Solaranlage auf einem Bauernhof in der Zentralschweiz. Foto: GabrielleMerk / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Briefing · 4 min ·

Solarpanels knacken die 30 Prozent. Die Schweiz hat die Rekorde und hat die Fabrik verloren

Drei Viertel des Sonnenlichts auf Schweizer Dächern gehen verloren. Ein neues Modul holt 30 Prozent heraus. Die Technik kommt aus Neuenburg, die Fabrik nicht.

Solarmodule auf den Dächern eines Bauernhofs in der Zentralschweiz

Solaranlage auf einem Bauernhof in der Zentralschweiz. Foto: GabrielleMerk / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Kurz gesagt: Das US-Start-up Tandem PV hat ein Solarpanel mit 30,4 Prozent Wirkungsgrad gebaut und will es noch dieses Jahr verkaufen. Heutige Module wandeln 22 bis 24 Prozent des Sonnenlichts in Strom. Die Technik dahinter, Perowskit auf Silizium, hat die Schweiz mitentwickelt: EPFL und CSEM in Neuenburg halten Weltrekorde. Die Fabrik dazu hat die Schweiz verloren. Die Patente von Meyer Burger gehören seit März einem Start-up aus Kalifornien.

Mehr als drei Viertel des Sonnenlichts, das auf ein Schweizer Dach fällt, wird zu Wärme statt zu Strom. Jahrzehntelang kämpfte die Branche um Zehntelprozente. Jetzt springt sie um sechs Punkte, und die Rekorde dafür stehen in Neuenburg. Tandem PV hat sein erstes Panel in Serienqualität ausgeliefert, mit 30,4 Prozent Wirkungsgrad, berichtet pv magazine USA. Die besten Siliziummodule im Handel, von LONGi und Aiko, schaffen rund 25 Prozent.

Was ist ein Tandem-Solarmodul?

Zwei Solarzellen übereinander. Oben liegt eine dünne Schicht Perowskit, ein Kristall, der blaues und grünes Licht besonders gut nutzt. Darunter liegt die übliche Siliziumzelle, die das rote Licht aufnimmt. So arbeitet jede Schicht mit dem Licht, das sie am besten verwertet. Tandem PV legt die Perowskitschicht auf das Glas über den Siliziumzellen. Ab 2028 will die Firma in Gigawatt-Mengen produzieren und auf 34 Prozent kommen.

Grafik: Von 100 Teilen Sonnenlicht macht das Tandem-Modul 30 zu Strom, übliche Module 22 bis 24
Quelle: pv magazine USA, 13. August 2026. Grafik: Leitgrad

Die Grafik zeigt den Sprung. Für ein Dach heisst das: Auf derselben Fläche liefern Tandem-Module rund 30 Prozent mehr Strom als die heute verbauten Module. Tandem PV verspricht 30 Jahre Garantie und höchstens 1 Prozent Leistungsverlust pro Jahr. Ob Perowskit so lange hält, muss sich erst draussen auf Dächern zeigen.

Welche Rolle spielt die Schweiz?

Die Schweiz hält die Rekorde. 2022 erreichten die EPFL und das CSEM in Neuenburg als erste mehr als 30 Prozent mit einer Tandemzelle aus Perowskit und Silizium, nämlich 31,25 Prozent, meldete das CSEM. Im März 2026 folgte der nächste Rekord: 30,02 Prozent für eine Dreifachzelle mit zwei Perowskitschichten, auf 54 Quadratzentimetern. 2018 lag das Team noch bei 13 Prozent, schreibt die EPFL.

Die Fabrik dagegen ist weg. Meyer Burger aus Thun war einer der letzten grossen Solarhersteller Europas. Im Juni 2025 meldeten die deutschen Gesellschaften Insolvenz an, berichtete Solarserver. Im März 2026 kaufte Swift Solar aus Kalifornien die Patente, die Maschinen und das Ingenieurteam, samt dem früheren Chef Gunter Erfurt, meldet pv magazine. Swift will in den USA zuerst Siliziumzellen bauen und dann eigene Perowskit-Tandems.

Was heisst das für Schweizer KMU?

Unsere Einschätzung: Wer in den nächsten zwei Jahren ein grosses Dach belegt, sollte die Tandem-Module im Blick behalten, aber nicht auf sie warten. 2025 kamen in der Schweiz 1333 Megawatt Solarleistung dazu, nach 1800 im Jahr davor, zeigt die Statistik von Swissolar laut pv magazine. Gewerbe und Industrie bauten mit 547 Megawatt am meisten. Solarstrom deckt heute 13,7 Prozent des Verbrauchs. Wenn dieselbe Dachfläche bald 30 Prozent mehr liefert, verändert das die Rechnung für jede Halle und jeden Bauernhof.

Was die Schweiz bei der Energie sonst bewegt, sammelt unser Dossier Energie. Wie Utah in 23 Monaten ein Geothermie-Kraftwerk baute, steht in diesem Beitrag. Warum die USA einen Reaktor auf den Mond bringen wollen und was das mit dem AKW-Referendum zu tun hat, zeigt diese Meldung.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Wirkungsgrad heutiger Solarmodule?

Übliche Module im Handel wandeln 22 bis 24 Prozent des Sonnenlichts in Strom. Die besten Siliziummodule von LONGi und Aiko erreichen rund 25 Prozent. Das Tandem-Modul von Tandem PV kommt auf 30,4 Prozent.

Was ist Perowskit?

Perowskit ist eine Kristallstruktur, die sich günstig als dünne Schicht auftragen lässt und Licht sehr gut in Strom wandelt. Auf Silizium gelegt, ergibt sie eine Tandemzelle mit über 30 Prozent Wirkungsgrad. Die grösste offene Frage ist die Haltbarkeit über Jahrzehnte.

Wer hält den Weltrekord für Tandem-Solarzellen in der Schweiz?

Die EPFL und das CSEM in Neuenburg. Sie erreichten 2022 als erste über 30 Prozent mit einer Perowskit-Silizium-Tandemzelle (31,25 Prozent) und 2026 mit einer Dreifachzelle 30,02 Prozent.

Was ist mit Meyer Burger passiert?

Die deutschen Gesellschaften von Meyer Burger meldeten im Juni 2025 Insolvenz an. Im März 2026 übernahm Swift Solar aus Kalifornien die Patente, Anlagen und das Ingenieurteam.

Quellen

  1. pv magazine USA, The world’s most efficient solar panel goes on sale later this year, 13. August 2026 pv-magazine-usa.com
  2. CSEM, New world records for perovskite-on-silicon tandem solar cells, 7. Juli 2022; EPFL, Record efficiency for perovskite-silicon triple-junction solar cells, 18. März 2026 csem.ch · actu.epfl.ch
  3. Solarserver, Meyer Burger beantragt Insolvenz für deutsche Gesellschaften, 2. Juni 2025; pv magazine, Swift Solar acquires Meyer Burger assets, 12. März 2026 solarserver.de · pv-magazine.com
  4. Swissolar, Marktstatistik 2025, via pv magazine Deutschland, 10. Juli 2026 pv-magazine.de

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