Antennen auf der Weissfluh bei Davos. In den Bergen entscheidet der Mobilfunk über Sicherheit.
SpaceX kauft Frequenzen gegen Funklöcher. Die Schweiz versteigert ihre 2027
SpaceX übernimmt in den USA Frequenzen für Antennen am Boden, laut WSJ für rund 8 Milliarden Dollar. In der Schweiz darf noch kein Handy direkt mit einem Satelliten reden. Das 800-MHz-Band wird 2027 neu versteigert.

Antennen auf der Weissfluh bei Davos. In den Bergen entscheidet der Mobilfunk über Sicherheit.
Kurz gesagt: SpaceX übernimmt von der Investmentfirma Grain Management das landesweite 800-MHz-Paket in den USA, laut Wall Street Journal für rund 8 Milliarden Dollar. Die Frequenzen sind für Antennen am Boden gedacht und sollen Starlink Mobile dort ergänzen, wo der Satellit nicht durchkommt. In der Schweiz darf heute noch kein Handy direkt mit einem Satelliten verbunden werden. Das hiesige 800-MHz-Band wird 2027 neu versteigert, für die Jahre 2029 bis 2043. Wer es ersteigert, muss bis Ende 2033 die halbe Bevölkerung mit eigenen Antennen am Boden versorgen.
Elon Musk nennt es «das letzte entscheidende Stück im Frequenzpuzzle». Am Donnerstag gab Grain Management bekannt, sein ganzes 800-MHz-Portfolio in den USA an SpaceX zu verkaufen, wie die Mitteilung von Grain festhält. Einen Preis nennen die Parteien nicht. Das Wall Street Journal schreibt von rund 8 Milliarden Dollar in bar, berichtet Broadband Breakfast. Die Aktien von AT&T, Verizon und T-Mobile fielen nachbörslich um rund 6 Prozent.
Die Pointe steckt im Band. Die Lizenzen sind für Mobilfunk ab Masten und Dächern ausgelegt, nicht für Satelliten. Ein Raumfahrtkonzern kauft Frequenzen für Antennen am Boden.
Was kauft SpaceX genau?
Es geht um 2 × 7 Megahertz zwischen 817 und 869 MHz, landesweit. T-Mobile hatte sie 2020 mit Sprint übernommen und musste sie abgeben, Grain kaufte sie im Sommer 2026 für 2,9 Milliarden Dollar plus eigene Lizenzen, schreibt Light Reading. Die Aufsichtsbehörde FCC muss dem Verkauf noch zustimmen.
Tiefe Frequenzen haben einen Vorteil: Sie dringen durch Mauern und reichen weit in Täler. Sie haben aber einen Nachteil. «Das Spektrum bringt Abdeckung, nicht viel Kapazität», sagt Analyst Vish Nandlall gegenüber RCR Wireless. Ein eigenes Netz in den ganzen USA würde laut Bernstein 50 bis 130 Milliarden Dollar kosten. Ohne Antennen seien die Frequenzen «nur leere Luft», spottet ein Verizon-Sprecher.
Es ist nicht der erste Kauf. 2025 zahlte SpaceX dem Satellitenbetreiber EchoStar rund 17 Milliarden Dollar für Frequenzen, die Satelliten direkt mit Handys verbinden, wie EchoStar mitteilte. Dazu kamen im November 2,6 Milliarden in SpaceX-Aktien. Heute kreisen rund 650 solcher Handy-Satelliten, die FCC hat diese Woche bis zu 15 000 bewilligt. Wie schnell SpaceX im Orbit vorankommt, zeigt der erste Orbitalflug von Starship.

Kann man in der Schweiz per Satellit telefonieren?
Mit dem gewöhnlichen Handyabo nicht. Salt verschickte im Juli 2025 in Interlaken eine SMS über Starlink, laut Salt die erste eines europäischen Mobilfunkanbieters. Das BAKOM beschränkte den Test auf Interlaken. Ein Starttermin fehlt. «Ich würde eher auf 2027 wetten als 2026», sagte Salt-Chef Max Nunziata im März, wie nau.ch berichtet. Salts Frequenzen sind nur für Verbindungen zwischen Handy und Bodenantenne konzessioniert.
Sunrise testet mit AST SpaceMobile, Swisscom rechnet frühestens 2028 mit einem Angebot, so watson. Die Regeln entstehen erst nach der Weltfunkkonferenz 2027, danach folgen EU und Schweiz. Wer heute ohne Netz Hilfe braucht, kann mit neueren iPhones und Pixel-Handys immerhin einen Notruf per Satellit absetzen. Eine Schüssel für Starlink-Internet ist längst erhältlich, und SpaceX sucht in der Schweiz sogar Gastgeber, die Internet weitergeben.
Was passiert mit dem Schweizer 800-MHz-Band?
Das Schweizer 800-MHz-Band ist nicht dasselbe wie das amerikanische. Es umfasst 2 × 30 MHz in sechs Blöcken, heute je zwei bei Swisscom, Sunrise und Salt. Die Konzessionen von 2012 laufen am 31. Dezember 2028 ab. Damals brachte die Auktion aller Bänder dem Bund 996 Millionen Franken.
Am 1. September hat die Eidgenössische Kommunikationskommission ComCom die Frequenzen neu ausgeschrieben, zusammen mit 900, 1800, 2100 und 2600 MHz. Gesuche sind bis 3. Dezember 2026 möglich, die Auktion folgt voraussichtlich im zweiten Quartal 2027. Das Mindestgebot liegt bei 23,1 Millionen Franken pro Block, 138,6 Millionen für das ganze Band, laut den Unterlagen des BAKOM. Die neuen Konzessionen gelten 15 Jahre.
Satelliten zählen dabei nicht. Wer ersteigert, muss bis Ende 2033 die halbe Bevölkerung mit eigenen Anlagen am Boden versorgen. Künftige Regeln zur Einbindung von Satellitennetzen bleiben in der Ausschreibung ausdrücklich vorbehalten. Ein Neuling wie SpaceX könnte sich bewerben. Er bräuchte dann aber ein Antennennetz in der Schweiz.
Was heisst das für KMU?
In der Schweiz ist das Netz dicht: 4G erreicht fast die ganze Bevölkerung, meldet die ComCom. Die Lücken liegen dort, wo wenige wohnen und viele arbeiten: auf Alpen, Baustellen, Passstrassen und Bergbahnen. Und dort, wo Antennen ausfallen. Bei den Unwettern im April 2025 im Berner Oberland und im Wallis fiel der Strom aus, und mit ihm Antennen. Notrufe seien nicht möglich gewesen, schrieb der Blick.
Für Firmen mit Leuten im Gelände lohnt der Blick auf drei Punkte. Erstens: Satellit aufs Handy bringt anfangs 1 bis 3 Mbit/s, genug für SMS, Standort und Chat, nicht für Video. Zweitens: Der Dienst funktioniert im Freien, nicht im Keller. Drittens: Die Kosten dürften tief sein. In Grossbritannien verlangt O2 für seinen Satellitendienst 3 Pfund im Monat. Wer heute eine Rückfallebene braucht, setzt auf Satelliten-Notruf im Handy oder eine Starlink-Schüssel. Wie Chefs ihre Firma gegen Ausfälle und Angriffe wappnen, steht in unserem Ratgeber zur Cybersicherheit.
Häufige Fragen
Was ist Starlink Mobile?
So heisst seit März 2026 der Dienst von SpaceX, der Satelliten direkt mit gewöhnlichen Handys verbindet, früher «Direct to Cell». Er läuft mit Partnern wie T-Mobile in rund 30 Ländern, die Schweiz gehört noch nicht dazu.
Wann wird das 800-MHz-Band in der Schweiz versteigert?
Voraussichtlich im zweiten Quartal 2027. Die neuen Konzessionen gelten ab 1. Januar 2029 für 15 Jahre. Gesuche nimmt die ComCom bis 3. Dezember 2026 entgegen.
Darf ein ausländischer Anbieter Schweizer Frequenzen ersteigern?
Ja. Schon heute gehören Konzessionen Firmen in ausländischem Besitz, Salt etwa der Holding des französischen Unternehmers Xavier Niel. Geht die Kontrolle über eine Konzession an jemand anderen, muss die ComCom zustimmen (Art. 24d FMG).
Quellen
- Grain Management, Medienmitteilung, 8. Oktober 2026 prnewswire.com
- Broadband Breakfast (mit Wall Street Journal), 9. Oktober 2026; RCR Wireless, 9. Oktober 2026 broadbandbreakfast.com · rcrwireless.com
- EchoStar, Medienmitteilung, 8. September 2025 echostar.com
- ComCom und BAKOM, Ausschreibung der Mobilfunkfrequenzen, 1. September 2026 bakom.admin.ch · comcom.admin.ch
- nau.ch (Keystone-SDA), 31. März 2026; watson, Juni 2026 nau.ch · watson.ch
- ComCom, Mobilfunkabdeckung, Stand Ende 2025 comcom.admin.ch
- Virgin Media O2, O2 Satellite, 26. Februar 2026 virginmediao2.co.uk
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