Rolex gehört einer Stiftung. Sie investiert eine halbe Milliarde im Jahr
Heute versteigert Rolex vier Unikate für wohltätige Zwecke. Die Firma selbst gehört seit Jahrzehnten einer Stiftung und veröffentlicht keine Zahl. Wem die Schweizer Stiftungsfirmen gehören und was das für die Nachfolge lehrt.

Heute versteigert Phillips in London vier Uhren, die es nur je einmal gibt. Rolex hat für die Auktion vier Cosmograph Daytona zum Thema der vier Jahreszeiten gebaut, in Weissgold, Everose-Gold, Gelbgold und Platin. Der gesamte Erlös geht an die Federer Foundation und an die Naturschutzorganisation Re:wild. Branchenexperten erwarten laut Tages-Anzeiger Gebote zwischen 10 und 50 Millionen Dollar.
Dass das Geld weitergegeben wird, ist bei Rolex keine Geste, sondern das Geschäftsmodell. Die Firma hat keine Aktionäre, die an ihr verdienen. Sie gehört zu 100 Prozent der Hans-Wilsdorf-Stiftung in Genf.
Das Wichtigste in Kürze
Rolex-Gründer Hans Wilsdorf war kinderlos. 1945 gründete er eine Stiftung und übertrug ihr das Unternehmen. Heute ist Rolex nach Schätzungen von Morgan Stanley und LuxeConsult mit über 11 Milliarden Franken Umsatz und einem Marktanteil von 32,9 Prozent der grösste Uhrenhersteller der Schweiz, veröffentlicht aber keine einzige Zahl. Die Stiftung legte 2025 erstmals offen, dass sie im Geschäftsjahr 524 Millionen Franken investierte, die Hälfte davon in Genf. Stiftungen besitzen in der Schweiz auch Victorinox und die SV Group, in Liechtenstein Hilti. Insgesamt gibt es im Land 13 782 gemeinnützige Stiftungen mit einem Vermögen von 159,6 Milliarden Franken.
Eine Firma ohne Erben
Hans Wilsdorf gründete Rolex 1905 zusammen mit einem Geschäftspartner. Zehn Jahre später zog die Firma in die Schweiz. Als der kinderlose Unternehmer 1945 die Fondation Hans Wilsdorf gründete, übertrug er ihr Rolex, und in ihren Statuten kommt kein Wort so oft vor wie «Genf», berichtet SRF. Wilsdorf starb 1960. Seither gibt es bei Rolex keinen Eigentümer, der verkaufen, erben oder an die Börse gehen könnte.
Die Firma schweigt entsprechend. Umsatz, Gewinn und Stückzahlen bleiben geheim. Morgan Stanley und das Beratungsunternehmen LuxeConsult schätzen für 2025 einen Grosshandelsumsatz von über 11 Milliarden Franken und rund 1,1 Millionen Uhren. Seit 2024 gehört auch der Uhren- und Schmuckhändler Bucherer zu Rolex; die Wettbewerbskommission hatte den Kauf im Juli 2024 ohne Auflagen genehmigt.
Die grösste Firma im Besitz einer Stiftung veröffentlicht keine einzige Zahl.
Umsatz der grössten stiftungsgehaltenen Unternehmen der Schweiz und Liechtensteins, in Milliarden Franken. Die Fläche entspricht dem Umsatz.

Die Grafik zeigt ein Ungleichgewicht, das es sonst in der Schweizer Wirtschaft kaum gibt. Das grösste Quadrat ist das einzige, das gestrichelt ist. Hilti, Victorinox und die SV Group gehören ebenfalls Stiftungen oder einem Trust, und sie publizieren ihre Umsätze. Rolex, fast doppelt so gross wie Hilti, tut es nicht, und niemand kann es verlangen.
Für Unternehmer ist die Grafik vor allem eine Landkarte der Nachfolge. Keine dieser Firmen kann verkauft, aufgeteilt oder an die Börse gebracht werden, ohne dass die Stiftung es will. Das macht sie unabhängig von Erben und Käufern. Sie macht sie aber auch unkontrollierbar für alle, die nicht im Stiftungsrat sitzen.
Wohin die Rolex-Millionen fliessen
Lange galt die Wilsdorf-Stiftung als «Staat im Staat». Generalsekretär Marc Maugué hält das für eine «unglückliche Verkürzung». Im September 2025 legte die Stiftung gegenüber SRF erstmals eine Zahl offen: 524 Millionen Franken im letzten Geschäftsjahr, Immobilienkäufe nicht eingerechnet. Die Hälfte ging an Organisationen mit internationaler Ausstrahlung, die andere Hälfte blieb in Genf. Rund 8000 Gesuche erreichen die Stiftung pro Jahr.
In Genf ist die Stiftung überall. Sie half dem FC Servette in der Krise, baute eine neue Brücke über die Arve und kaufte im Mai 2026 den RTS-Turm für 150 Millionen Franken. Mit dem Kanton finanziert sie seit 2025 das internationale Genf, mit 25 von insgesamt 50 Millionen Franken über fünf Jahre. Nicht alles gelingt: 2021 lehnte das Genfer Stimmvolk knapp ein neues Musikzentrum ab, das die Stiftung für 200 Millionen Franken bezahlen wollte.
Die anderen Stiftungsfirmen
Hilti. Der Befestigungsspezialist aus Schaan gehört zu rund 99 Prozent dem Martin Hilti Family Trust und setzte 2025 6,3 Milliarden Franken um. Rechtlich ist es ein Liechtensteiner Trust, keine Schweizer Stiftung, die Wirkung ist dieselbe: Die Familie kann die Firma nicht verkaufen.
Victorinox. Der Taschenmesserhersteller aus Ibach gehört zu 90 Prozent der Victorinox-Stiftung und zu 10 Prozent der Carl und Elise Elsener-Gut Stiftung. Der Nettoumsatz sank 2025 wegen der US-Zölle und des starken Frankens auf 404 Millionen Franken.
SV Group. Der Gastronomie- und Hotelkonzern gehört mehrheitlich der SV Stiftung, gegründet 1999. Er setzte 2025 rund 670 Millionen Franken um und beschäftigt rund 5500 Menschen.
Jacobs. Die Jacobs Foundation ist seit 2001 alleinige Eigentümerin der Jacobs Holding. Diese hält 30,1 Prozent am Schokoladenkonzern Barry Callebaut, der im Geschäftsjahr 2024/25 14,8 Milliarden Franken umsetzte. Eine Mehrheit ist das nicht, aber der grösste einzelne Einfluss.
Was Stiftungen in der Schweiz bewegen
Laut dem Schweizer Stiftungsreport 2026 gab es Ende 2025 13 782 aktive gemeinnützige Stiftungen. Zusammen verfügen sie über 159,6 Milliarden Franken und geben jährlich über 23 Milliarden für ihre Zwecke aus. 325 kamen 2025 neu dazu, 253 wurden aufgelöst.
Für die Nachfolge in Schweizer Familienunternehmen ist das ein unterschätzter Weg. Die meisten Inhaber denken an Familie, Kader oder Verkauf. Welche Wege tatsächlich gewählt werden, zeigt unser Beitrag zu den 168 000 anstehenden Übergaben. Wie ein Unternehmer seine Firma so baut, dass sie ihn überlebt, zeigt das Beispiel Berkshire Hathaway. Und warum Familienunternehmen trotz aller Vorbehalte mit Finanzinvestoren abschliessen, steht in unserem Text zu Private Equity.
Methode
Rolex veröffentlicht keine Geschäftszahlen; der Umsatz ist eine Schätzung von Morgan Stanley und LuxeConsult für den Grosshandel 2025. Die übrigen Umsätze stammen aus den Mitteilungen der Unternehmen für 2025 beziehungsweise das Geschäftsjahr 2024/25. Hilti gehört einem Liechtensteiner Trust und ist wegen der Nähe zur Schweiz aufgeführt. Die Zahl von 524 Millionen Franken umfasst laut Stiftung die Investitionen des letzten Geschäftsjahrs ohne Immobilienkäufe. Die Aufteilung des Auktionserlöses zwischen den beiden Begünstigten hat Rolex nicht publiziert. Die Schätzung von 10 bis 50 Millionen Dollar stammt von Branchenexperten, nicht von Rolex oder Phillips.
Quellen
- Rolex Newsroom, «One of a kind auction», London, 28. September 2026 rolex.com
- Tages-Anzeiger, «Rolex versteigert Daytona-Unikate für Federer-Stiftung», 26. September 2026 tagesanzeiger.ch
- SRF, «Mächtige Stiftung in Genf: Hierhin fliessen die Rolex-Millionen», 16. September 2025 srf.ch
- Morgan Stanley und LuxeConsult, Swiss Watch Industry Report 2025 insight-luxury.com
- SRF zur Genehmigung des Bucherer-Kaufs, 11. Juli 2024 srf.ch
- 20 Minuten zum Verkauf des RTS-Turms, 29. Mai 2026 20min.ch
- SwissFoundations zur Partnerschaft mit dem Kanton Genf, 26. Mai 2025 swissfoundations.ch
- Hilti, Umsatz 2025; Victorinox via Luzerner Zeitung; SV Group, Aktionariat und Geschäftsjahr 2025; Barry Callebaut, Jahresergebnis 2024/25 hilti.de · luzernerzeitung.ch · sv-group.com · barry-callebaut.com
- CEPS Universität Basel, SwissFoundations, Zentrum für Stiftungsrecht UZH: Schweizer Stiftungsreport 2026 swissfoundations.ch · ceps.unibas.ch
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