Mandate statt Titel: Was Verwaltungsrat und Interim wirklich einbringen
Ein VR-Mandat im KMU bringt rund 21 000 Franken im Jahr. Wer von Mandaten leben will, braucht ein Portfolio und am besten eine Beteiligung.

Die klassische Karriere hat eine Richtung: nach oben. Mehr Verantwortung, grösserer Titel, höherer Fixlohn und irgendwann die Pensionierung. Für viele erfahrene Führungskräfte endet diese Treppe heute früher als geplant, weil eine Reorganisation, ein Verkauf oder eine gestrichene Ebene dazwischenkommt.
Danach fällt oft ein Wort, das nach Freiheit klingt: Mandate. Wie viel dieser Weg trägt, lässt sich nüchtern rechnen, und die Rechnung beginnt mit einem Missverhältnis.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Verwaltungsratsmandat in einem Schweizer KMU bringt im Durchschnitt rund 21 000 Franken im Jahr, ein Präsidium rund 28 000. Das zeigt eine BDO-Studie von 2023. Der Medianlohn einer Führungskraft mit Universitätsabschluss im oberen oder mittleren Kader liegt bei 14 409 Franken im Monat, rund 173 000 im Jahr. Ein einzelnes Mandat ersetzt also keinen Kaderlohn. Interim-Management ist lukrativer. Der deutsche Branchenverband AIMP beziffert den Schweizer Markt auf rund 660 Millionen Euro, wie Fachportale berichten. Er zählt rund 2875 Interim-Manager mit einem durchschnittlichen Tagessatz von 1723 Euro. Eine Mandatskarriere trägt deshalb erst als Portfolio: Interim, zwei oder drei Verwaltungsräte, Beratung und im besten Fall eine eigene Beteiligung.
Ein VR-Mandat im KMU: 21 000 Franken. Ein Kaderlohn: 173 000.
Durchschnittliches Jahreshonorar eines Verwaltungsratsmitglieds in Schweizer KMU gegenüber dem Median-Jahreslohn einer Führungskraft mit Universitätsabschluss im oberen oder mittleren Kader.

Die Grafik zeigt ein Verhältnis von ungefähr eins zu acht. Ein durchschnittliches VR-Mandat im KMU bringt 21 000 Franken im Jahr, der Median-Jahreslohn im Kader liegt bei 172 908 Franken. Selbst sechs Präsidien zu je 28 000 Franken reichten nicht an diesen Lohn heran.
Überraschend ist die Richtung, in die sich die Honorare bewegen. BDO mass 2023 tiefere Werte als 2020. In kleinen Unternehmen liegt das mittlere Honorar laut swissVR Monitor sogar nur zwischen 5000 und 15 000 Franken.
Für einen Inhaber, der seinen Verwaltungsrat mit erfahrenen Leuten besetzen will, heisst das: Mit dem Honorar allein gewinnt er sie kaum. Attraktiv wird ein Sitz, wenn er Einblick in ein Unternehmen gibt, der später zu einer Beteiligung führen kann.
Was ein Verwaltungsrat im KMU verdient
Verwaltungsräte grosser Konzerne verdienen sechsstellig, ihre Honorare stehen im Geschäftsbericht. Die meisten Mandate sehen anders aus. Die Treuhand- und Beratungsfirma BDO hat 2023 die Verwaltungsräte von 601 Aktiengesellschaften mit höchstens 1000 Mitarbeitenden befragt. Ein Mitglied erhielt im Durchschnitt rund 21 000 Franken im Jahr, Präsidentinnen und Delegierte rund 28 000. Gegenüber 2020 waren die Honorare gesunken. Rund 70 Prozent der KMU-Verwaltungsräte sind 50 Jahre oder älter.
Der swissVR Monitor, eine regelmässige Befragung von Verwaltungsräten, fand im selben Jahr für kleine Unternehmen eine noch tiefere Spanne. Das mittlere Honorar lag dort zwischen 5000 und 15 000 Franken. Ein Viertel der Befragten fand, die Entschädigung entspreche nicht dem Aufwand. Neuere Zahlen gibt es nicht, eine Studie der Universität St. Gallen mit OBT und Funk ist noch in der Erhebung.
Dazu kommt eine Verantwortung, die kein Honorar aufwiegt. Verwaltungsräte haften für ihre Sorgfalt, auch persönlich. Das Mandat ist eine Aufgabe, keine Rente.
Was Interim-Management bringt
Deutlich mehr Geld bewegt sich im Interim-Management. Hier füllen Führungskräfte für einige Monate eine Lücke, führen eine Sanierung oder ziehen ein Projekt durch. Der deutsche Branchenverband AIMP hat im Juni 2026 eine Marktstudie für den deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Nach Angaben von Fachportalen beziffert sie den Schweizer Markt auf rund 660 Millionen Euro. Gerechnet wird mit rund 2875 aktiven Interim-Managern, einem durchschnittlichen Tagessatz von 1723 Euro und rund 133 Einsatztagen im Jahr.
Die Zahlen sind eine Hochrechnung: Anzahl Manager mal Tage mal Tagessatz ergibt das Volumen. Im Vorjahr hatte die Studie den Schweizer Markt noch auf 400 Millionen Euro geschätzt. Ein Anstieg um zwei Drittel in einem Jahr dürfte vor allem an der Methode liegen. Ein Boom lässt sich daraus nicht ablesen.
Ablesen lässt sich dagegen das Alter. In Deutschland sind laut der Studie des Verbands DDIM 81 Prozent der Interim-Manager zwischen 51 und 65 Jahre alt. Interim ist ein Arbeitsmarkt für Erfahrene, und es ist ein Markt mit Leerlauf. 133 Einsatztage heissen, dass fast die Hälfte der Arbeitstage ohne Mandat bleibt und damit ohne Lohn und Pensionskassenbeitrag.
Portfolio statt Posten
Aus diesen Zahlen folgt eine nüchterne Regel. Ein einzelnes Mandat ist ein Zubrot. Eine tragfähige Mandatskarriere braucht mehrere Standbeine: ein oder zwei Einsätze auf Zeit im Jahr, zwei oder drei Verwaltungsratssitze, einzelne Beratungsaufträge. Wer das aufbaut, gewinnt Unabhängigkeit und Abwechslung. Er verliert die Sicherheit des Fixlohns und die Beiträge des Arbeitgebers an die Vorsorge, oft auch das Team, mit dem er früher gearbeitet hat.
Die interessanteste Stufe ist die letzte, die eigene Beteiligung. Wer als Verwaltungsrat oder Interim-Chef ein KMU von innen kennt, sieht früher als jeder Käufer von aussen, ob es eine Zukunft hat. Er sieht auch, ob der Inhaber einen Nachfolger sucht. Aus dem Mandat kann eine Minderheitsbeteiligung werden und daraus eine Übernahme. So wird aus der Karriere nach dem Titel eine Karriere mit Eigentum.
In den Verwaltungsräten der grossen Schweizer Arbeitgeber ist der Generationenwechsel längst ein Thema. Laut Schillingreport 2026 sind die Mitglieder im Schnitt 60 Jahre alt, knapp die Hälfte ist über 60. Die Nachfrage nach Erfahrung ist also da. Die Konkurrenz auch.
Serie · Karriere ist Handlungsfreiheit
Teil 10 von 12. Für die Entscheider von heute und morgen untersucht Leitgrad, welche Arbeit in der Schweiz wertvoller wird, wer an Verhandlungsmacht verliert und wie aus Karriere Führung und Eigentum werden. Bisher erschienen: KI und Berufseinstieg · Fachkräftemangel 2026 · Berufseinstieg trotz Fachkräftemangel · Ab welchem Lohn lebt man in Zürich gut? Der Mietvertrag entscheidet mit · Firma kaufen statt gründen · Arbeitslos ab 50 · «KI-Kenntnisse» gesucht · Familiennachfolge · Verantwortung zahlt.
Methode
Die Grafik vergleicht das durchschnittliche Jahreshonorar eines VR-Mitglieds in KMU (BDO Verwaltungsratsstudie 2023) mit dem zwölffachen Median-Monatslohn von Führungskräften mit Universitätsabschluss im oberen oder mittleren Kader (BFS, Lohnstrukturerhebung 2024; der standardisierte Monatslohn enthält 13. Monatslohn und Boni anteilig). Die Honorardaten sind drei Jahre alt; neuere liegen nicht vor. Die AIMP-Zahlen kennen wir nur aus der Wiedergabe durch Fachportale; das Bezugsjahr des Gesamtvolumens wird dort uneinheitlich angegeben. Eine Gesamtzahl der Verwaltungsratsmandate in der Schweiz ist nicht publiziert.
Was im Themenvorschlag anders stand: Dass «weniger Titel, mehr Mandate» für viele erfahrene Fachkräfte die attraktivere Endstufe sei, lässt sich nicht als Trend belegen. Belegt ist, dass der Markt für Erfahrung auf Zeit existiert und gut bezahlt, und dass ein einzelnes KMU-Mandat keinen Kaderlohn ersetzt.
Quellen
- BDO, Verwaltungsratsstudie 2023, 7. Juni 2023 bdo.ch
- swissVR Monitor I/2023 (swissVR, Deloitte, Hochschule Luzern), nach investrends.ch, 27. Februar 2023 investrends.ch
- AIMP, Marktstudie DACH 2026, Juni 2026, nach interimmanagerportal.de und interim-sherpas.com interimmanagerportal.de · interim-sherpas.com
- DDIM-Marktstudie 2026, nach proevolution.pro, 21. April 2026 proevolution.pro
- schilling partners, Schillingreport 2026, Mai 2026 schillingpartners.ch
- Bundesamt für Statistik, Lohnstrukturerhebung 2024, 25. November 2025 dam-api.bfs.admin.ch
Häufige Fragen
Was verdient ein Verwaltungsrat in einem Schweizer KMU?
Laut einer BDO-Studie von 2023 im Durchschnitt rund 21 000 Franken im Jahr pro Mandat, ein Präsidium rund 28 000.
Was verdienen Interim-Manager in der Schweiz?
Der Branchenverband AIMP nennt einen durchschnittlichen Tagessatz von 1723 Euro und rund 2875 Interim-Manager. Den Markt beziffert er auf rund 660 Millionen Euro.
Kann man von Verwaltungsratsmandaten leben?
Ein einzelnes Mandat ersetzt keinen Kaderlohn, der im Median bei rund 173 000 Franken im Jahr liegt. Tragfähig wird eine Mandatskarriere erst als Portfolio aus Interim, Verwaltungsräten und Beratung.
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