Je nach Weg dauert die Nachfolge 1 bis 12 Jahre. Quelle: UBS CIO, CFB-HSG, Nachfolgestudie 2026. Illustration: Leitgrad
Bis zu zwölf Jahre für die Familie. Wann fangen Sie an?
Der typische Schweizer Patron ist 58. Ob das früh oder spät ist, entscheidet der Weg, den er gehen will. Ein Ratgeber mit Zeitplan, Warnsignalen und Antworten auf die häufigsten Fragen.

Je nach Weg dauert die Nachfolge 1 bis 12 Jahre. Quelle: UBS CIO, CFB-HSG, Nachfolgestudie 2026. Illustration: Leitgrad
Kurz gesagt: Mit der Nachfolge beginnt man früher, als die meisten denken, und der Weg bestimmt den Zeitpunkt. Eine Übergabe in der Familie dauert laut der Nachfolgestudie 2026 von UBS und Universität St. Gallen rund 10 bis 12 Jahre, ein Verkauf an Mitarbeitende 5 bis 7 Jahre, ein Verkauf an Aussenstehende 1 bis 2 Jahre. Wer mit 65 übergeben will, startet bei der Familienlösung also mit gut 53, beim Management-Buy-out mit spätestens 60. Der durchschnittliche Inhaber eines Schweizer KMU ist 58. Bis Ende 2030 steht in fast 168 000 KMU eine Übergabe an, rund 59 000 davon könnten scheitern.
Er ist 58 Jahre alt. Er hat seine Firma selbst gegründet, wie 78 Prozent der Inhaber in der Schweiz. Und wie drei von vier seiner Kollegen sagt er: Der Erfolg hängt stark an mir. So sieht der typische Schweizer KMU-Inhaber in der Nachfolgestudie 2026 von UBS und Universität St. Gallen aus. Befragt wurden 401 Inhaberinnen und Inhaber, im September 2025.

Die Studie hat noch einen zweiten Befund, der nachdenklich macht. Wer schon über die Nachfolge nachgedacht, aber noch nichts unternommen hat, rechnet trotzdem zu 28 Prozent damit, die Firma innert fünf Jahren zu übergeben. Gemessen an den Erfahrungswerten weiter unten ist das sportlich.
Die gute Nachricht: Die Uhr lässt sich lesen. Man muss sie nur rückwärts lesen.
Rechnen Sie vom Abschied her
Die richtige Frage lautet nicht, wann man ans Aufhören denkt. Sie lautet: Wie lange braucht der Weg, den ich gehen will? Die zweite Kurzstudie der Reihe liefert dafür Richtwerte. Die Übergabe in der Familie ist der längste Weg, der Verkauf an Aussenstehende der kürzeste. Ein Überblick über die drei Wege im Vergleich steht hier.
| Weg | Richtwert Dauer | Anteil der geplanten Übergaben | Spätester Start bei Übergabe mit 65 |
|---|---|---|---|
| In der Familie | rund 10 bis 12 Jahre | 39 % | mit 53 bis 55 |
| An Mitarbeitende (Management-Buy-out) | rund 5 bis 7 Jahre | 22 % | mit 58 bis 60 |
| An Aussenstehende (Verkauf, Management-Buy-in) | rund 1 bis 2 Jahre | 40 % | mit 63 bis 64 |
| Liquidation | meist 6 bis 24 Monate | nicht ausgewiesen | keine Nachfolge |
Dauer und Anteile: UBS CIO und CFB-HSG, Nachfolgestudie 2026, Kurzstudie 2. Startalter: eigene Rechnung von Leitgrad.
Für den Durchschnittsinhaber mit 58 heisst das: Die Familienlösung ist noch möglich, aber das Zeitfenster schliesst sich. Ein Management-Buy-out lässt sich jetzt gut aufgleisen. Für den Verkauf an eine externe Person, etwa über ein Management-Buy-in, bleibt mehr Zeit. Die Vorbereitung beginnt aber auch dort lange vor dem Inserat.

Ein Praktiker bestätigt die Grössenordnung. Hans Jürg Domenig, Präsident des Schweizer Dachverbands für Unternehmensnachfolge, sagt auf dem KMU-Portal des Bundes: «Man muss mindestens drei bis fünf Jahre einplanen. Idealerweise sind es sogar zehn Jahre.»

Fünf Signale, dass Ihre Uhr schon läuft
Das Alter ist nur ein Signal. Die Nachfolgestudie nennt weitere, die eine Übergabe verlangsamen oder gefährden. Jedes davon ist ein Grund, früher anzufangen.
Die Firma hängt an Ihnen. 76 Prozent der Inhaber sagen, der Erfolg ihres Unternehmens hänge stark von ihnen ab. Für Käufer und Nachfolger ist das ein Risiko, das sie im Preis berücksichtigen. Wer Kundenbeziehungen, Wissen und Entscheide breiter verteilt, macht die Firma übergabefähig. Das dauert Jahre, nicht Monate.
Sie haben nur eine Lösung im Kopf. 28 Prozent prüfen keine Alternativen zu ihrer bevorzugten Nachfolge. Fällt diese weg, beginnt die Suche von vorn.

Sie zweifeln an Käufern. 16 Prozent glauben, es gebe gar keine potenziellen Käufer. Oft liegt das weniger am Markt als an der Vorbereitung, etwa an einer unklaren Bewertung.
Es stehen grosse Investitionen an. 15 Prozent melden einen grossen Investitions- oder Umbaubedarf. Wer ihn vor der Übergabe angeht, verkauft eine Firma mit Zukunft statt eine Baustelle.
In der Familie ist nichts geklärt. In der dritten Kurzstudie sind nur 19 Prozent der befragten potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolger sicher, dass sie übernehmen werden. 46 Prozent sehen familiäre Konflikte als Hindernis. Warum Familiennachfolgen scheitern, hat Leitgrad hier beschrieben.
Wer früh beginnt, hat die Wahl
Die Studie rechnet hoch: Bis Ende 2030 steht in fast 168 000 Schweizer KMU eine Übergabe an. Vollzogen werden dürften innert fünf Jahren rund 109 000. Rund 59 000 Übergaben könnten scheitern. Dun & Bradstreet zählte im März 2025 90 667 KMU, die in den nächsten Jahren eine Nachfolgeregelung brauchen, 13,7 Prozent aller Firmen mit bis zu 249 Mitarbeitenden. Wie gross die Welle ist, zeigt auch unser Beitrag zu den KMU bis 2030.

Die Zahlen lassen sich auch als Chance lesen. Laut der Stiftung KMU Next, zitiert auf dem KMU-Portal, überleben nach fünf Jahren 95 Prozent der übernommenen Firmen, aber nur 50 Prozent der Neugründungen. Eine geregelte Nachfolge ist für Käufer attraktiv. Deshalb wird «Firma kaufen statt gründen» zur Karriere.
Zeit schafft Optionen. Wer früh beginnt, kann Kinder ausprobieren lassen, Kader zu Mitinhabern machen oder einen Käufer in Ruhe prüfen. Wer spät beginnt, nimmt, was übrig bleibt. Im schlechtesten Fall bleibt die Liquidation.

Der erste Schritt ist kein Vertrag
Er ist ein Gespräch, zuerst mit sich selbst. Was wollen Sie nach der Übergabe? Für die befragten Inhaber ist das wichtigste Ziel «mehr Zeit für Persönliches». Wer sein Ziel kennt, wählt den passenden Weg.
Danach folgen Familie, Schlüsselleute, Treuhänder. Zwei rechtliche Punkte gehören früh auf den Tisch, immer mit einer Fachperson. Erstens das Erbrecht: Seit dem 1. Januar 2023 beträgt der Pflichtteil der Nachkommen noch die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, Eltern haben keinen Pflichtteil mehr. Das schafft mehr Spielraum, eine Firma an ein Kind zu übertragen. Zweitens die Steuern: Kapitalgewinne auf Privatvermögen sind grundsätzlich steuerfrei, doch es gibt Ausnahmen wie die indirekte Teilliquidation nach dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer. Wie ein Verkauf aufgesetzt wird, entscheidet über den Nettoerlös.
Und dann der leiseste, schwierigste Schritt: sich selbst überflüssig machen. Wie ein guter Abschied gelingt, wenn der Termin steht, beschreibt der Beitrag «Gute Abschiede beginnen zwei bis drei Jahre vorher».

Zum Mitnehmen: der Nachfolge-Zeitplan, vom Abschied her gerechnet
- 12 bis 10 Jahre vorher (Familienlösung): Ziel klären, mit den Kindern offen reden, externe Berufserfahrung der Kandidaten einplanen. Erbrechtliche Situation mit einer Fachperson prüfen.
- 7 bis 5 Jahre vorher (Mitarbeitende): Kader identifizieren, schrittweise Verantwortung übergeben, Finanzierung eines Management-Buy-outs vorbesprechen.
- 5 bis 3 Jahre vorher (alle Wege): Abhängigkeit von Ihrer Person abbauen, Investitionsstau angehen, Alternativen prüfen, Firma bewerten lassen.
- 2 bis 1 Jahre vorher (Verkauf an Aussenstehende): Unterlagen aufbereiten, Steuerfolgen klären, Käufer ansprechen, Übergabe planen.
- Im Jahr der Übergabe: Datum festlegen, Rolle danach klar begrenzen, Nachfolger öffentlich stärken.
Häufige Fragen
Wann sollte man mit der Nachfolgeplanung beginnen?
Je nach Weg 1 bis 12 Jahre vor der Übergabe. Laut der Nachfolgestudie 2026 von UBS und Universität St. Gallen dauert eine Übergabe in der Familie rund 10 bis 12 Jahre, an Mitarbeitende 5 bis 7 Jahre und an Aussenstehende 1 bis 2 Jahre. Der Dachverband für Unternehmensnachfolge rät zu mindestens drei bis fünf, idealerweise zehn Jahren.
Wie lange dauert eine Firmennachfolge in der Schweiz?
Im Schnitt mehrere Jahre. Richtwerte: Familie 10 bis 12 Jahre, Management-Buy-out 5 bis 7 Jahre, Verkauf an Aussenstehende 1 bis 2 Jahre, Liquidation meist 6 bis 24 Monate.
Ab welchem Alter sollte ich an die Nachfolge denken?
Wer mit 65 übergeben will, startet bei einer Familienlösung mit gut 53 bis 55, bei einem Management-Buy-out mit 58 bis 60 und bei einem Verkauf an Aussenstehende spätestens mit 63. Der durchschnittliche Inhaber eines Schweizer KMU ist 58 Jahre alt.
Welche Warnsignale zeigen, dass ich zu spät dran bin?
Der Erfolg hängt stark an Ihnen, Sie prüfen keine Alternativen, Sie zweifeln an Käufern, es stehen grosse Investitionen an oder in der Familie ist nichts geklärt. Diese Punkte nennt die Nachfolgestudie 2026 als Risiken für eine Übergabe.
Was ist der erste Schritt der Nachfolgeplanung?
Das eigene Ziel klären: Was soll nach der Übergabe sein, für Sie, die Familie und die Firma? Danach folgen Gespräche mit Familie und Schlüsselleuten sowie eine Fachperson für Recht, Steuern und Bewertung.
Familie, Mitarbeitende oder Verkauf: Welche Nachfolge ist am häufigsten?
Bei den geplanten Übergaben liegt der Verkauf an Aussenstehende mit 40 Prozent knapp vor der Familie mit 39 Prozent. Ein Management-Buy-out planen 22 Prozent. Damit wird die Mehrheit der Firmen familienextern übergeben.
Was kostet eine Nachfolgeberatung?
Einen festen Tarif gibt es nicht. Treuhänder, Anwältinnen und spezialisierte Berater rechnen meist nach Aufwand ab, bei Verkäufen teils mit Erfolgshonorar. Es lohnt sich, mehrere Offerten mit klarem Leistungsumfang einzuholen.
Wie viele KMU in der Schweiz suchen eine Nachfolge?
Dun & Bradstreet zählte im März 2025 90 667 KMU, die in den nächsten Jahren eine Nachfolgeregelung brauchen. UBS und Universität St. Gallen rechnen bis Ende 2030 mit fast 168 000 Übergaben.
Ist eine übernommene Firma sicherer als eine Neugründung?
Laut der Stiftung KMU Next überleben nach fünf Jahren 95 Prozent der übernommenen Firmen und 50 Prozent der Neugründungen.
Quellen
- UBS Chief Investment Office und CFB-HSG, «Unternehmensnachfolge in der Schweiz», Nachfolgestudie 2026, Kurzstudie 1, Januar 2026 unisg.ch
- UBS Chief Investment Office und CFB-HSG, «Nachfolgeoptionen im Fokus: Die Qual der Wahl», Nachfolgestudie 2026, Kurzstudie 2, Februar 2026 unisg.ch
- UBS Chief Investment Office und CFB-HSG, «Stolpersteine bei der familieninternen Unternehmensübergabe», Nachfolgestudie 2026, Kurzstudie 3, März 2026 unisg.ch
- Dun & Bradstreet Schweiz, «Nachfolge KMU Schweiz 2025», 19. März 2025 dnb.com
- KMU-Portal des SECO, «Sorgfältig geplante Nachfolgen stärken langfristig die Schweizer Wirtschaft», Gespräch mit Hans Jürg Domenig kmu.admin.ch
- KMU-Portal des SECO, «KMU in Zahlen: Nachfolgeregelungen» kmu.admin.ch
- PwC Schweiz, «Revidiertes Schweizer Erbrecht sorgt für neue Freiheiten», 14. Dezember 2022 pwc.ch
- Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG), SR 642.11, Art. 16 Abs. 3 und Art. 20a fedlex.admin.ch
Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Teilen
Das Morgen-Briefing
Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren