Zürich, von der Quaibrücke aus gesehen. Foto: Daniel Kraft / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, zugeschnitten
Vontobel, Cembra, Burckhardt: Zürich verliert im Wochentakt
Vontobel zügelt 1500 Leute nach Baar, Cembra 800 nach Baden, Burckhardt Compression baut in Winterthur bis zu 150 Stellen ab. Warum die Steuern nur ein Teil der Antwort sind.

Zürich, von der Quaibrücke aus gesehen. Foto: Daniel Kraft / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, zugeschnitten
Kurz gesagt: Innert Wochen haben zwei Finanzfirmen angekündigt, die Stadt Zürich zu verlassen. Vontobel zieht mit rund 1500 Angestellten nach Baar, Cembra mit rund 800 nach Baden. Dazu kommen Stellenabbauten in Winterthur, zuletzt bei Burckhardt Compression mit bis zu 150 Stellen. Die Gewinnsteuer beträgt in der Stadt Zürich 19,5 Prozent, in Baar rund 12 und in Baden rund 15 Prozent. Die Firmen nennen aber vor allem Platz und moderne Gebäude als Grund.
Vontobel gehört seit über hundert Jahren zu Zürich. 2030 ist damit Schluss. Die Privatbank holt rund 1500 Angestellte aus sieben Zürcher Gebäuden und bringt sie auf einem neuen Campus im Lindenpark in Baar unter, berichtet Finews. Auch der Sitz der Holding wandert in den Kanton Zug. In Zürich bleibt ein Standort am Bleicherweg mit gut 300 Leuten für die Kunden. Ein Sparprogramm sei der Umzug nicht, betont die Bank. Tiefere Kosten nehme man höchstens als Nebeneffekt mit.
Wenige Tage später folgte Cembra. Die Konsumkreditbank verlegt ihren Hauptsitz im Herbst 2027 von Zürich-Altstetten in den Neubau Konnex in Baden, mit rund 800 Angestellten (Finews). Chef Holger Laubenthal begründet den Schritt mit moderner Infrastruktur und guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr.
Und in Winterthur fallen Stellen weg
Im Industriegürtel trifft es die Werkplätze. Burckhardt Compression will in Winterthur bis zu 150 von gut 1000 Stellen streichen, weltweit bis zu 220 (SRF). Der Kompressorenbauer rechnet mit tieferer Auslastung und will so rund 20 Millionen Franken im Jahr sparen. Davor hatte Zimmer Biomet in Winterthur vier von fünf Stellen gestrichen. SRF zieht in seiner Bilanz vom 1. Oktober den Schluss, dass Zürich unter Druck steht.

Die Grafik zeigt die Gewinnsteuer, die eine Firma insgesamt an Bund, Kanton und Gemeinde zahlt, in den drei Orten. Die Stadt Zürich liegt mit 19,5 Prozent klar vorne. Baar kommt auf rund 12 Prozent, Baden auf rund 15, so die Zahlen von SRF.
Trotzdem warnt SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart vor einfachen Erklärungen: «Nur wegen der Steuern zieht kaum ein Unternehmen weg.» Vontobel und Cembra suchen vor allem Platz an einem Ort, der gut erreichbar ist. Ein Campus für 1500 Leute findet sich in der Stadt Zürich schwer.
Andere Kantone handeln. Die Waadt etwa senkt die Steuern um 12 Prozent. Zürichs Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh sagte schon im Februar, es gehe dem Kanton gut, nun müsse er besser werden (Kanton Zürich).
Was die Wegzüge für Zürcher KMU bedeuten
Wer Firmen wie Vontobel oder Cembra beliefert, verliert nicht zwingend den Kunden. Baar und Baden liegen nah. Doch der Umsatz rund um einen Hauptsitz wandert mit: Mittagessen, Reinigung, Handwerk, Anlässe. Die grösste offene Frage betrifft die UBS. Was ein Wegzug der Grossbank für die Stadt hiesse, haben wir in Was, wenn die UBS geht? durchgerechnet.
Häufige Fragen
Warum zieht Vontobel nach Baar?
Vontobel will rund 1500 Angestellte aus sieben Zürcher Gebäuden auf einem Campus vereinen. Der neue Standort im Lindenpark in Baar hat einen eigenen Bahnhof und Platz zum Wachsen. Die Bank sagt, es gehe nicht ums Sparen.
Wie hoch ist die Gewinnsteuer in der Stadt Zürich?
Laut SRF zahlt eine Firma in der Stadt Zürich insgesamt 19,5 Prozent Gewinnsteuer. In Baar sind es rund 12 Prozent, in Baden rund 15 Prozent.
Wann zieht Cembra nach Baden?
Im Herbst 2027. Rund 800 Angestellte ziehen von Zürich-Altstetten in den Neubau Konnex in Baden.
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