens 250 Menschen beschäftigt und mindestens 30 entlassen will, muss einen Sozialplan aushandeln (Art. 335i OR), erklärt das Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich. Sunrise plant das Konsultationsverfahren mit Personalvertretung und Syndicom für das vierte Quartal.

Unsere Einschätzung: Der Fall Sunrise zeigt, wo KI zuerst ankommt: nicht im Laden, sondern im Büro. Werbung, Auswertungen, Planung, Teile der IT. Das betrifft auch KMU, nur leiser. Wer heute eine Stelle im Marketing neu besetzt, sollte vorher fragen, welche Aufgaben in zwei Jahren noch Menschen erledigen. Und wer abbauen muss, sollte die Schwellen im OR kennen, bevor er die erste Kündigung schreibt. Ein Konsultationsverfahren ist keine Formalität. Wer es auslässt, macht die Kündigungen missbräuchlich und riskiert Entschädigungen von bis zu zwei Monatslöhnen (Art. 336 und 336a OR).

Was KI-Agenten Firmen heute kosten, zeigt unser Beitrag über die Gebühren für KI-Agenten.

Häufige Fragen

Wie viele Stellen baut Sunrise ab?

Bis zu 450 von rund 2900 Vollzeitstellen, knapp 16 Prozent. Dazu kommen 147 Stellen, die schon im Februar 2026 wegfielen. Am Hauptsitz in Opfikon könnte laut Sonntags-Zeitung jede vierte Stelle in IT, Marketing und Controlling betroffen sein.

Ab wann gilt in der Schweiz eine Massenentlassung?

Wenn ein Betrieb innert 30 Tagen aus wirtschaftlichen Gründen mindestens 10 Personen (bei 21 bis 99 Beschäftigten), mindestens 10 Prozent (bei 100 bis 299) oder mindestens 30 Personen (ab 300) entlässt. Dann gelten Konsultation, Meldung ans kantonale Arbeitsamt und eine Frist von 30 Tagen.

Wann braucht es einen Sozialplan?

Wenn ein Arbeitgeber in der Regel mindestens 250 Menschen beschäftigt und innert 30 Tagen mindestens 30 aus wirtschaftlichen Gründen entlassen will (Art. 335i OR). Kommt keine Einigung zustande, setzt ein Schiedsgericht den Sozialplan fest.

Quellen

  1. Cash, Sunrise will bis zu 450 Stellen abbauen, 21. September 2026 cash.ch
  2. Blick und Bilanz, KI-Stellenabbau von Sunrise (mit Sonntags-Zeitung), 11. Oktober 2026 blick.ch · bilanz.ch
  3. Markt-Kom, yallo AI Campaign, 16. Juni 2026 markt-kom.com
  4. Kanton Zürich, Amt für Wirtschaft, Merkblatt Massenentlassungen (Art. 335d bis 335k OR) zh.ch

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