Management Buy-in: Wie Manager in der Schweiz Unternehmer werden
Jede vierte geplante Nachfolge soll an eine Führungskraft von aussen gehen. Wie ein Kauf finanziert wird, wo er scheitert und für wen er passt.

Irgendwann stellt sich vielen Kaderleuten die Frage, ob der nächste Schritt noch einmal ein Titel sein soll. Sie haben Bereiche geführt und Budgets verantwortet. Was ihnen fehlt, ist das Eigentum.
Der Weg dorthin hat einen sperrigen Namen: Management Buy-in. Eine Führungskraft von aussen kauft sich in eine bestehende Firma ein und führt sie. In der Schweiz ist das keine Nische mehr, jede vierte geplante Nachfolge soll so laufen.
Das Wichtigste in Kürze
Schweizer KMU-Inhaber planen 25,4 Prozent ihrer Eigentumsübergaben als Management Buy-in. Das zeigt die Nachfolgestudie 2026 von UBS und der Universität St. Gallen. Gemeint sind Führungskräfte, die bisher nicht im Unternehmen arbeiten. Familienintern sind es 38,6 Prozent, an das eigene Kader 21,6 Prozent. Oft wird zuerst die Geschäftsführung übergeben, dann das Eigentum. Das KMU-Portal des Bundes nennt Richtwerte für die Finanzierung: 20 bis 40 Prozent aus Eigenmitteln, 40 bis 50 Prozent über die Bank und den Rest über Zwischenfinanzierungen wie ein Darlehen des Verkäufers. Die Bank will ihr Geld in vier bis sechs Jahren aus dem freien Cashflow der Firma zurück. Für den Käufer zählt deshalb vor allem eine Frage: Kann die Firma ihre eigene Übernahme bezahlen?
Vier von zehn Firmen bleiben in der Familie. Jede vierte geht an eine Führungskraft von aussen.
Geplante Wege der Eigentumsübergabe in Schweizer KMU. Ein Feld entspricht einem Prozent.

Die Grafik zeigt, wie breit die Nachfolge in der Schweiz angelegt ist. Die Familie bleibt der häufigste Weg, sie deckt aber nur vier von zehn geplanten Übergaben ab. Fast die Hälfte geht an Führungskräfte: 25 Prozent an Leute von aussen, 22 Prozent an das eigene Kader.
Überraschend ist, dass der Buy-in vor dem Buy-out liegt. Inhaber planen häufiger mit einer Führungskraft, die ihre Firma noch nicht kennt, als mit dem eigenen Kader. Finanzinvestoren spielen in den Plänen dagegen kaum eine Rolle.
Für Kaderleute mit Eigenkapital heisst das: Jeder vierte Inhaber plant mit jemandem wie ihnen. Für den Inhaber heisst es, die eigene Firma so aufzustellen, dass ein Fremder sie versteht und eine Bank sie finanziert.
Buy-out, Buy-in, der Unterschied
Beim Management Buy-out übernehmen Leute, die schon in der Firma arbeiten. Das kann der Verkaufsleiter sein, die Finanzchefin oder das Kader. Beim Management Buy-in kommt der Käufer von aussen. Er kennt die Branche, vielleicht die Kunden, aber nicht das Innenleben der Firma. Die St. Galler Studie stuft die Informationsasymmetrie beim Verkauf an Aussenstehende deshalb als hoch ein. Sie hält eine gründliche Prüfung vor dem Kauf für nötig.
Die Übergabe geschieht selten auf einen Schlag. «Bei einer gestaffelten Übergabe wird meist zuerst die Geschäftsführung übertragen, bevor die Eigentumsübertragung folgt», schreiben die Autoren. Beim Verkauf an Aussenstehende geht die Geschäftsführung in 80 Prozent der Fälle an die neuen Leute. Für Kaderleute ist das der natürliche Einstieg: erst als Geschäftsführer mit einer vereinbarten Option, dann schrittweise als Eigentümer.
Wie ein Kauf finanziert wird
Die Mechanik ist einfacher, als sie klingt, und härter, als viele hoffen. Ein Rechenbeispiel mit den Richtwerten des KMU-Portals: Eine Firma kostet 3 Millionen Franken. Der Käufer bringt 20 bis 40 Prozent selbst mit, also 600 000 bis 1,2 Millionen. Die Bank finanziert 40 bis 50 Prozent, also 1,2 bis 1,5 Millionen. Den Rest überbrückt ein Darlehen des Verkäufers oder eine andere nachrangige Finanzierung.
Die Zürcher Kantonalbank will ihr Geld in vier bis sechs Jahren zurück. Dafür muss die Firma jedes Jahr 200 000 bis 375 000 Franken freien Cashflow abwerfen, nur für die Tilgung. Zinsen, Investitionen und der Lohn des neuen Chefs kommen dazu.
Für kleinere Käufe hilft der Bund. Vier Bürgschaftsgenossenschaften, gestützt vom Seco, verbürgen Bankkredite bis eine Million Franken, auch für Unternehmenskäufe. Der Bund trägt bis zu 65 Prozent des Verlustrisikos. Die Genossenschaft verlangt dafür eine jährliche Prämie und «gewisse Eigenmittel».
Auch die Verkäufer kommen den Käufern entgegen, wenn man sie fragt. In der vierten St. Galler Kurzstudie waren 74 Prozent der befragten Familienunternehmer bereit, eine längere Übergangsphase mitzutragen. 57 Prozent zeigten sich offen für flexible Zahlungsmodelle. Im Grunde sind solche Modelle Kredite des Verkäufers an seinen Nachfolger.
Wo es scheitert
Die Risiken sind bekannt, und die Studie benennt sie. 76 Prozent der Inhaber sehen den Erfolg ihrer Firma stark an ihre eigene Person oder den Geschäftsführer gebunden. Wer eine solche Firma kauft, kauft ein Unternehmen, dessen wichtigste Kundenbeziehung gerade in Pension geht. Mangelndes Vertrauen in externe Nachfolger nennen 29 Prozent der Inhaber als starkes Hindernis, die Angst vor Kontrollverlust 25 Prozent. Nur 28 Prozent sind bereit, externe Berater beizuziehen, meist wegen der Kosten.
Eine fünfte Kurzstudie hat 87 Inhaber befragt, die eine Übernahme hinter sich haben. Als wichtigste Erfolgsfaktoren nannten sie eine klare Aufgaben- und Rollenverteilung (93 Prozent) und regelmässigen Austausch (85 Prozent). 70 Prozent nannten eine enge Beziehung zum Vorgänger. Harte Finanzierung und weiche Übergabe gehören zusammen.
Der Weg über den Search Fund
Eine Variante hat sich in der Schweiz etabliert: der Search Fund. Eine Führungskraft sammelt bei Investoren Geld und sucht damit ein bis zwei Jahre lang eine passende Firma. Dann kauft sie die Firma mit dem Kapital der Investoren und führt sie. Der Zuger Investor Novastone finanziert solche Suchen. Nach eigenen Angaben hat er seit der Gründung 27 Übernahmen realisiert, bei Zielfirmen mit einem Betriebsgewinn von 2 bis 7 Millionen Franken. Jedes Jahr gehen bei Novastone nach eigenen Angaben rund 3000 Bewerbungen ein.
Für wen es passt
Der Management Buy-in ist keine Abkürzung zum Reichtum. Er verlangt Eigenkapital, das die meisten Führungskräfte über Jahre angespart oder in der Pensionskasse gebunden haben. Dazu kommt eine persönliche Haftung, die schlaflose Nächte bringt. Wer kauft, übernimmt ausserdem eine Firma, die ein anderer aufgebaut hat, und das verlangt Demut. Der Buy-in passt zu Menschen, die ein Geschäft führen können und es besitzen wollen. Sie müssen bereit sein, das Risiko zu tragen, das bisher ihr Arbeitgeber trug.
Für diese Menschen öffnet sich gerade ein Markt, wie es ihn in der Schweiz selten gab. Rund 168 000 KMU planen bis Ende 2030 eine Eigentumsübergabe. Ein Viertel davon sucht jemanden wie sie. Karriere heisst so gesehen mehr Handlungsfreiheit, und die grösste bietet die eigene Firma.
Serie · Karriere ist Handlungsfreiheit
Teil 12 von 12. Für die Entscheider von heute und morgen untersucht Leitgrad, welche Arbeit in der Schweiz wertvoller wird, wer an Verhandlungsmacht verliert und wie aus Karriere Führung und Eigentum werden. Bisher erschienen: KI und Berufseinstieg · Fachkräftemangel 2026 · Berufseinstieg trotz Fachkräftemangel · Ab welchem Lohn lebt man in Zürich gut? Der Mietvertrag entscheidet mit · Firma kaufen statt gründen · Arbeitslos ab 50 · «KI-Kenntnisse» gesucht · Familiennachfolge · Verantwortung zahlt · Mandate statt Titel · Head of irgendwas.
Methode
Die Grafik zeigt die geplanten Wege der Eigentumsübergabe aus der zweiten Kurzstudie der Nachfolgestudie 2026 (Befragung von 401 KMU-Inhabern im September 2025): familienintern 38,6 Prozent, Management Buy-in 25,4, Management Buy-out 21,6, strategischer Investor 12,6, Finanzinvestor und Börsengang zusammen 1,7 Prozent, auf ganze Felder gerundet. Es sind Pläne, keine vollzogenen Übergaben; Erfolgsquoten je Weg weist die Studie nicht aus. Das Rechenbeispiel ist eine Illustration mit den Richtwerten des KMU-Portals und der Zürcher Kantonalbank, keine Aussage über typische Kaufpreise. Verlässliche Kaufpreis-Multiplikatoren für Schweizer KMU sind nicht publiziert.
Was im Themenvorschlag anders stand: Die Aussagen zum Management Buy-in stimmen im Kern. Namentliche, frei zugängliche Schweizer Beispiele eines Management Buy-in sind selten; wir nennen deshalb keines.
Quellen
- UBS und Center for Family Business der Universität St. Gallen, Nachfolgestudie 2026, Kurzstudien 1, 2, 4 und 5 (Januar bis Mai 2026) cfb.unisg.ch · cfb.unisg.ch · cfb.unisg.ch · cfb.unisg.ch
- KMU-Portal des Bundes, Grundlagen der Nachfolgefinanzierung; Seco, Bürgschaften für KMU; BG OST-SÜD, häufige Fragen kmu.admin.ch · seco.admin.ch · bgost.ch
- Zürcher Kantonalbank, Unternehmenskauf finanzieren zkb.ch
- KMU-Portal des Bundes, Interview «Search Funds fördern nachhaltige Unternehmensnachfolge» mit Robin Goldhagen, Novastone kmu.admin.ch
Häufige Fragen
Was ist ein Management Buy-in?
Eine Führungskraft, die bisher nicht im Unternehmen arbeitet, kauft sich ein und übernimmt die Leitung. Schweizer KMU-Inhaber planen laut der Nachfolgestudie 2026 25,4 Prozent ihrer Übergaben so.
Wie finanziert man einen Management Buy-in in der Schweiz?
Das KMU-Portal des Bundes nennt als Richtwerte 20 bis 40 Prozent Eigenmittel, 40 bis 50 Prozent Bankkredit und den Rest über Zwischenfinanzierungen wie ein Darlehen des Verkäufers.
Worauf achtet die Bank bei einem Management Buy-in?
Ob die Firma ihre eigene Übernahme bezahlen kann. Die Bank will ihr Geld in vier bis sechs Jahren aus dem freien Cashflow zurück.
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