«KI-Kenntnisse» gesucht: Was Schweizer Arbeitgeber damit meinen
Rekord bei KI-Inseraten, aber nur 1,8 Prozent aller Stellen. Gesucht sind fast nur Anwender, und kaum ein Inserat sagt, was gemeint ist.

«Erfahrung mit KI-Tools von Vorteil.» Der Satz steht inzwischen in Inseraten für Buchhalterinnen, Bauleiter und Marketingassistenten. Was er bedeutet, weiss oft niemand genau, am wenigsten die Bewerber.
Die Daten zeigen etwas Überraschendes. KI-Kompetenz wird in der Schweiz viel seltener verlangt, als die Debatte vermuten lässt: in 1,8 Prozent aller Inserate. Und wenn sie verlangt wird, meint fast niemand das Programmieren.
Das Wichtigste in Kürze
Laut PwC verlangten 2025 rund 25 000 Schweizer Stelleninserate KI-Kompetenzen, ein Rekord. Das sind rund 9000 mehr als im Vorjahr und 1,8 Prozent aller Inserate. Fast der ganze Zuwachs betrifft Anwender: plus rund 8400 Inserate, die den Umgang mit KI verlangen, gegenüber plus 220 für Entwickler. In der Finanzbranche sind 95,9 Prozent der KI-Stellen Anwenderprofile. Die Nachfrage wandert aus der Informatik in andere Branchen: Laut jobs.ch wuchsen KI-bezogene Inserate im Bau und in der Finanzbranche am stärksten. Welche Fähigkeiten genau hinter «KI-Kenntnissen» stehen, weist keine öffentliche Schweizer Auswertung aus. Für Arbeitgeber heisst das: Wer KI-Kompetenz verlangt, sollte sagen, welche Aufgabe gemeint ist.
Gesucht: 8400 mehr Anwender. Und 220 mehr Entwickler.
Zuwachs der Schweizer Stelleninserate mit KI-Kompetenzen von 2024 auf 2025, nach Profil; Anwender setzen KI-Werkzeuge ein, Entwickler bauen KI-Systeme.

Die Grafik zeigt ein Verhältnis von fast 40 zu 1. Auf jedes zusätzliche Inserat für KI-Entwickler kamen 2025 rund 38 zusätzliche für Anwender. Gewachsen ist die Nachfrage nach Menschen, die KI in ihrem eigenen Beruf nutzen.
Überraschend ist der Abstand zu dem, was sich die meisten Bewerber unter KI-Kenntnissen vorstellen. Sie denken ans Programmieren. Gesucht wird vor allem der sichere Umgang mit Werkzeugen im eigenen Fach.
Für einen Schweizer Inhaber heisst das: Um KI-Kompetenz konkurriert er in Stellen, die jedes KMU hat, in Buchhaltung, Bauleitung und Marketing. Wer im Inserat die Aufgabe präzise beschreibt, findet leichter die Leute, die sie tatsächlich erledigen können.
Rekord auf kleiner Basis
PwC wertet für seinen AI Jobs Barometer jedes Jahr Stelleninserate aus, die der Datenanbieter Lightcast sammelt. Für die Schweiz meldete PwC im Juni einen neuen Höchststand: Rund 25 000 Inserate verlangten 2025 KI-Kompetenzen, rund 9000 mehr als im Vorjahr. Das klingt nach einer Welle. Gemessen am ganzen Stellenmarkt sind es 1,8 Prozent.
PwC unterscheidet Anwender, die KI-Werkzeuge im Beruf einsetzen, und Entwickler, die KI-Systeme bauen. Der Zuwachs 2025 bestand fast vollständig aus Anwendern, rund 8400 zusätzliche Inserate, gegenüber 220 zusätzlichen für Entwickler. Den höchsten Entwickleranteil hat die Branche Technologie, Medien und Telekommunikation mit 16,2 Prozent. In der Finanzbranche sind 95,9 Prozent der KI-Stellen Anwenderstellen.
Auffällig ist, wohin die Nachfrage wandert. Laut PwC hat sich das Volumen der KI-Inserate seit 2018 in Berufen mit geringer KI-Exposition um das 15,4-Fache erhöht. In stark exponierten Berufen war es das 8,7-Fache. Die Plattform jobs.ch kommt mit eigenen Daten auf ein ähnliches Bild. Zwischen der Zeit vor und nach dem Durchbruch der generativen KI wuchsen KI-bezogene Inserate im Bereich Bau, Architektur und Ingenieurwesen um 186 Prozent. In der Finanzbranche waren es 133 Prozent. In Informatik und Telekommunikation gingen sie um 30 Prozent zurück.
Was die Lohnprämie sagt
PwC vergleicht auch die ausgeschriebenen Löhne ähnlicher Stellen mit und ohne KI-Anforderung. Die Prämie fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus. Nach den Grafiken der Studie reicht sie 2025 von 14 Prozent in der Finanzbranche bis 35 Prozent in der Energiebranche. Einen Durchschnitt für die Schweiz weist PwC nicht aus. Und es sind Löhne in Inseraten, nicht tatsächlich bezahlte.
Britta Gross, bei PwC Schweiz für Organisation und Personal zuständig, fasst es vorsichtig: «Künstliche Intelligenz verändert die Anforderungen an berufliche Fähigkeiten rasant und nachhaltig.» Rasant stimmt. Flächendeckend ist die Veränderung bei 1,8 Prozent der Inserate noch nicht.
Was mit «KI-Kenntnissen» gemeint ist
Hier wird es dünn, und das ist selbst ein Befund. Weder PwC noch jobs.ch legen offen, welche konkreten Fähigkeiten hinter dem Etikett stecken. Bei PwC entscheidet eine Taxonomie des Datenanbieters, die in der Schweizer Auswertung nicht aufgeschlüsselt ist. Bei jobs.ch ist nicht definiert, was ein «KI-bezogenes» Inserat ist.
Eine Auswertung des Stellenmarkt-Monitors der Universität Zürich warnt zudem vor Übertreibung. Überfachliche Fähigkeiten machen inzwischen über 63 Prozent der Anforderungen in Inseraten aus, gegenüber rund 60 Prozent im Jahr 2022. Das sei aber kein KI-Effekt, schreibt Johanna Bolli-Kemper vom Monitor, sondern «Teil eines allgemeinen strukturellen Wandels».
Für die Praxis lassen sich aus den Profilen dennoch drei Ebenen ableiten, die ein Inserat meinen kann. Die erste ist die sichere Nutzung von Werkzeugen wie Sprachmodellen und Copiloten im eigenen Fach. Die zweite ist die Fähigkeit, Arbeitsabläufe mit diesen Werkzeugen neu zu bauen und die Ergebnisse zu prüfen. Die dritte ist das technische Entwickeln und Betreiben von KI-Systemen. Die erste Ebene ist, was die meisten Arbeitgeber suchen. Die dritte ist, was sich die meisten Bewerber darunter vorstellen.
Was Arbeitgeber und Bewerber daraus machen
Für Arbeitgeber ist «KI-Kenntnisse» eine Anforderung, die nichts misst, solange sie nicht präzisiert ist. Besser ist die Aufgabe: «erstellt Offertentwürfe mit einem Sprachmodell und prüft sie auf Fehler» oder «betreut die Einführung eines KI-Assistenten im Kundendienst». So wird aus einem Schlagwort ein Kriterium, das sich im Gespräch prüfen lässt.
Für Bewerber gilt das Gleiche umgekehrt. Ein Kursnachweis sagt wenig. Ein Beispiel sagt viel: welche Aufgabe, welches Werkzeug, welche Zeit gespart, welcher Fehler gefunden. Nicht einmal jedes fünfzigste Inserat verlangt KI-Kompetenz ausdrücklich. In diesem Markt gehört, wer sie konkret belegen kann, noch zur Minderheit.
Serie · Karriere ist Handlungsfreiheit
Teil 7 von 12. Für die Entscheider von heute und morgen untersucht Leitgrad, welche Arbeit in der Schweiz wertvoller wird, wer an Verhandlungsmacht verliert und wie aus Karriere Führung und Eigentum werden. Bisher erschienen: KI und Berufseinstieg · Fachkräftemangel 2026 · Berufseinstieg trotz Fachkräftemangel · Ab welchem Lohn lebt man in Zürich gut? Der Mietvertrag entscheidet mit · Firma kaufen statt gründen · Arbeitslos ab 50.
Methode
Die Grafik zeigt den Zuwachs der Inserate mit KI-Kompetenzen von 2024 auf 2025 nach Profil, wie ihn PwC für die Schweiz ausweist (Anwender: Grundkenntnisse und angewandte KI; Entwickler: fortgeschrittene KI-Fähigkeiten). Die Vorjahreszahl von rund 16 000 Inseraten ist aus «rund 25 000» minus «rund 9000» abgeleitet. Die Lohnprämien nach Branche haben wir aus den Grafiken der Studie gelesen. Die drei Ebenen im letzten Abschnitt sind unsere Einordnung, keine Kategorie der Studien.
Was im Themenvorschlag anders stand: Die Aussagen zum Rekordwert und zum Technologie- und Telekomsektor stimmen. Eine öffentliche Auswertung, welche konkreten Fähigkeiten Schweizer Arbeitgeber mit «KI-Kenntnissen» meinen, gibt es in den geprüften Quellen nicht; eine einschlägige Auswertung des Anbieters x28 konnten wir nicht abrufen.
Quellen
- PwC Schweiz, «Stellenanzeigen: KI-Jobs in der Schweiz erreichen neuen Rekordwert», Medienmitteilung vom 15. Juni 2026, und 2026 AI Jobs Barometer, Swiss cut pwc.ch · pwc.ch
- JobCloud, jobs.ch KI-Report 2026, Juni 2026 jobcloud.ch
- Adecco Group Swiss Job Market Index Q1 2026 mit dem Stellenmarkt-Monitor Schweiz, 23. April 2026 adeccogroup.com
Häufige Fragen
Wie viele Stelleninserate verlangen KI-Kenntnisse?
Laut PwC rund 25 000 Schweizer Inserate im Jahr 2025, ein Rekord und rund 9000 mehr als im Vorjahr. Das sind 1,8 Prozent aller Inserate.
Suchen Arbeitgeber KI-Entwickler oder KI-Anwender?
Vor allem Anwender. Inserate, die den Umgang mit KI verlangen, nahmen um rund 8400 zu, Entwicklerstellen um rund 220. In der Finanzbranche sind 95,9 Prozent der KI-Stellen Anwenderprofile.
Was sollten Arbeitgeber in Inseraten zu KI schreiben?
Welche Aufgabe gemeint ist. Eine öffentliche Schweizer Auswertung, welche Fähigkeiten hinter «KI-Kenntnissen» stehen, gibt es nicht.
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